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Astrid Klug: Chancen für Bahn-Projekt 50:50

 Ist das Glas für die Reaktivierung der Bahnlinie Homburg-Zweibrücken nun halbvoll oder halbleer? Darüber diskutierten Theophil Gallo, Gustav Herzog, Birgit Grauvogel, Karl Schuberth, Astrid Klug, Werner Schreiner und Rüdiger Schneidewind (von links) mit Bürgern. Foto: Thorsten Wolf
Ist das Glas für die Reaktivierung der Bahnlinie Homburg-Zweibrücken nun halbvoll oder halbleer? Darüber diskutierten Theophil Gallo, Gustav Herzog, Birgit Grauvogel, Karl Schuberth, Astrid Klug, Werner Schreiner und Rüdiger Schneidewind (von links) mit Bürgern. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Einöd. Eine Podiumsdiskussion zum Thema Reaktivierung der S-Bahn-Strecke Homburg-Zweibrücken fand am Dienstagabend in Einöd statt. Astrid Klug, Abteilungsleiterin im saarländischen Verkehrsministerium, sagte, sie sehe die Chancen, dass das Projekt realisiert werde, bei 50:50. red

Leidenschaftlich wird nunmehr seit Jahren über Für und Wider der Reaktivierung der S-Bahn-Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken diskutiert. Am Dienstagabend wurde die Angelegenheit auf Einladung der SPD Einöd in größerem Rahmen aufgegriffen: In der Einöder Saarpfalz-Halle gab es eine große Podiumsdiskussion zu dem Thema. Einöds Ortsvorsteher Karl Schuberth moderierte das Treffen. Er hatte mehrere "Fachleute", so Schuberth, eingeladen, um gemeinsam mit diesen "für Aufklärung zu sorgen". Geladene Gäste waren der zukünftige Landrat Theophil Gallo , Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind , der frühere VRN-Geschäftsführer Werner Schreiner, Birgit Grauvogel von der Tourismus-Zentrale Saarland, Astrid Klug , Abteilungsleiterin im saarländischen Verkehrsministerium und der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog, der im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt.

Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind gelang in der Diskussion eine Überraschung. Bislang war Schneidewind nicht unbedingt als glühender Verfechter einer Reaktivierung der S-Bahn-Strecke bekannt. Nichtsdestotrotz lautete seine Aussage im OB-Wahlkampf 2014: Wenn die sogenannte Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) zu dem Ergebnis kommen werde, dass die Reaktivierung einen volkswirtschaftlichen Nutzen habe, dann werde er das Vorhaben unterstützen. Mittlerweile liegt die NKU vor. Das Fazit der Analyse lautet: Jeder Euro, der in die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken fließt, spielt 1,24 Euro ein - es gibt also einen klaren volkswirtschaftlichen Nutzen (wir berichteten mehrfach). Ob dieser Aussage der NKU hielt Schneidewind bei der Podiumsdiskussion dann überraschend klar fest: Fortan werde er sich für die Reaktivierung stark machen. Dies falle ihm "umso leichter, weil die Stadt Homburg hier finanziell überhaupt nicht gefragt ist". Deswegen habe er sich aus der Diskussion zuletzt auch herausgehalten, merkte der Oberbürgermeister an. Nun, da die NKU den volkswirtschaftlichen Nutzen herausstelle, wolle er sich dahinterstellen. Zumal der Hauptbahnhof in Homburg nach der Reaktiverung besser an die Südwestpfalz angeschlossen sei und hierdurch noch gestärkt werden könne.

Birgit Grauvogel von der Tourismuszentrale des Saarlandes merkte an: Gerade das Biosphärenreservat Bliesgau werde mittlerweile bundesweit vermarktet - und sei daher auf entsprechende Besucherzahlen angewiesen. Je mehr Menschen an den Verkehrsverbund angeschlossen seien, desto größer die potenziellen Besucherströme.

Der Moderator der Diskussion, Einöds Ortsvorsteher Karl Schuberth, kritisierte die saarländische Landesregierung: Er sei davon ausgegangen, dass ein positives Fazit der Nutzen-Kosten-Untersuchung den Weg freimachen würde für die Reaktivierung der S-Bahn nach Zweibrücken; für ihn sei die Gleichung logisch gewesen: Positive NKU gleich grünes Licht für das Projekt.

Astrid Klug (SPD ) vom Saar-Verkehrsministerium gab den schwarzen Peter an die CDU weiter: Der christdemokratische Finanzminister Wolfgang Schäuble habe eine Fortführung des sogenannten Regionalisierungs-Gesetzes bislang blockiert. Hintergrund: Dieses Gesetz legt fest, wieviel Geld die Länder vom Bund dafür bekommen, den Schienennahverkehr zu organisieren.

"Solange wir diesbezüglich in der Luft hängen und nicht wissen, wieviel Geld aus Berlin kommt, können wir keine seriöse Entscheidung für neue Bahnprojekte treffen", betonte die SPD-Politikerin. Das Saarland könne nicht Geld ausgaben, dass es nicht habe; von daher riet Klug allen Befürwortern des Reaktivierungs-Projekts, "bei der Politik ordentlich Druck zu machen".

Moderator Karl Schuberth wollte von Astrid Klug wissen, wie groß denn nun die Chancen seien, dass Zweibrücken an die S-Bahn nach Homburg angebunden werde. Die Politikerin sagte, sie sehe die Chancen bei "50:50".