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Silvesterknaller
Böller nervten Erbacher Anwohner

 Nicht nur die Verletzungsgefahr durch Explosionen, auch die Feuergefahr ist groß, wenn ein fehlgeleiteter Böller auf brennbares Material trifft.
Nicht nur die Verletzungsgefahr durch Explosionen, auch die Feuergefahr ist groß, wenn ein fehlgeleiteter Böller auf brennbares Material trifft. FOTO: dpa / Boris Roessler
Homburg. Silvester machte nicht überall gute Laune, vor allem dort nicht, wo es schon am Nachmittag ununterbrochen auf der Straße krachte. Von Christine Maack

Silvester ist nun schon über eine Woche vorbei, aber die Erinnerung daran noch lange nicht. Jedenfalls nicht beim Ehepaar Schöffler aus Erbach, das in erster Linie mit Empörung an den 31. Dezember denkt.

„Am Silvester-Tag gegen 15 Uhr nachmittags entfachte in Erbach im Umkreis von Hochrech und Torweg ein dortiger Anwohner mit vier bis fünf angereisten Mitstreitern ein Lagerfeuer vor den Garagen im Torweg“, schildert Ellen Schöffler den Vorfall unserer Zeitung, „als wäre das offene Feuer nicht schon beängstigend genug, kam dann eine pausenlose Ballerei mit Knallern und Raketen hinzu.“

Nach den Schilderungen der Anwohnerin nahm der Lärm kein Ende, im Abstand von fünf bis zehn Minuten sei den ganzen Nachmittag über ein Kracher nach dem anderen gezündet worden. „Die Böller nebelten und stanken stark, beim Explodieren wackelten teilweise sogar die Fensterscheiben.“ Als es einigen Anwohnern zu bunt wurde, – nach Aussagen von Ellen Schöffler sollen vor allem kleinere Kinder ständig geweint haben –, wurde gegen 19 Uhr die Polizei gerufen.



Die kam auch prompt, „danach war dann zwei Studen Pause, aber gegen 22 Uhr ging es wieder los, geknallt wurde bis 2 Uhr nachts“. Teilweise, so Ellen Schöffler, seien Böller sogar durch einen Kanaldeckel in den Abflusskanal geworfen worden, wo sie dann explodierten.

Ein Querschläger sei etwa 40 Meter quer über die Straße an eine Hauswand am Hochrech geflogen. Insgesamt habe man rund acht Stunden „übelsten Böller-Terror und Umweltverschmutzung“ ertragen müssen, schildert die Leserin weiter.

Kinder und Haustiere seien völlig verschreckt gewesen. Schöfflers haben selbst einen alten, kranken Hund, „als ich mit dem Hund rausgehen wollte, stand ich vor einer Nebelwand aus schwarzem Qualm, ich habe kaum atmen können und auch nichts gesehen, der Hund reagierte panisch.“ Die gleiche Ballerei hatte das Ehepaar Schöffler schon am Silvestertag 2017 ertragen müssen, „in diesem Jahr hat es uns endgültig gereicht. Soll das jetzt eine feste Einrichtung werden?“ Von „guter Laune“ an Silvester könne in der Wohngegend Am Hochrech jedenfalls nicht die Rede sein.

Ellen Schöffler hat jetzt eine Unterschriftensammlung mit ebenfalls empörten Anwohnern gestartet und will sich damit an die Stadt wenden. Sie sei keinesfalls gegen ein Silvesterfeuerwerk, betont die Erbacherin, „alle vernünftigen Anwohner begannen gegen 23.30 Uhr damit und beendeten spätestens um ein Uhr das Feuerwerk, das ist in Ordnung und sollte auch erlaubt sein.“

Allerdings schon am frühen Nachmittag ununterbrochen Böller zu zünden, sei für sie ein „grober und gefährlicher Unfug, dem man Einhalt gebieten muss.“ Außerdem habe es sich nach Aussagen der besagten Gruppe auch teilweise um selbstgebastelte Böller gehandelt, die besonders laut explodierten, so Schöffler.

Eine Nachfrage bei der Polizei ergab, dass es laut der „Verordnung zum Sprengstoffgesetz“ am Silvestertag tatsächlich eine äußerst großzügige Regelung bezüglich der Knallerei gibt. „Grundsätzlich ist es erlaubt, am 31. Dezember von 0 Uhr an bis zum 31. Dezember um 24 Uhr zu böllern und Feuerwerkskörper zu zünden“, hieß es dazu von Seiten der Polizei. Mit anderen Worten: Man kann es den kompletten Silvestertag über krachen lassen. Trotzdem gebe es auch das Gesetz über „ruhestörenden Lärm“, hier gelte es abzuwägen. Laut Verordnung dürften an Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen keine Knaller und keine Raketen gezündet werden, „und in einem Wohngebiet, in dem Familien zu Hause sind, ist es auch eine Frage der Rücksichtnahme, hier keinen unerträglichen Lärm zu verbreiten“, so die Polizei weiter. Trotzdem habe sie bei ihrem Auftauchen am Hochrech nicht viel ausrichten können: „Wir sind natürlich gekommen, weil man uns gerufen hat.“ Danach war auch ein paar Stunden Ruhe, „aber danach ging es weiter wie vorher“, so die Anwohnerin.

Was die selbst gebastelten Böller angehe, so seien diese absolut verboten, betont die Polizei. „Das ist ganz klar geregelt, die Herbeiführung einer Explosion ist verboten. Alle Böller müssen eine offizielle Kennung aufweisen.“

Die Sache hat nur einen Haken: sie könne, so die Polizei, einen selbst zusammengefügten Sprengsatz nur vor der Explosion identifizieren, „danach wird es schwierig. Wenn der Böller zerplatzt ist, kann das nur noch ein Sprengstoffexperte beurteilen“.

Allerdings könne von unerwarteter Seite Hilfe für die Anwohner kommen, zum Beispiel vom Umweltbundesamt. Das vermeldete nämlich, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Feinstaub-Konzentration vielerorts so hoch war wie sonst im ganzen Jahr nicht. Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagten die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei würden rund 4500 Tonnen Feinstaub frei gesetzt, diese Menge entspreche in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. Da in der Silvesternacht auch noch diesiges Wetter herrschte – eine häufige Wetterlage zu dieser Jahrezeit – fiel das Atmen besonders schwer.