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Schlossberghöhlen Homburg
Interessante Kunst an einem spannenden Ort

 Düstere Texte in dunkler Umgebung: Yoni Göpfrich untermalte die Vernissage musikalisch.
Düstere Texte in dunkler Umgebung: Yoni Göpfrich untermalte die Vernissage musikalisch. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Die Ausstellung „Phantastische Welten“ wurde am Donnerstagabend noch in den Schlossberghöhlen in Homburg eröffnet, kann aber wegen der aktuellen Schließung bis auf Weiteres nicht besucht werden. Von Sebastian Dingler

Trotz der derzeitigen Corona-Krise und den damit verbundenen Absagen von nahezu allen Veranstaltungen wurde in Homburg doch noch kurzfristig eine Ausstellung eröffnet. Nach den Notfallplänen der Stadt wird sie vorerst jedoch nicht für Besucher zugänglich sein.

Die Schlossberghöhlen sind ein magischer, ein fantastischer Ort: Wo könnte eine Ausstellung mit Fotografien, die beim Fantasie- und Rollenspielkonvent Fark in Landsweiler-Reden entstanden sind, besser untergebracht werden als dort? Diese Idee hatte der Homburger Künstler Jochen Maas beim Anblick der Fotografien, als diese zunächst in Saarbrücken hingen.

„Die Höhle ist einer der spannendsten Orte, wo man so was machen kann“, meinte Maas am Rande der Vernissage von „Phantastische Welten“. Die Ausstellung ist ab sofort bis Ende Juni im Bunker der Schlossberghöhlen zu sehen und Teil der Reihe „Pictures of Pop“, die vom saarländischen Poprat ins Leben gerufen wurde. Maas schuf die Verbindung zwischen dem Homburger Kulturamt und dem Poprat – ohne ihn wäre es wahrscheinlich nicht dazu gekommen.



Wenn sich bei dem riesigen Konvent in Landsweiler-Reden die Fantasy-Fans und Rollenspieler treffen, sind natürlich viele Teilnehmer als Fantasie-Figuren verkleidet – ein gefundenes Fressen für viele Fotografen. Elfen, Orks, Zombies, Star Wars-Krieger, Ritter, Meerjungfrauen und Cowboys sind dort unterwegs, gehen den Fotografen direkt vor die Linse oder verabreden sich mit ihnen für ein Shooting. Die dabei entstandenen Bilder führen den Betrachter in ausgedachte Welten, manche davon anziehend, andere wiederum gruselig.

„Bunt, schrill, schräg, divers, international, laut, jung, anders und vor allem extrem kreativ“, diese Adjektive zählte der Vorsitzende des saarländischen Poprats, Peter Meyer, bei seiner Einführung auf. Sie träfen sowohl auf die Fantastik als auch auf die Popkultur zu. Die saarländische Fantastik-Szene sei ein internationales Aushängeschild fürs Saarland, ihre Stärke und Wirkkraft komme in der Ausstellung zur Geltung. Zusammen mit dem Fantastik-Experten Nicolas Blomann, dem Fark-Macher Benjamin Kiehn und Poprätin Annika Pelzer hatte Meyer aus den vielen Einsendungen die besten 30 Fotos ausgesucht. Kiehn und Blomann achteten mehr auf die Authentizität der Verkleidungen, Meyer und Pelzer auf die Wucht der Bilder. Herausgekommen ist ein meisterhaft fotografiertes Sammelsurium skurriler Wesen, wie aus Historien-, Science Fiction- oder Fantasyfilmen entsprungen.

Meyer freute sich überdies darüber, dass die „Pictures of Pop“-Reihe mit der Ausstellung zum ersten Mal in den Saarpfalz-Kreis komme, sodass nun alle Landkreise des Saarlands abgedeckt wurden. Wie üblich bei einer Vernissage dieser Reihe, war auch dieses Mal ein saarländischer Musiker eingeladen, in diesem Fall der aus Kirkel stammende Yoni Cyrus Göpfrich, der sich als Rapper kurz Yoni nennt. Er machte keinen Hehl daraus, dass seine Songs einen depressiven Anstrich haben, um den Tod und Verlassensängste ging es da. Bis Yoni meinte, zum Stimmungsausgleich noch etwas Fröhlicheres darzubieten, einen Rap übers Schwarzfahren. Meyer lobte den jungen Musiker, der sich auf der Gitarre begleitete, als „ganz großes Talent“. Organisiert wurde das Ganze hauptsächlich von Annika Pelzer und der Mitarbeiterin im Homburger Kulturamt, Ramona Magold. Deren Chefin Susanne Niklas entschuldigte den Beigeordneten Raimon Konrad, der zu dem Termin verhindert war.

 Ramona Magold (links) und Susanne Niklas (links) vom Kulturamt, in der Mitte Yoni Göpfrich, Peter Meyer und Annika Pelzer (von links).
Ramona Magold (links) und Susanne Niklas (links) vom Kulturamt, in der Mitte Yoni Göpfrich, Peter Meyer und Annika Pelzer (von links). FOTO: Sebastian Dingler