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Bosch-Werk in Homburg
Bei der Brennstoffzelle geht’s voran

 3300 Stellen will Bosch laut Gesamtbetriebsrat in den kommenden zwei Jahren abbauen. Doch bei Bosch in Homburg stehen nur einzelne Stellen zur Disposition - und die sollen sozialverträglich wegfallen.
3300 Stellen will Bosch laut Gesamtbetriebsrat in den kommenden zwei Jahren abbauen. Doch bei Bosch in Homburg stehen nur einzelne Stellen zur Disposition - und die sollen sozialverträglich wegfallen. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Homburg. Das Bosch-Werk Homburg positioniert sich bei der mobilen Brennstoffzelle. Es hat als Leitwerk bei drei Komponenten die weltweite Verantwortung hinsichtlich der Fertigungsprozesse. Beim Thema Dieselmotor verweist das Unternehmen auch auf technische Lösungen. Von Eric Kolling

Der Personalstand bei Bosch soll perspektivisch zurückgehen, allerdings sieht das Unternehmen am Standort Homburg aktuell doch nicht den „deutlichen Personalüberhang für Ende 2019“. Von einem solchen hatte Standortsprecher Timm Stegentritt im April 2019 gegenüber unserer Zeitung gesprochen, keine Größenordnung nennen wollen. Doch sei die Auftragslage besser als damals angenommen. Auch ins erste Quartal 2020 schaue man optimistisch. „Die Planungssicherheit ist nicht mehr so wie früher“, schränkt er aber ein.

Und erklärt, dass Bosch weiterhin jede Möglichkeit nutze, Personal am Standort „sozialverträglich abzubauen“. Über Altersteilzeit- oder Vorruhestandsverträge, in Einzelfällen Abfindungsprogramme mit doppelter Freiwilligkeit. Damit bestätigt er Aussagen der IG Metall (wir berichteten), wonach das Unternehmen generell Arbeitsplätze abbauen will: „Wir wissen, dass sich die Beschäftigung am Standort reduzieren wird.“ Auch wenn der Standort gerade „richtig gut ausgelastet“ sei, vor allem die Nutzkraftwagen nachgefragt würden. „Wir brauchen Zeit für die Transformation, den Wechsel zur E-Mobilität. Wenn uns der gelingt, sind wir gut aufgestellt.“

Im Dieselbereich stehe man gerade bei 3900, bei Rexroth bei 600. Im Laufe des Jahres seien etwa 140 Arbeitsplätze weggefallen. „Das ist eine normale Entwicklung, wie in all den Jahren vorher auch“, erklärt Stegentritt, der an die perspektivischen Veränderungen der Automobilindustrie erinnert. Der Anteil an Neuzulassungen des Diesels liege um 25 Prozent niedriger als vor drei, vier Jahren. Die globale Kraftfahrzeug-Produktion gehe seit dem Jahr 2018 zurück. 2017 habe man 98 Millionen Einheiten verzeichnet, heute seien es nur noch 91 Millionen, Tendenz weiter sinkend. Keine Rede mehr von den einmal prognostizierten über 110 Millionen Einheiten für die Jahre 2025/26. Dass die Verkaufszahlen des Diesels so zurückgingen, könne er hierbei teilweise nachvollziehen. „Das Thema Feinstaub ist dank Partikelfilter seit vielen Jahren gelöst, beim CO2-Ausstoß ist der Diesel besser als der Benziner, und der Ausstoß von Stickoxiden liegt dank Bosch-Technologie bei neuesten Fahrzeugen um Faktor 10 unter dem Grenzwert“, schildert Stegentritt. Er bedauert, dass solche Aspekte in der öffentlichen Diskussion keine Rolle spielten.



Um die Situation am Standort angesichts des dennoch anhaltenden Abwärts-Trends beim Diesel zukunftssicher zu gestalten, führe er mit dem Betriebsrat Gespräche. Dabei gehe es auch um eine Arbeitszeitverkürzung. Eine solche hat das Bamberger Bosch-Werk, der größte Produktionsstandort des Autozulieferers in Deutschland, mit dem Betriebsrat Anfang November ausgehandelt. Betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 wurden ausgeschlossen, die Mitarbeiter kommen nur noch auf 32 anstatt auf 35 Arbeitsstunden. Der Schritt gebe die Zeit, um das Werk neu auszurichten, das mit seinen mehr als 7000 Beschäftigten komplett am Verbrennungsmotor hänge. „Eine solche Maßnahme hält das Know-How im Werk“, erklärt Stegentritt.

Abseits vom Diesel macht das Thema mobile Brennstoffzelle bei Bosch Fortschritte. Habe man anfangs von einer Musterfertigung gesprochen, „sind wir mittlerweile in Richtung Industrialisierung unterwegs“, sagt der Standortsprecher. In den nächsten Monaten solle die Serienfertigung starten. Homburg sei als Standort Leitwerk, habe für drei Komponenten die weltweite Verantwortung hinsichtlich der Fertigungsprozesse und damit der Kosten der Brennstoffzelle. „Unsere Aufgabe ist es, aus der Musterphase heraus Fertigungsprozesse zu entwickeln, die eine Wettbewerbsfähigkeit zulassen.“ Im Moment sei „eine zweistellige Zahl“ an Mitarbeitern an der Entwicklung dran, „da wird permanent aufgestockt“. Zunächst liege in der Entwicklungsphase der Fokus auf Ingenieuren, im Musterbau auf Monteuren. „Wir sehen nicht im nächsten Jahr Stückzahlen, die uns das rückläufige Dieselgeschäft kompensieren“, stellt Stegentritt klar. Die Brennstoffzelle sei im ersten Schritt interessant für Nutzkraftwagen, die längere Distanzen zurücklegten und alle 500 bis 700 Kilometer mit Wasserstoff aufgetankt werden müssten.