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Radeldemo in Homburg
Radler wollen mehr Beachtung

 Mit der zweiten Homburger „Radeldemo“ als Teil von landesweiten Aktionen gingen am Samstag in der Homburger Innenstadt Radfahrer für ihre Sache auf die Straße. Allerdings war das Wetter nicht gerade radlerfreundlich.
Mit der zweiten Homburger „Radeldemo“ als Teil von landesweiten Aktionen gingen am Samstag in der Homburger Innenstadt Radfahrer für ihre Sache auf die Straße. Allerdings war das Wetter nicht gerade radlerfreundlich. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Radeldemo am Samstag in der Homburger City deckte ein breites Spektrum an Interessen ab: Während die einen schon zufrieden wären, wenn es überall sichere Radwege gäbe, wünschen sich andere eine „Verkehrstransformation“. Von Thorsten Wolf

Die vergangenen Tage waren in Homburg von zahlreichen öffentlichen Umweltschutz-Bekundungen geprägt. Fast schon traditionell dabei die „Radeldemo“ des „Radelkolletivs“, die am Samstag zum vierten Mal in sieben Städten und Gemeinden im ganzen Saarland stattfand, zum zweiten Mal dabei in Homburg.

Diesmal stand die Veranstaltung allerdings wettertechnisch unter keinem guten Stern – noch kurz vor dem Start der Rundtour durch die Homburger Innenstadt um 11 Uhr vom Christian-Weber-Platz aus regnete es ziemlich heftig. Und so fanden sich grob geschätzt mit 40 bis 50 Radlern vielleicht nicht ganz so viele Aktive ein, wie man es angesichts der aktuellen Diskussionen hätte erwarten können. Der bekundeten Entschlossenheit, für einen Bewusstseinswechsel in die Pedale zu treten und auf Schwachstellen im Radwege-Netz der Stadt aufmerksam zu machen, tat dies aber keinen Abbruch.

„Ich erhoffe mir eine Erweiterung unserer Wirkungskreises, gerade jetzt vor der Europawahl“, so Thomas Krenz, der für das „Radelkollektiv“ verantwortliche Organisator vor Ort, „gerade weil eine schnelle Transformation der Verkehrsmobilität dringend geboten ist.“ Hier, wie sich Krenz sicher ist, nehme der Radverkehr eine wichtige Position ein. Gefragt, ob man vor diesem Hintergrund und mit Aktionen wie der vom Samstag – gerade mit ihrer nicht üppigen Teilnehmerzahl – wirklich etwas erreichen kann, zeigte sich Krenz nicht unkritisch: „Einige von uns gehen immer noch den bequemen Weg.“ Auch könnten wohl einige durch das „Überangebot“ an Kundgebungen am Freitag und Samstag „etwas irritiert“ sein. „Am Freitag war ‚Fridays for Future‘, dann gibt es heute die ‚Radeldemo‘, dann findet das Bergrennen statt und dann gehen auch noch die Studenten und Bediensteten der Uni auf die Straße – um auch ihrerseits für einen sicheren Radverkehr zwischen Bahnhof und Uni zu streiten.“



War es vor diesem Hintergrund eine clevere Entscheidung, gerade am Samstag mit drei Radfahrveranstaltungen präsent zu sein? „Das kann ich nicht beurteilen, weil ich aus privatem Zeitmangel nicht an der Festlegung beteiligt war. Man hätte aber wohl an diesen Terminen nicht viel rumschieben können.“ So sei seitens des „Radelkollektivs“ entschieden worden, am 11. Mai in sieben Städten „für einen besseren und sichereren Radverkehr zu demonstrieren. Und so, denke ich, war der Entscheidungsspielraum eingeschränkt“, verdeutlichte Krenz.

Auf jeden Fall sei die „Radeldemo“ ein Erfolg, war er sich sicher, „weil wir hier zur Mittagszeit wahrgenommen werden, hier kommen viele Leute entlang, Leute wollen sich an den Wahlständen informieren – und können zugleich nicht die Ohren davor verschließen, wie unglaublich wichtig die Themen Klimaschutz und Verkehrstransformation sind.“

Im Vorfeld der Radeldemo hatten sowohl deren Organisatoren als auch die Stadt ihre durchaus unterschiedlichen Positionen zum tatsächlichen oder angenommenen Zustand des Radwege-Netzes öffentlich kund getan (wir berichteten). Klar ist dabei, dass durchaus einige Forderungen der Radfahr-Befürworter zwischenzeitlich seitens der Stadt erfüllt wurden. So gab es Nach-Markierungen von Radwegen, „unechte Sackgassen“ wurden für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet. Doch für die, die dem Radverkehr eine größere Bedeutung im Mobilitätsmix geben wollen, sind solche Maßnahmen nicht genug. So hatte Harald Kreutzer, einer der Organisatoren der landesweiten Demos aus den Reihen des „Radelkollektivs“ gegenüber unserer Zeitung eine bessere Aufteilung der finanziellen Mittel zwischen den unterschiedlichen Mobilitätsformen gefordert (wir berichteten): „Momentan liegt der Fokus in der saarländischen Verkehrspolitik vor allem noch in der Förderung des motorisierten Individualverkehrs“, hatte Kreutzer da moniert. Die Lösung für ihn: eine gleichberechtigte Aufteilung der finanziellen Kapazitäten zwischen dem Auto-, Rad- und Fußverkehr sowie dem ÖPNV.