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Post stellte Falle nach Anfrage einer Leserin
Amtsgericht verurteilt Briefdiebin

 Post, die in den Briefkasten in der Dürerstraße 88 in Erbach eingeworfen wurde, ist häufiger verschwunden. Die Deutsche Post hat nach einer Anfrage unserer Zeitung einer verdächtigen Austrägerin eine Falle gestellt – und die hat prompt zugeschnappt.
Post, die in den Briefkasten in der Dürerstraße 88 in Erbach eingeworfen wurde, ist häufiger verschwunden. Die Deutsche Post hat nach einer Anfrage unserer Zeitung einer verdächtigen Austrägerin eine Falle gestellt – und die hat prompt zugeschnappt. FOTO: dpa / Marc Müller
Homburg. Die Deutsche Post hatte der 48-jährigen Kurierfahrerin in Erbach eine Falle gestellt. Wesentlich beschleunigt wurde das Auffliegen der Diebin durch die Anfrage einer Leserin, die im Juni in unserer Zeitung über verlorengegangene Post geklagt hatte. Von Eric Kolling

Eine Erbacher Leserin unserer Zeitung kann wieder unbesorgt ihre Post in den Briefkasten in der Dürerstraße 88 werfen. Nachdem sie im Juni ihren Fall ständig verloren gegangener Briefe geschildert und wir darüber berichtet hatten, stellte die Konzernsicherheit der Deutschen Post einer Kurierfahrerin eines Subunternehmens eine Falle und ließ diese auffliegen, als sie Briefe in die eigene Tasche steckte. Die Frau wurde vergangene Woche vor dem für Homburg in Strafsachen zuständigen Amtsgericht St. Ingbert verurteilt.

Aber der Reihe nach. Über 60 Postsendungen hatte die Leserin nach eigenen Angaben zwischen November 2018 und Mitte Mai 2019 in den Briefkasten in der Dürerstraße 88 in Homburg eingeworfen, berichtete sie Anfang Juni unserer Redaktion. Oft seien es Glückwunschkarten mit eingelegten Geldscheinen gewesen, die nicht bei den Empfängern angekommen seien. Zwei habe sie sogar als Geschäftsbriefe „getarnt“.

Dass die Post oft nicht ihr geplantes Ziel erreichte, habe sie immer erst erfahren, wenn besorgte Freunde angerufen hätten, weil sie schon lange nichts mehr von ihr gehört hätten. Wir hatten daraufhin die Deutsche Post am 3. Juni mit dem Phänomen des Briefschwunds in dem Briefkasten konfrontiert und auch Detailangaben zu einigen der verlorenen Briefe weitergeleitet. Ein Sprecher hatte damals erklärt, man nehme die Anfrage zum Anlass, den Fall sorgfältig zu prüfen. Bei einer Nachfrage im August dann ein Abwinken des Postsprechers: Man habe „keinen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten gefunden.“



Der Briefkasten sei regulär geleert worden. Man habe Testbriefe in besagten Kasten eingeworfen, die aber alle am nächsten oder übernächsten Tag korrekt angekommen seien. Dass eigene Austräger Post mit Geld für sich abgezweigt hätten, dafür habe man „keine Verdachtsmomente“. Man habe auch die Reklamationslage für den Briefkasten gecheckt – sie sei nicht außergewöhnlich hoch. Die Post sei im eigenen Interesse an einer schnellen und zuverlässigen Postbeförderung von A nach B interessiert, das schließe auch die 110 000 Briefkästen ein.

Hinter den Kulissen geschah allerdings etwas anderes, wie ein anderer Konzernsprecher jetzt auf Nachfrage einräumt. Am 5. und 6. Juni, zwei Tage nach unserer Anfrage, stellte die Konzernsicherheit eine Falle. Wie aus der Anklageschrift des St. Ingberter Amtsgerichts hervorgeht, warf die für Sicherheit zuständige Mitarbeiterin der Deutschen Post fünf Glückwunschkarten in den Briefkasten in der Dürerstraße 88 und fand so den wahrscheinlichen Grund für das ständige Briefe-Verschwinden. Denn eine Kurierfahrerin eines Subunternehmens, die für den Bereich Erbach zuständig ist, steckte die Karten in die eigene Tasche, nachdem sie den Briefkasten entleert hatte.

Die 48-jährige St. Ingberterin wurde deshalb vom Amtsgericht wegen zweifachen Diebstahls zu einer Gesamtgeldstrafe von 600 Euro verurteilt. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, erklärt Amtsgerichtsdirektorin Marion Walther. Die recht geringe Strafe hat mit dem geringen Schaden zu tun, der bei dem Diebstahl im Rahmen der Falle entstanden ist.

Ein Postsprecher räumte jetzt auf Nachfrage ein, die Konzernsicherheit habe wegen verschwundener Post an besagtem Briefkasten schon zum Zeitpunkt unserer Anfrage recherchiert, diese habe allerdings die Angelegenheit extrem beschleunigt. Weil sie konkrete Anhaltspunkte lieferte, die Falle stellen zu können.

Warum der Postsprecher im August von dem Erfolg der Maßnahme und dem anstehenden Gerichtsverfahren nichts preisgab, sondern behauptete, man habe nichts gefunden, ist unklar.