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Baumfällarbeiten auf dem Schlossberg
Einsturzgefahr für die Höhlen

Auch wenn man auf den ersten Blick nichts sieht: Diese Stelle am Homburger Schlossberg, der so genannte „große Bruch“, ist stark einsturzgefährdet. Die Bäume dort sollen deshalb zur Entlastung entnommen werden.
Auch wenn man auf den ersten Blick nichts sieht: Diese Stelle am Homburger Schlossberg, der so genannte „große Bruch“, ist stark einsturzgefährdet. Die Bäume dort sollen deshalb zur Entlastung entnommen werden. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Das Gewicht der Bäume, das auf den Schlossberghöhlen lastet, ist zu groß. Deshalb müssen die Bäume gefällt werden. Von Thorsten Wolf

An diesem Mittwochabend wird sich der ständige Vergabeausschuss des Homburger Stadtrates mit einem durchaus zukunftsttächtigen Thema befassen: Der Entnahme von Bäumen am Homburger Schlossberg, im Detail über der Kuppel des so genannten „großen Bruchs“.

Schon im Februar hatte  unsere Zeitung darüber berichtet, dass dieser Teil des stadtseitigen Hangs einsturzgefährdet sei. Nun soll angegangen werden, was damals schon Plan war: der Vergabeausschuss soll die Auftragsvergabe für die Baumentnahme in die Wege leiten. Und das vor diesem Hintergrund: „Die Überdeckung des Schloßberghöhlenbereichs ‚Großer Bruch‘ ist nach vorliegendem Gutachten teilweise nur noch 50 Zentimeter stark. Dies bedeutet, dass dieser Höhlenbereich stark einsturzgefährdet ist. Zur gewichtsmäßigen Entlastung des Bereiches, aber auch um die Gefahr durch Entwurzelungen zu minimieren, sollen alle Bäume in einem Radius von zehn Metern um die Kuppel entnommen werden“, so die Sitzungsvorlage, über die die Ausschussmitglieder am Mittwoch beraten und auch beschließen sollen.

Nun ist die ganze Geschichte aus zwei Gründen spannend. Der eine weist in die Zukunft, denn: Der Bereich des „Großen Bruch“ soll einmal Schauplatz der neuen Eingangssituation der Schlossberghöhlen werden. So gesehen scheinen die Tage des Landschaftsbildes dort ohnehin gezählt – wo jetzt noch die Überdeckung einzustürzen droht, soll es in Zukunft keine solche mehr geben.



Stattdessen soll dort das neue Besucherzentrum für Gäste des Schlossberges hinkommen. Der zweite Grund, der für einige Spannung sorgt, ist, dass es sich bei dieser geplanten Baumentnahme nicht um eine Fällung „von der Stange“ handeln wird. Das liegt an den schwierigen Gegebenheiten vor Ort.

Die machen es unmöglich, einfach Bäume zu fällen und dann auf üblichem Weg abzutransportieren. In der Sitzungsvorlage ließt sich das so: „Als außergewöhnliches Erschwernis gilt neben der Steilhanglage insbesondere die Tatsache, dass der Arbeitsbereich aufgrund der Einsturzgefahr nicht betreten werden darf. Dies schließt eine herkömmliche Fällung oder auch ein Absetzen der Gehölze mittels Seilklettertechnik aus.“

Kompliziert sei auch, dass die Schloßberghöhlenstraße als Zufahrt zum Hotel nur kurzfristig gesperrt werden dürfe. Als denkbare Arbeitsvarianten verbleibe somit lediglich eine Baumentnahme mittels Kran oder Helikopter, beide unter der Einbeziehung des ehemaligen Sportplatzes auf dem Schloßbergplateau als so genannte Polterfläche.

Für die Unternehmen, die sich für diesen alles andere als gewöhnlichen Auftrag interessieren, geht es um eine echte logistische Herausforderung, die sich nicht einfach mit einer Säge und einem Laster wird regeln lassen. Jan Emser von der Pressestelle der Stadt Homburg: „Die Firmen werden sich deswegen vor Ort die Situation anschauen und dann ein entsprechendes Angebot vorlegen.“

Über diese Angebote könne dann frühestens bei der nächsten Sitzung des Vergabeaussschusses im November, vielleicht aber auch erst im Dezember, entschieden werden. Einen unmittelbaren Zeitdruck gebe es derzeit aber nicht, da man sowieso erst warten wolle, bis die Bäume all ihr Laub verloren hätten. Dies würde ein entsprechend geringeres zu bewegendes Gewicht bedeuten.

Vor diesem Hintergrund hat die Entscheidung des Vergabeausschusses am Mittwochabend, so sie positiv ausfällt, die Qualität eines so genannten Einleitungsbeschlusses zum Start des Vergabeverfahrens. Wie sich die tatsächliche Baumentnahme dann gestalten wird – ob mit Kran oder Hubschrauber oder einem bislang vielleicht noch gar nicht bekannten Verfahren - und was das ganze am Ende kosten wird, darüber wird das dann beauftragte Unternehmen Auskunft geben.

Deswegen scheint es derzeit auch kaum möglich, die Kosten abzuschätzen. Nicht ganz unwichtig: Für den Höhlenbetrieb sei ein möglicher Einsturz des ‚Großen Bruchs‘ ohne Bedeutung, wie Roland Ecker, Abteilungsleiter Hoch- und Tiefbau bei der Homburger Stadtverwaltung, schon im Februar gegenüber unserer Zeitung erklärt hatte. „Die Gebirgsmasse zwischen Besucherbereich und großem Bruch ist so massiv, dass wir nicht mit Beeinträchtigungen rechnen“, sagte Ecker damals.

Für den Höhlenbetrieb ist laut Stadt ein möglicher Einsturz des ‚Großen Bruchs‘ ohne Bedeutung.
Für den Höhlenbetrieb ist laut Stadt ein möglicher Einsturz des ‚Großen Bruchs‘ ohne Bedeutung. FOTO: Thorsten Wolf