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Homburger Amtsgericht
Richter radeln auf einem Dienst-E-Bike

 Seit einigen Wochen steht Richter Joachim Klesen und seinen Mitabeitern am Amtsgericht Homburg ein Dienst-E-Bike zur Verfügung.
Seit einigen Wochen steht Richter Joachim Klesen und seinen Mitabeitern am Amtsgericht Homburg ein Dienst-E-Bike zur Verfügung. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. In Homburg geht es für Amtsrichter und andere Beschäftigte jetzt auf einem E-Bike zu Außenterminen. Die Anschaffung des Rads ist ein Pilotprojekt. Von Thorsten Wolf

Man möchte nun gerne denken, dass sich das Arbeitsumfeld eines Richters oder einer Richterin an einem Amtsgericht lediglich zwischen Büro und Gerichtssaal ausdehnt. Für manchen mag das gelten, nicht allerdings für die Richter am Amtsgericht Homburg, denn neben den Familien- und Zivilsachen zählen zu den Aufgaben des Amtsgerichtes auch Verfahren, bei denen es um die rechtliche Regelung von Betreuungsfällen geht, so von älteren Menschen und Schwerkranken. Und genau dann müssen Richter wie Joachim Klesen, der ständige Vertreter des Direktors des Amtsgerichts, eben raus aus der Amtsstube an der Zweibrücker Straße und hin zu den Menschen, die hier richterliche Betreuung benötigen.

Bislang wurden diese Dienstfahrten, etwa ans Homburger Universitätsklinikum oder in die Seniorenheime in der Stadt, mit dem privaten Auto erledigt. Seit einigen Wochen jedoch steht ein nagelneues Dienst-E-Bike für kurze Strecken in der Innenstadt zur Verfügung. Immerhin 90 Kilometer hat es seit seiner „Indienststellung“ nun schon auf dem Sattel.

Für Klesen ist diese Anschaffung, genehmigt als Pilotprojekt an Amtsgerichten im Saarland vom saarländischen Justizministerium, keine nette Zugabe, sondern eine sinnvolle und zeitgemäße Ausstattung für sein Haus. „Das wurde von uns nicht aus Jux und Dollerei so geplant, sondern weil es gerade bei der Regelung von Betreuungsfällen auch viele Kurzstrecken gibt, die wir zurücklegen müssen.“ Gerade die Klinik als häufiges Ziel solcher Dienstfahrten stelle aber aufgrund der Parkplatz-Situation dort bei einer Anfahrt mit dem Auto durchaus eine Herausforderung dar. „Deswegen schien uns ein Fahrrad als ein geeignetes Mittel – zumal die Streckenlängen überschaubar sind, nicht nur ins Klinikum, sondern auch in die Seniorenheime hier in der Stadt. Die sind ja gut zu erreichen.“



Dass es nun nicht nur ein einfaches Fahrrad, sondern gleich ein E-Bike geworden sei, hänge nicht mit der Tretunwilligkeit Homburger Amtsrichter oder den Beschäftigten dort zusammen. Klesen: „Das Ganze soll natürlich so ablaufen, dass man gerade bei wärmeren Temperaturen nicht vollkommen verschwitzt zu einem Termin kommt. Deswegen ist es auf ein E-Bike rausgelaufen.“ Der grundsätzliche Impuls für das neue Zweirad sei dabei von der Arbeitsgruppe „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ gegeben worden. „Auch unter gesundheitlichen Aspekten, wir sitzen ja schon generell über den Tag sehr viel, kann man nun zumindest die kurzen Touren mit dem Fahrrad zurücklegen.“ Und natürlich hätten ökologische Überlegungen eine Rolle gespielt, „wir sind da jetzt schon bewusst unterwegs“.

Ursprünglich habe man zwei E-Bikes beantragt, „vom Ministerium ist uns dann bewilligt worden, eines anzuschaffen. Da sind wir sehr froh darüber. Wir sind, als Pilotprojekt, nun das erste Amtsgericht, dass das jetzt ausprobieren kann.“

Gerade weil das neue E-Bike im Gesundheitsmanagement angesiedelt sei, stehe es aber nicht nur den Amtsrichtern für deren Dienstfahrten zur Verfügung, sondern grundsätzlich all denen, die entsprechende Fahrten in Homburg zu erledigen haben. „Wobei die Notwendigkeit für Dienstfahrten bei den anderen Beschäftigten eher gering sein wird, das muss man schon sagen. Das kann mal eine Abholung im Zuge des Wachtmeisterdienstes sein. Oder es kann mal für einen Rechtspfleger eingesetzt werden.“ Das Rad selbst könne man, wenn es nicht gerade regne, auch in der kalten Jahreszeit gut nutzen, so Klesen, „ich habe es schon ein paar Mal in Gebrauch gehabt, ebenso mein Kollege“.

Zusätzlicher, positiver Nebeneffekt: Gerade in diesen Wochen, in denen auf dem Weg zum Homburger Universitätsklinikum die Kirrberger Straße gesperrt sei, habe man eine Abkürzung nehmen können und sei sogar schneller am UKS gewesen als mit dem Auto.

„Und, wie gesagt, die Parkplatzsituation ist dann dort kein Thema mehr. Man stellt das Rad ab und fertig.“ Für das Amtsgericht Homburg bedeutet die Anschaffung des E-Bikes das erste Dienstfahrzeug überhaupt. Ein Dienstauto lohne nicht, „und da ist das Rad eine gute Alternative. Wir sind wirklich sehr zufrieden.“