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Demokratiekonferenz
Engagement von Jugendlichen nicht unterschätzen

Der bekannte Jugendforscher Klaus Farin eröffnete die Konferenz mit seinem Vortrag „Über die Jugend und andere Krankheiten“.
Der bekannte Jugendforscher Klaus Farin eröffnete die Konferenz mit seinem Vortrag „Über die Jugend und andere Krankheiten“. FOTO: Bill Titze
Homburg. Gut besucht war die Konferenz der „Partnerschaft für Demokratie“ in Homburg. Von Bill Titze

Wie bewegt man junge Menschen dazu, sich politisch zu engagieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Wochenende die Demokratiekonferenz der „Partnerschaft für Demokratie“, in der Akteure aus verschiedenen zivilgesellschaftlichen Institutionen des Saarpfalz-Kreises zusammenarbeiten. Unter dem Motto „Potenziale und Grenzen von Jugendbeteiligung im ländlichen Raum“ fanden dabei verschiedene Vorträge und Diskussionsrunden im Homburger Forum statt.

Ganz wichtig war dabei vor allem eines: Es sollte mit den Jugendlichen und nicht über sie gesprochen werden. Mit dieser Grundhaltung konnte schließlich schon eine Voraussetzung erfüllt werden, die in der politischen Arbeit mit Jugendlichen extrem wichtig ist.

„Respekt und Akzeptanz sind die Basis dafür, dass Jugendliche sich engagieren“, stellte der bekannte Jugendforscher Klaus Farin in seinem Auftaktvortrag klar. „Die Inhalte müssen zusammen mit den jungen Leuten besprochen werden und dürfen nicht bereits vorgegeben sein.“ Nur über eine solche „offene Partizipation“ seien die Jugendlichen erreichbar.



Wie so etwas funktionieren kann, das zeigte Tobias Drumm vom „Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung“ im Anschluss am Beispiel der selbstverwalteten Jugendclubs, die im Saarland recht weit verbreitet sind. „Das Saarland nimmt mit seinen 130 Clubs hier eine Vorbildfunktion ein, was das Engagement von Jugendlichen anbelangt“, so Drumm.

Gleichzeitig gebe es aber weiterhin Hindernisse für das jugendliche Engagement. „Da geht es um bürokratische Hürden, aber auch um ganz praktische Dinge wie den Umgang mit den jungen Menschen.“ Es sei zum Beispiel wichtig, Fehler zu tolerieren und gewisse Freiräume zuzulassen.

In eine ähnliche Kerbe schlug im Gespräch Ralf Dittgen, der als Kreisjugendpfleger federführend an der Demokratiekonferenz beteiligt war. „Es ist wichtig, dass die etablierten Kräfte jungen Menschen auch Raum geben, um sich zu engagieren. Nur so können letztlich alte Zöpfe abgeschnitten und neue Ideen entwickelt werden, die für eine Gesellschaft unbedingt notwendig sind.“

Wie ein solches Potenzial gerade auch in der Heimat genutzt werden kann, schilderte Carmen John vom Projekt „Junge Biosphäre“ am Beispiel des Jugendengagements im Bereich der Nachhaltigkeit.

Damit war die Beschäftigung mit dem Thema Demokratie im Forum aber noch lange nicht beendet. Am Abend folgte nämlich noch die Präsentation und Prämierung der Ergebnisse des Kunstwettbewerbes „Freiheit und Demokratie – meine Heimat Saarpfalz“.

Dabei ist es kein reiner Zufall, dass ein solcher Wettbewerb in diesem Jahr stattfindet, wie Kreisjugendpfleger Dittgen erklärt. „Da wir ja 2018 den 200. Geburtstag des Landkreises Homburg feiern und der erste Landrat Philipp Jakob Siebenpfeiffer ein Vorkämpfer liberaler Werte war, wollten wir diesbezüglich auch etwas Attraktives für junge Menschen organisieren.“

So sollten sich die Kunstwerke im weitesten Sinne mit dem Thema „Freiheit“ beschäftigen, wobei die Gestaltung den Jugendlichen überlassen blieb. Und das war durchaus erfolgreich.

Entstanden ist so eine bemerkenswert bunte Palette an Werken, die sich nicht nur auf Gemaltes beschränken, sondern auch Lieder, Handyaufnahmen und Graffiti umfassen. Durchaus ein Beispiel dafür, dass es um jugendliches Engagement nicht so schlecht bestellt ist, wie vielleicht gemeinhin angenommen wird.