| 18:14 Uhr

Auch Verdi sieht Fortschritte
Personallage am UKS entspannt sich

 Für das Pflegepersonal in den Homburger Uni-Kliniken greift jetzt eine Regelung, die bei Arbeiten an Tagen mit Unterbesetzung automatisch freie Ausgleichstage zur Folge hat.
Für das Pflegepersonal in den Homburger Uni-Kliniken greift jetzt eine Regelung, die bei Arbeiten an Tagen mit Unterbesetzung automatisch freie Ausgleichstage zur Folge hat. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Homburg. Gewerkschaft Verdi zeigt sich mit den bisherigen Entwicklungen 2019 zufrieden, mahnt aber weitere Maßnahmen an. Auch das Uniklinikum betont seine bisherigen Erfolge. Ein spannender Punkt sind so genannte „Belastungstage“. Von Eric Kolling

Das Pflegepersonal entlasten – in Bezug auf das Homburger Uniklinikum ist das eine dauerhafte Forderung der Gewerkschaft Verdi. Noch im Januar hatte Michael Quetting, Verdi-Sekretär in der ver.di-Region Saar-Trier beklagt, die Beschäftigten seien über das normale Maß hinaus belastet. Im November und Dezember, so Quetting damals im SR, sei die vorgeschriebene Sollbesetzung des Klinikums mehr als 1000 Mal unterschritten worden, das Uniklinikum müsse reagieren und Operationen absagen oder weniger Patienten aufnehmen. Dazu mehr Pflegepersonal einstellen.

Teilweise habe sich die Lage gebessert, wie Quetting nun auf Anfrage schildert: „Es tut sich eine Menge, das muss man anerkennen. Aber mit der Geschwindigkeit sind wir schon gar nicht zufrieden.“  Es gebe weiterhin Schwierigkeiten, wenngleich im Gegensatz zum Jahresbeginn „auch an der Umsetzung gearbeitet“ werde. Konkret nennt er die seit dem 1. April erfolgte Einführung sogenannter Überlastungstage. „Das ist einmalig in Deutschland“, so Quetting. Arbeitet das Personal in Unterbesetzung, dann müsse ihm ein Belastungstag gutgeschrieben werden. Acht solcher Tage führten automatisch zu einem freien Tag im folgenden Dienstplan. „Damit wird Druck ausgeübt, weiter fleißig Personal zu gewinnen“, so Quetting, der auch sieht, dass das Uniklinikum „dringend in allen Bereichen“ nach neuen Mitarbeitern suche. Mit dem neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Bundesländer (TV-L), der Anfang März abgeschlossen wurde und rückwirkend zum Jahresbeginn gilt, habe man einen Nachteil beseitigt – nun verdienten examinierte Pflegekräfte am Uniklinikum saarlandweit am besten. „Wir hoffen, damit Begehrlichkeiten zu steigern“, sagt Quetting. „Und wenn das mit den Belastungstagen klappt, sind wir einen gewaltigen Schritt weiter“.

Das Uniklinikum erklärt auf Anfrage,  zwischen Oktober 2018 und heute netto 60 Stellen durch Einstellungen und Übernahmen in der Pflege (inklusive Funktions- und Servicebereiche) neu besetzt zu haben. 200 offene Stellen seien damit in einem halben Jahr auf 140 reduziert worden. „Das ist bei dem bundesweiten Mangel an Fachkräften ein erster Erfolg“, so Pressesprecher Roger Motsch. Von den hierbei berücksichtigten 130 Stellen, die in der schuldrechtlichen Vereinbarung mit verdi festgeschrieben seien, stünden 110 unter dem Vorbehalt der Refinanzierung durch das Pflegepersonalstärkungsgesetz. Bei der Suche nach Pflegepersonal seien mehrere Maßnahmen erfolgreich angelaufen, bestätigt Motsch die Aussagen von Quetting. Unter anderem seien „sehr viele Absolventen unseres Schulzentrums in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen“ worden. Eine größere Personal-Marketing-Kampagne für die Pflege habe aktuell zu höheren Bewerberzahlen geführt, ähnliche Maßnahmen sollten fortgesetzt werden. „In näherer Zukunft könnten auch geeignete ausländische Pflegekräfte für das UKS gewonnen werden“, so Motsch. Was die Attraktivität des aktuellen Tarifabschlusses angeht, da hofft er ebenso wie der Verdi-Sekretär auf eine gesteigerte „Attraktivität des Pflegeberufs an Universitätsklinika“.



Und wie fallen die ersten Erfahrungen des Uniklinikums mit den Belastungstagen aus? Im Rahmen dieser „Überlastungsausgleichsregelung“ würden noch „Piorisierungslisten der Aufgaben pro Pflegeorganisationsbereich erstellt“, um Überlastungen zu vermeiden. Seit man die schuldrechtliche Vereinbarung unterzeichnet habe, würden Maßnahmen wie Bettenschließungen und der Einsatz von Freelancern „schon gezielt zur Entlastung der Pflegekräfte eingesetzt“. Komme es trotzdem zu Schichten in Unterbesetzung, würden diese aufgezeichnet, um einen Überlastungsausgleich zu ermöglichen.