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Verhalten bei Hitze
Bei Hitze gelten andere Regeln

Wasser sorgt bei heißen Temperaturen am besten für Abkühlung. Wer tagsüber im Büro sitzt, muss bis abends warten, bis er ins Schwimmbad kommt.
Wasser sorgt bei heißen Temperaturen am besten für Abkühlung. Wer tagsüber im Büro sitzt, muss bis abends warten, bis er ins Schwimmbad kommt. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Homburg . Sport gehört in die frühen Morgenstunden, Wasser sollte stets bereit stehen. Wir sprachen mit der Uni-Internistin Dr.Ingrid Kindermann. Von Christine Maack

Seit Wochen herrscht in Deutschland Freibadwetter, das Thermometer klettert jeden Tag verlässlich über 32 Grad, die Kinder jubeln im Wasser, die arbeitende Bevölkerung, besonders jene ohne Klimaanlage im Büro, stöhnt hingegen über die Hitze. Ventilatoren verquirlen höchstens die warme Luft, nützen aber auch nicht wirklich viel. Es ist das altbekannte Ritual. Regnet es, ist‘s ein mieser Sommer, ist es richtig warm, hat‘s auch keiner so recht gewollt. Schon jetzt ist klar: der Sommer 2018 wird ein Ausnahmesommer, mehr und mehr erinnert er an den „Katastrophen-Sommer“ von 2003.

 Nachfragen am Uniklinikum ergaben, dass bisher aber noch keine besorgniserregende Anzahl an Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen zu verzeichnen ist. Es gebe natürlich Einweisungen in die Notfallstation, meistens seien es Kreislaufprobleme, manchmal auch Sonnenstiche.  „Oft liegt es daran, dass die Personen dehydriert sind, also nicht genügend Wasser zu sich genommen haben“, betont die Privatdozentin Dr. Ingrid Kindermann, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin III (Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin). Das betreffe vor allem ältere Menschen. Sind die Probleme ernst, müssen die Patienten stationär mit Infusionen behandelt werden. Ingrid Kindermann erklärt, warum das Trinken so wichtig ist: „Wenn der Körper zu wenig Wasser bekommt, kann sich die Nierenfunktion verschlechtern und der Blutdruck sinken. Nun sind bei Hitze die Gefäße ohnehin geweitet, was den Blutdruck zusätzlich fallen lässt. Also kann es leicht zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen. Das äußert sich durch Schwindel und Übelkeit. Im schlimmsten Fall verliert man das Bewusstsein.“ Das sei besonders bei älteren Leuten dramatisch, weil sie dabei womöglich stürzen können.

 Deshalb empfiehlt die Internistin, sich einfach morgens zwei Literflaschen mit Wasser auf den Tisch zu stellen und sie im Laufe des Tages konsequent leer zu trinken, „auch, wenn man kein Durstgefühl verspürt“. Denn Durst sei oft ein Notsignal, dass man schon längst hätte etwas trinken sollen. Dabei sei es völlig egal, ob das Tee, Wasser oder Saft ist. Natürlich keinen Alkohol, der kann die Kreislaufprobleme noch verschlimmern. Insbesondere Personen mit einer diagnostizierten Herzschwäche dürften nicht übermäßig trinken, „da rate ich zu einem halben Liter mehr als sonst, aber am besten ist, die Betroffenen besprechen ihre Trinkmenge mit dem behandelnden Hausarzt und wiegen sich jeden Abend, damit sie sicher gehen können, dass das es nicht zu Wassereinlagerungen im Körper kommt.“



 Wichtig sei auch, die Getränke niemals eiskalt in großen Mengen in den Magen zu schütten, „denn dieser „Temperaturschock“ kann auch für den Kreislauf belastend sein, der mit der Kälte erst mal fertig werden muss“. Das sei ein ähnlich ungesunder Effekt, der sich einstelle, wenn man überhitzt ins kalte Wasser springe. Große Temperaturunterschiede seien zu meiden, statt dessen seien kühle Umschläge, Fußwaschungen, lauwarmes Duschen, Einreiben mit kühlenden Gels zu empfehlen.

Das Problem sei, dass viele Leute wenig Erfahrung damit hätten, was sie sich bei den derzeitigen Temperaturen zumuten können. Besonders Patienten sollten in der Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr Sport und körperlich anstrengende Arbeiten bei den aktuellen Temperaturen vermeiden. Und auch Gesunde sollten ihre sportlichen Aktivitäten lieber in die frühen Morgenstunden bei angenehmeren Außentemperaturen verlegen. Selbst die Abende seien derzeit zu warm dafür, da die Temperaturen erst gegen 4 Uhr morgens spürbar zurückgingen.

 Und wie sieht es am Uniklinikum aus? Leiden die Patienten unter der Hitze? „Auf den Stationen im Neubau der I-MED sorgen moderne Außenjalousien und Innenrollos dafür, dass die Hitze nicht zu sehr eindringen kann.“ Es sei deshalb für die Patienten in den Zimmern erträglich.

 „In den Räumen, in denen empfindliche Großgeräte stehen, haben wir natürlich Klimaanlagen, dazu gehören alle OP’s, die CT- und MRT-Räume und das Herzkatheter-Labor,“ betont Dr. Ingrid Kindermann. Auch die Intensivstationen und einzelne andere Stationen mit Schwerstkranken seien mit Klimaanlagen versorgt. Auch seien alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums in Anbetracht der teilweise schweren körperlich anstrengenden Arbeit angehalten, sich an den Wasserspendern zu bedienen, um auf ihre Gesundheit zu achten.

Flüssigkeit in Form von Wasser, Früchtetee oder verdünntem Fruchtsaft sollte den ganzen Tag über bereit stehen. Allerdings nicht eiskalt, sondern am besten bei Zimmertemperatur.
Flüssigkeit in Form von Wasser, Früchtetee oder verdünntem Fruchtsaft sollte den ganzen Tag über bereit stehen. Allerdings nicht eiskalt, sondern am besten bei Zimmertemperatur. FOTO: dpa / Patrick Seeger