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Bauarbeiten in Erbach
Altes Resi-Kino wird zu einer Moschee

Inmitten des entkernten, früheren Kinosaals ließen sich Homburgs OB Rüdiger Schneidewind (rechts) und die Beigeordnete Christine Becker von Muammer Kartalmis (links) und Adnan Özdemir vom Trägerverein VFIB den Umbau des alten Resi erläutern.
Inmitten des entkernten, früheren Kinosaals ließen sich Homburgs OB Rüdiger Schneidewind (rechts) und die Beigeordnete Christine Becker von Muammer Kartalmis (links) und Adnan Özdemir vom Trägerverein VFIB den Umbau des alten Resi erläutern. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Nach langem Hin und Her haben die Bauarbeiten in der Erbacher Dürerstraße für die Begegnungsstätte begonnen. Von Thorsten Wolf

Nein, vom Ambiente des alten Resi-Kino in der Erbacher Dürerstraße ist nicht mehr viel übrig. Seit einiger Zeit laufen, nach Jahren des Planens und Jahren der Verzögerung, die Umbauarbeiten, die aus dem früheren Unterhaltungspalast nun eine Moschee mit Seminarräumen und einer öffentlichen Begegnungsmöglichkeit für alle machen soll. Zwischenzeitlich ist das Hauptgebäude an der Straße völlig entkernt, der alte Kinosaal im hinteren Bereich ist nur noch eine Hülle, gegenwärtig noch ohne Dach. Zwischendrin wird gemauert, das alte Gemäuer ausgebessert.

Bis Ende 2019 will der Träger des Projektes, der „Verein zur Förderung der Integration und Bildung“ (VFIB), ins alte Resi-Kino umziehen, bislang nutzt die Gemeinde einen kleinen Gebetsraum etwas weiter entfernt auf der anderen Seite der Dürerstraße.

Was nun Gestalt annimmt, hat eine jahrelange Vorgeschichte. Immer wieder kündigte der Verein den Umbau des alten Kinos an, immer wieder gab es aus unterschiedlichen Gründen Verzögerungen und Hemmnisse. In dieser Zeit verfiel das Gebäude immer mehr. Das rief dann auch irgendwann die Stadt Homburg selbst auf den Plan. In den zurückliegenden Jahren war es vor allem Homburgs hauptamtliche Beigeordnete Christine Becker, die den Kontakt hielt und dort unterstützte, wo es dem Verein an Erfahrung bei einem solch ambitionierten Projekt fehlte. Die Stadt machte aber auch selbst immer wieder deutlich Druck – eine rechtliche Handhabe allerdings gab es zu keinem Zeitpunkt wirklich. Doch der bauliche Missstand am Eingang von Erbach mochte keinem gefallen.



Gestern nun gaben die Vereinsverantwortlichen mit den Vorsitzenden Muammer Kartalmis und Adnan Özdemir bei einem Termin vor Ort sowohl Vertretern der Homburger Verwaltungsspitze als auch der Presse Einblicke in den gegenwärtigen Stand der Arbeiten. Auf Nachfrage bezifferte der stellvertretende Vorsitzende Özdemir die zu erwartenden Baukosten mit einer Summe zwischen 700 000 und 800 000 Euro, machte aber auch deutlich, dass es sich hier um einen gegenwärtige Schätzung handele. Als Grund für die jahrelange Verzögerung des Umbaus antwortete Özdemir mit einem Grinsen und der Gegenfrage „Warum dauert das mit dem Berliner Flughafen so lange? Genau aus dem gleichen Grund“. So habe es nicht selten an baulichen Auflagen gelegen, so auch beim allgegenwärtigen Thema „Brandschutz“.

Wer die Geschichte der vergangenen Jahre verfolgte, der weiß aber auch, dass mitunter die Finanzierung nicht sicher war. Nun scheint aber alles in trockenen Tüchern – ein Umstand, der auch Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidenwind gestern sichtlich erleichterte.

„Das Ganze war an dieser Stelle lange ein Ärgernis. Wir sind als gesamte Verwaltung deswegen sehr froh, dass die Bauarbeiten begonnen haben. Der Schandfleck am Eingang von Erbach wird damit mit Sicherheit beseitigt. Wir gehen auch davon aus, dass dieses Projekt die Integration im Stadtteil Erbach noch mal ein Stück voran bringt.“ Diese Hoffnung verband Schneidewind mit der Aussage, dass der Trägerverein VFIB bislang „ja ein offenen Haus hat. Und ich gehe davon aus und werde das im Notfall auch einfordern, dass das auch an der neuen Stelle so sein wird“. Hier versicherte Adnan Özdemir, dass das neue Zuhause des Vereins sogar noch offener sein werde als das alte bisher.

Schneidewinds Forderung nach Transparenz im Betrieb der neuen Moschee kam dabei nicht von ungefähr, stehen einzelne islamische Gotteshäuser doch immer wieder auch unter dem Verdacht, auch den Islamismus zu befördern. Schneidewind: „Es ist ganz wichtig, dass allen Menschen klar ist, dass es in Deutschland eine Grundlage gibt, auf der wir alle zusammenleben, das ist das Grundgesetz. Daran haben sich alle zu halten.“

Deswegen, so Schneidewind, sei er sehr froh, dass man auf Basis dieser Grundlage nun in Erbach vorankomme. Und er lobte nachdrücklich das Engagement des Trägervereins, der das Projekt trotz vieler Widrigkeiten nicht fallen gelassen habe.