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Debatte um Sanierung des alten Rathauses Homburg
Brandschutztreppe am alten Rathaus im Eiltempo errichtet

 Die neue Brandschutztreppe an der Front des alten Rathauses Homburg gefällt nicht jedem.
Die neue Brandschutztreppe an der Front des alten Rathauses Homburg gefällt nicht jedem. FOTO: Eric Kolling
Homburg. Weil das alte Rathaus hätte sonst sofort geschlossen werden müssen, hat die Stadt die Maßnahme ohne Ausschreibung umgesetzt. Möglicherweise wird sie noch durch eine kleinere ersetzt. Von Eric Kolling

Beim alten Rathaus hat die Stadt blitzschnell Nägel mit Köpfen gemacht: Hatte Bürgermeister Michael Forster (CDU) eine aus Brandschutzgründen nötige neue Fluchttreppe noch bei der Vorbesprechung zur letzten Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag angekündigt, ist sie seit Montag schon aufgebaut. „Entsprechende Gespräche“ zum Standort, die Ende letzter Woche noch liefen, wurden demnach schnell zum Ende gebracht.

Die Treppe ist nun an der rechten Seite aufgebaut und fällt einigermaßen stattlich aus. Und so auffällig, dass bei Facebook schnell Fotos erboster Bürger die Runde machten. David Brödel vom gegenüber gelegenen Lokal „Don Quichotte“ kritisierte die „Mammuttreppe“ gegenüber unserer Zeitung als „Verschandelung“.

Stadtsprecher Jürgen Kruthoff indes stellt auf Anfrage klar, dass man die Gerüsttreppe ohne Ausschreibung als Notmaßnahme habe aufstellen lassen. „Wir haben schnell Preisanfragen eingeholt und dann den Auftrag vergeben.“ Mit einer Ausschreibung hätte es Wochen gedauert – Zeit, die nicht zur Verfügung gestanden habe. Man prüfe derzeit noch, ob während der Sanierung auch eine kleinere Treppenvariante möglich sei, die ebenso ihren Zweck erfülle. Oder ob sie auf die Gebäuderückseite verlagert werden kann.



Doch warum die Eile? Laut Kruthoff hätte ohne eine solche Treppe das Gebäude noch letzte Woche geschlossen werden müssen. Im Rahmen der Um- und Sanierungsplanung des alten Rathauses habe man Planungsbüros bedient. Die hätten festgestellt, dass bei Gebäuden dieser Größenordnung und Nutzung als Versammlungsstätte ein Brandschutzkonzept nötig sei. Ein Brandschutzsachverständiger habe bei einer Begehung mehrere Mängel erkannt und darauf hingewiesen, dass sofortiger Handlungsbedarf bestehe. Kruthoff: „Es kann nicht gewartet werden, es besteht absolut dringender Bedarf. Ohne die Treppe könnten wir das Gebäude nicht mehr betreiben.“ Das hätte auch zur Schließung der Stadtbibliothek geführt, denn „wir hätten vor dem großen Problem gestanden, damit schnell umziehen zu müssen.“ Auch das „Bistro 1680“ hätte in dem Fall sofort dichtmachen müssen. Und Veranstaltungen wie die Lesung mit Rennfahrer Timo Bernhard am Dienstag, 17. Dezember, wären kurzfristig flachgefallen.

Außer der provisorischen Notfalltreppe habe man letzte Woche noch eine mobile Funk-Brandschutzmeldeanlage eingebaut. Außerdem habe man Brandschutzlasten reduziert, also Geräte und Gegenstände entfernt, die entbehrlich sind, im Ernstfall nur den Brand beschleunigen oder die Fluchtwege blockieren. Alle Maßnahmen seien von Bauamt, Unterer Bauaufsicht und Feuerwehr gemeinsam erarbeitet worden. Eingeschränkt bleibt die Anzahl an Besuchern, die sich jetzt zeitgleich im alten Rathaus befinden dürfen. Kruthoff gibt sie mit 60 an.

Insgesamt seien allen voran Forster und die hauptamtliche Beigeordnete Christine Becker (SPD) sehr froh, dass man so schnell habe reagieren können. Man danke allen Beteiligten und der beauftragten Firma für die schnelle Umsetzung, stellt Stadtsprecher Jürgen Kruthoff klar. Becker und Forster hatten sich am Dienstag mit den Betroffenen im „Don Quichotte“ unterhalten und die Maßnahmen erläutert, erklärte er weiter. Weitere Gespräche mit den Wirten am Marktplatz sollen folgen.

„Die Brandschutztreppe wird uns eine ganze Zeit erhalten bleiben“, sagt er weiter, Besucher des Marktplatzes wie Gäste der anliegenden Restaurants müssten so lange damit leben. Ob eine spätere dauerhafte Treppe im Innenhof errichtet wird, sei noch unklar. Vermutlich werde das Provosorium für die Dauer der Sanierung bleiben. Mindestens im kommenden Sommer also, wenn der Marktplatz etwa beim Musiksommer und anderen kulturellen Veranstaltungen bespielt wird. Die Arbeiten am alten Rathaus könnten aber auch länger laufen, verdeutlicht Kruthoff. So müssten für die Sanierung jetzt die Fördermittelanträge schriftlich fixiert werden, für die die mündlichen Zusagen schon vorlägen. Dann folge die Ausschreibung der Planungsleistungen und eine Vergabe durch den Ständigen Vergabeausschuss. Dann würden die Pläne für die Maßnahme erst erarbeitet und dann die in ein Konzept gegossenen Leistungen nochmal ausgeschrieben. „Das kann jeweils mehrere Monate dauern“, schätzt Kruthoff.

Der Pressesprecher der Stadt erinnerte gegenüber unserer Zeitung daran, dass Homburg eine Kommune mit knappem Haushalt sei. „Eine 90-prozentige Förderung ist da eine unheimlich gute Möglichkeit, das Gebäude saniert zu bekommen. Mit eigenen Mitteln würden wir auf Jahre nicht dahingelangen.“ Letzte Woche hatte Forster noch eines klargestellt: „Dass es im Zuge der Sanierung eine neue Bühne geben muss, das steht für mich fest.“ Für ihn gebe es bei allem Abwägen der Möglichkeiten einen zentralen Punkt: „Man darf in dieses alte Rathaus keine Nutzung hineinbringen, die die Aktivitäten und das bisher dort dargebotene kulturelle Programm in irgendeiner Form stört.“