| 20:30 Uhr

Wechsel bei Gewerbetreibenden
Marcel Schmitt führt den Gewerbeverein

 Der alte und neue Vereinsvorstand mit Thorsten Bruch, Annette Germann und Marcel Schmitt (vorne von links) musste sich von Vereinsmitglied Udo Eckardt, (Spiegel, Mitte) auch Kritik am Auftreten des Gewerbevereins anhören.
Der alte und neue Vereinsvorstand mit Thorsten Bruch, Annette Germann und Marcel Schmitt (vorne von links) musste sich von Vereinsmitglied Udo Eckardt, (Spiegel, Mitte) auch Kritik am Auftreten des Gewerbevereins anhören. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Annette Germann tritt als Vorsitzende ab. Nur wenig Interesse an Mitgliederversammlung der Gewerbetreibenden. Von Thorsten Wolf

Eigentlich hätte man meinen können, dass die Neuwahl eines Vorsitzenden oder einer Vorsitzenden einige Mitglieder zur außerordentlichen Sitzung des Homburger Gewerbevereins anlockt. Doch das Bild am Donnerstagabend im Café „Bistro 1680“ des alten Rathauses am historischen Marktplatz erzählt eine andere Geschichte. Gerade mal acht oder zehn Mitglieder hatten sich aufraffen können, um über die Nachfolge von Annette Germann abzustimmen, die sich aus der Führungsspitze zurückzieht (wir berichteten).

Der Wahlvorgang gestaltete sich wenig spektakulär: Wie schon im Vorfeld angekündigt, stellte sich Marcel Schmitt als einziger Kandidat zur Wahl, vorgeschlagen von Axel Ulmcke. Bei einer Enthaltung von Vereinsmitglied Udo Eckardt ging dieser Vorschlag durch. Damit wurde dann allerdings auch gleich der Posten einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden frei, den hatte bislang Schmitt inne. Hier gab es keinen Kandidaten. Die, die in der Sitzung gefragt wurden, lehnten ab. Das Amt bleibt nun bis zur regulären Vorstands-Neuwahl im kommenden Jahr vakant. Die Vereinsspitze besteht bis dahin aus Marcel Schmitt und Thorsten Bruch als dessen Stellvertreter.

Annette Germann hatte sich vor der Wahl ihres Nachfolgers sehr emotional von der Spitze des Gewerbevereins verabschiedet. Die Entscheidung, vorzeitig vom Amt zurückzutreten, sei ihr sehr schwer gefallen, „denn ich habe dieses Amt sehr, sehr gerne und mit viel Freude bekleidet. Ich werde mich aber möglicherweise außerhalb von Homburg beruflich weiterorientieren. Deshalb musste ich diese Entscheidung treffen.“ Ihre Zeit als Vorsitzende bewertete Germann als spannend, „wir haben viele, wichtige Themen angestoßen und vieles auch umgesetzt“.



Germann ließ natürlich auch die Diskussionen rund um den verkaufsoffenen Feiertag im vergangenen Jahr nicht unerwähnt, hier sei man an Grenzen gestoßen. „Da hatten wir uns weit aus dem Fenster gelehnt – wie ich finde: zu Recht. Es war ein tolles Ereignis für unsere Stadt. Die Landesregierung hat das nun nicht so gesehen wie wir und hat uns da ein paar Steine in den Weg gelegt.“

Inmitten der Wahlvorgänge gab‘s dann erste kritische Töne aus dem Rund der Sitzungsteilnehmer, formuliert von Udo Eckardt. Er begründete seine Enthaltung damit, dass ihm tatsächlich nicht wirklich klar sei, wofür der Gewerbeverein Homburg eigentlich stehe. „Ich frage mich, warum ich noch Mitglied im Gewerbeverein bin. Ich wüsste gerne, was wir in Zukunft ändern, damit der Raum sich hier wieder füllt und wir als Gewerbeverein Einfluss nehmen auf die Politik und gehört werden.“ Damit griff Eckardt einer Diskussion vor, die sich später am Abend dann auch um die leidigen Themen Öffnungszeiten und Internet-Handel drehte.

Zuvor aber skizzierte der neue Vereinsvorsitzende Marcel Schmitt das, was er sich für die nächste Zukunft vorgenommen habe. „Ich möchte den Gewerbeverein stark machen – um die Interessen der Gewerbetreibenden zu vertreten, um Ernst genommen zu werden und zu handeln. Dabei ist es mir besonders wichtig, in dieser Stadt noch einmal Zusammenhalt und Loyalität innerhalb der Kaufmannschaft zu schaffen. Wenn wir es nicht schaffen, zusammenzuhalten, dann können wir auch keinen starken Verein schaffen.“ Hier sei er sicher, einen Weg zu finden, um gemeinsam die Wirtschaft in der Stadt zu stärken und voranzutreiben, so Schmitt. Sein Ziel: Aus Homburg langfristig eine zukunftssichere, schöne Einkaufsstadt und einen florierenden Wirtschaftsstandort zu machen.

Inhaltlich ging es in der Folge auch um die neue „Homburg-Card“. Diese solle noch vor Ostern eingeführt werden und Handel und Gewerbe als Form einer Rabatt-Karte bei ihren Anstrengungen unterstützen. Ein weiteres Thema des Abends: die Leerstandssituation in der Innenstadt. Hier monierte Axel Ulmcke nicht zum ersten Mal die aus seiner Sicht zu hohen Mieten in der Kreisstadt Homburg. Im Zuge der Diskussion wurde aber auch deutlich, dass wohl eine Gemengelage aus eben zu hohen Mieten, der Konkurrenz aus dem Internet und viele weiteren Faktoren zu diesen Leerständen führten.

Deutlich wurde auch, dass der Gewerbeverein selbst hier nicht viele Möglichkeiten hat, gerade bei den Miethöhen etwas an der gegenwärtigen Situation zu ändern.