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Klassik-Open-Air in Homburg
Klassik-Reise unter freiem Himmel

 Es wird wieder ein Klassik-Open-Air mit dem Homburger Sinfonieorchester geben, die zehnte Auflage des beliebten Konzerts unter freiem Himmel ist am 16. September auf dem Marktplatz. Am Vorabend gibt es eine öffentliche Generalprobe.
Es wird wieder ein Klassik-Open-Air mit dem Homburger Sinfonieorchester geben, die zehnte Auflage des beliebten Konzerts unter freiem Himmel ist am 16. September auf dem Marktplatz. Am Vorabend gibt es eine öffentliche Generalprobe. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. In knapp einem Monat gibt es das runde Klassik-Open-Air Nummer zehn des Homburger Sinfonieorchesters auf dem Marktplatz. Ohnehin ist der August der Monat der Freiluft-Kultur. Von Ulrike Stumm

Im Sommer zieht es die Menschen nach draußen. Das ist in südlichen Ländern ganz selbstverständlich der Fall, weiter im Norden muss das Wetter passen. Es gibt eigentlich kaum etwas Schöneres, als sich unter freiem Himmel in eine laue Nacht treiben zu lassen. Vielleicht liegt es auch daran, dass zunehmend mehr kulturelle Open-Air-Angebote die Zuhörer locken. Und sie gehören mittlerweile zum festen Stamm in den Veranstaltungskalendern. Das ist auch in Homburg so. Der Musiksommer mit seinen Querbeat-Freitagabenden und den Jazzfrühschoppen ist in dieser Hinsicht ohnehin eine Hausnummer. Aber gerade der August hat es diesmal in sich, mit Bewährtem und Neuem: Es gibt am 9. und 10. August wieder Kino unter freiem Himmel auf dem Schlossberg, erstmals wird zudem Theater gespielt, der „Brandner Kaspar“ auf Saarländisch, am Ende des Monats (Premiere: 29. August). Und die Mitte gehört dann der Musik, allerdings nicht auf dem Berg, sondern unten in der Altstadt auf dem historischen Marktplatz. Es ist ein ganzes Paket, das da geschnürt wurde: Ein ökumenischer Open-Air-Gospelgottesdienst am Morgen des Feiertags Maria Himmelfahrt am 15. August. Am Samstag, 17. August, ein erweiterter Musiksommer morgens mit I Liguriani und abends mit „Jazz meets Classic“. Dazwischen am Freitagabend, 16. August, dann das Klassik-Open-Air des Homburger Sinfonieorchesters samt öffentlicher Generalprobe am Vorabend.

Bereits zum zehnten Mal sitzen die Musikerinnen und Musiker mit ihren Geigen, Celli, Flöten und Oboen nicht im Konzertsaal, sondern dafür eben draußen. 2009 war das Premierenjahr, damals noch angekoppelt an die Festa Italiana auf dem Christian-Weber-Platz. 2015 zog die Festa um, das Open Air ebenfalls, 2016 setzte man aus, und auch wenn es das Fest nicht mehr gibt, spielt man seitdem weiter auf dem Marktplatz.

Diesmal kündigt das Programm fantastische Reisen an. Der künstlerische Leiter des Orchesters, Jonathan Kaell, verspricht: „Es ist ein sehr farbenreiches Programm“, es reiche von der Oper über die himmlische Harfe, Harry Potter bis zum sehr irdischen Gershwin.



Auf jeden Fall haben sie sich interessante und sehr hörenswerte Solisten eingeladen. Da ist zum einen die Harfinistin Verena Jochum. Sie war bereits zusammen mit dem Klarinettisten Helmut Eisel mit einem Klezmer-Programm unterwegs, dürfte so manchem auch daher ein Begriff sein. In Homburg wird sie zwei Sätze aus dem Harfenkonzert des russischen Komponisten Reinhold Glière (1875 bis 1956) spielen.

Außerdem wird der Bassbariton Nico Wouterse auf der Bühne stehen. Der studierte an den Musikhochschulen von Maastricht und Amsterdam zunächst klassisches Saxophon, dann Gesang und Oper. 2016 wurde er fest an das Theater Koblenz verpflichtet.

Ein bisschen fantastisch-magisch wird es im Programm auch, weil der bekannteste aller Zauberlehrlinge vorkommt, Harry Potter, dessen schulischen Werdegang sich Millionen Fans weltweit erlasen, erdacht von Joanne K. Rowling. Zu den Büchern entstand eine Verfilmung, für die der Komponist John Williams in Teilen die Musik geschrieben hat. Wenn man nun also seiner Harry-Potter-Suite lauscht, dann werden einige wohl auch die Filmsequenzen vor Augen haben.

Zum Mitsummen sicherlich geeignet: George Gershwins (1898 bis 1937) „Ein Amerikaner in Paris“, eines der populärsten Werke des Komponisten. Außerdem zu hören, die Ouvertüre zum Ballett „Aschenbrödel“ aus der Feder von Johann Strauss Sohn (1825 bis 1899), das allerdings nur fragmentarisch überliefert war. Dazu die Polowetzer Tänze aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin (1833 bis 1887) als Bearbeitung für Orchester.

Den Homburger Marktplatz endgültig zur Freiluft-Opernbühne macht dann Bassbariton Wouterse. Zum einen mit dem Monolog des Zaren aus Modest Mussorgskis (1839 bis 1881) Oper „Boris Godunow“, einem „tragischen, sehr schwarzen Werk, aber tolle Musik“, kommentiert Kaell. Zum anderen singt Wouterse das „Te Deum“ aus der Oper Tosca von Giacomo Puccini (1858 bis 1924). Auch wenn der Marktplatz nicht die Arena von Verona ist, ein Hörgenuss sollte das bestimmt werden.

Wer übrigens gute Musik, ungewöhnliche Veranstaltungsformate, aber nicht nur ein Open Air schätzt, dem bietet sich auf dem Schlossberg jetzt ein neues Format des saarländischen Staatstheaters. Inspiriert vom gerade umgebauten Hotel, das zudem eine besondere Geschichte habe, hat Generalintendant Bodo Busse eine weitere Spielstätte mit der neuen Reihe „Schlossberg en Concert“ ins Leben gerufen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens Theiss Naturwaren. „Beste akustische Voraussetzungen bietet der wunderschöne Ballsaal im Hotel“, erläuterte Busse demnach. Dazu komme „der herrliche Ausblick über die Stadt, begleitet von kulinarischen Kreationen“. Denn, so die Idee: Man will hier Genuss für Gaumen und Ohren kombinieren.

Konkret sieht das so aus: Das Staatstheater präsentiert im Hotel Lieder, Arien und Kammermusik mit Mitgliedern des Ensembles und Gästen zwischen den drei Gängen eines Gala-Dinners. Die musikalische Reise führt mit der Auftakt-veranstaltung im August nach Frankreich, Spanien, Italien und Finnland. Passend dazu seien die Kreationen aus der Küche. „Gerade in Homburg haben wir unter anderem durch die Reihe der Meisterkonzerte viele Liebhaber klassischer Musik“, stellt Hotelbesitzer Giuseppe Nardi heraus.

Beim Auftakt am 29. August zu hören sein werden die beiden Sopranistinnen Pauliina Linnosaari und Olivia Doray, begleitet von Antonio Grimaldi am Klavier. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Start der Abendveranstaltung mit Menü-Beginn ist um 19 Uhr. Karten gibt es über die Vorverkaufskasse des saarländischen Staatstheaters in Saarbrücken am Schillerplatz 2, Tel. (0 68 41) 3 09 24 86 oder über kasse@staatstheater.saarland