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Bauvorhaben erregt die Gemüter

Das weiße Eckhaus an der Kreuzung Saarbrücker Straße/Kirchenstraße soll einem Neubau weichen. Fotos: Christine Maack
Das weiße Eckhaus an der Kreuzung Saarbrücker Straße/Kirchenstraße soll einem Neubau weichen. Fotos: Christine Maack
Homburg. Erst aus unserem Bericht über die jüngste Stadtratssitzung haben die Bewohner und Geschäftsleute erfahren, dass an der Ecke Saarbrücker Straße/Kirchenstraße ein Neubau entstehen soll. Die Freude darüber hielt sich in Grenzen. Christine Maack

. Noch bis vor einer Woche wurde im Friseursalon von Esma Özdogan über Haarfarben, Haarschnitte oder über Reisen und Urlaub gesprochen. Das ist jetzt anders, jede Kundin fragt besorgt: "Ich habe gelesen, dass das Haus völlig umgestaltet wird. Was machen Sie denn jetzt?"

Friseurmeisterin Esma Özdogan weiß es nicht: "Ich habe erst aus der Zeitung erfahren, dass der Bereich an der Ecke Saarbrücker Straße/Kirchenstraße komplett umgebaut werden soll. Seitdem habe ich schlaflose Nächte." Der Grund: In der vergangenen Stadtratssitzung ging es just um ein Bauvorhaben in der Homburger Altstadt, konkret um den Gebäudekomplex an der besagten Ecke. Was geplant ist, hatte der Investor, das Unternehmen GIPE, Geschäftsführer ist Jürgen Braß, vorgestellt: an der Stelle, an der jetzt ein barockes Eckhaus steht, soll ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Insgesamt sollen dort 20 barrierefreie Wohnungen, zwischen 55 und 160 Quadratmeter groß, und Ladenlokale mit einer Verkaufsfläche von etwa 183 Quadratmetern entstehen. In den unteren beiden Geschossen wird es im rückwärtigen Bereich Garagen geben. Dem entgegen steht die Altstadtsatzung, die Auflagen und Vorschriften enthält. Dennoch sieht die Stadtverwaltung diese Satzung nicht als unumstößlich an, denn Bauamtsleiter Banowitz kündigte an, das Thema Altstadtsatzung und deren Überarbeitung schnell in den Bauausschuss einzubringen. Am Ende hatte der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, den Bauentwurf zu billigen - soweit zu unserem Bericht aus dieser Sitzung.

Im hinteren Gebäudeteil betreibt Elena Rib eine private Musikschule, sie hat über Hundert kleine Kunden, die bei ihr singen und musizieren. Sie erfuhr erst im Laufe unserer Nachfrage von dem Vorhaben. "Was soll ich tun?" fragt sie ,,soll ich jetzt auch nicht mehr schlafen? Ich werde dann wohl umziehen müssen."



Im Unterwäschegeschäft "En Vogue", das Mutter und Tochter Dresch betreiben, haben die beiden Damen gleich die Flucht nach vorne angetreten: "Wir haben beim Investor angerufen und uns persönlich erkundigt, was er vorhat", erklärt Laura Dresch, "natürlich wollen wir mit unserem Geschäft hier bleiben. Er hat aber nichts Gegenteiles gesagt." Erst mal sehen die beiden das Ganze entspannt: "Wir machen uns nicht verrückt."

Das Haus mit der Eisdiele Da Lazzero ist zwar nicht mehr vom geplanten Umbau betroffen, aber die Eisdiele wird während der Bauarbeiten die Terrasse wohl nur eingeschränkt benutzen können. Bei Lärm und Baustaub sei es bestimmt kein Vergnügen, draußen zu sitzen, "und schön ist so eine Baustelle ja auch nicht", sagen die Mitarbeiter. Für die Familie de Lazzero ist es insofern ärgerlich, als sie das Eiscafé erst vor einigen Monaten mit viel Aufwand umgestaltet und modernisiert haben. Unter diesem Gesichtspunkt sei es besonders schade, dass nebenan die Bagger anrücken sollen.

Auch in der Nachbarschaft regt sich Unmut, Anwohner befürchten einen "Gesichtsverlust" der Altstadt, zumal gerade das Eckhaus ein schönes Beispiel aus dem "alten Homburg " sei. Esma Özdogan fürchtet beides: "Ich weiß nicht, ob die Altstadt mit dem Neubau wirklich schöner wird. Und ich weiß auch nicht, was aus meinem Geschäft wird. Ich habe hier viel Geld investiert und ich erinnere mich, dass man sich beim Einbau unserer neuen Fenster streng an Denkmalschutzbestimmungen halten musste." Aber der Denkmalschutz sei jetzt wohl nicht mehr so wichtig.