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Reformation
Als die Reformation in die Saarpfalz kam

Vorstellung mit historischer Kulisse: Prof. Joachim Conrad, die Limbacher Pfarrerin Christiane Härtel und Kreisdenkmalpfleger Bernhard Becker mit dem Saarpfalz-Sonderheft zur Reformation. Die Limbacher Kirche im Hintergrund war eine der ersten der Region, die damals protestantisch wurde.
Vorstellung mit historischer Kulisse: Prof. Joachim Conrad, die Limbacher Pfarrerin Christiane Härtel und Kreisdenkmalpfleger Bernhard Becker mit dem Saarpfalz-Sonderheft zur Reformation. Die Limbacher Kirche im Hintergrund war eine der ersten der Region, die damals protestantisch wurde. FOTO: Martin Baus
Homburg/Saarpfalz-Kreis. Ein Sonderheft der „Saarpfalz“ beschäftigt sich mit einem kleinen Nachgang zum 500. Jahrestag der Reformation. Das Heft beleuchtet auch die Entstehung des protestantischen Glaubens in der Saarpfalz. Von Martin Baus

Schier unüberschaubar war die Fülle der Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die sich im vergangenen Jahr mit der Reformation befassten. Zum 500. Mal jährte sich am Vorabend von Allerheiligen jenes Ereignis, das heute als Startsignal für eine Entwicklung gilt, die als Reformation bezeichnet wird.

Obwohl längst angezweifelt wird, dass der Augustinermönch Martin Luther 1517 tatsächlich seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hat, setzte seinerzeit mit Vehemenz die Spaltung der christlichen Welt ein.

Wie sich die Reformation auf regionaler Ebene abspielte, das ist das Thema des Sonderheftes der „Saarpfalz“, die jetzt erschienen ist. Die 2017er-Extrausgabe der „Blätter für Geschichte und Volkskunde‟, die vom Saarpfalz-Kreis veröffentlicht werden, beinhaltet zwei Aufsätze, die sich mir der Entstehung der protestantischen Glaubensrichtung vor Ort auseinandersetzen.
Landrat Theophil Gallo bringt in seinem Vorwort zum Ausdruck, dass das Jubiläum „ein schöner Anlass‟ dafür sei, einen Blick darauf zu werfen, „wie sich die Reformation in unserer Region gestaltete und welche Veränderungsprozesse dadurch in der Saarpfalz in Gang gesetzt wurden‟. So berichtet Charlotte Glück, Leiterin des Stadtmuseums Zweibrücken, davon, dass eine der ersten evangelischen Landeskirchen überhaupt zwischen 1533 und 1539 im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken entstanden sei. Zu diesem Staatsgebilde gehörten damals große Teile des heutigen Saarpfalz-Kreises, so etwa Limbach, Kirkel, Einöd, Mimbach und Böckweiler sowie eine ganze Reihe weiterer Ortschaften entlang der Blies.



Landesherr war der Herzog Wolfgang, der den Aufbau einer lutherischen Landeskirche mit Nachdruck betrieben habe. Er löste auch die Jahrhunderte alten Klöster Hornbach und Wörschweiler auf. Wie Glück ausführt, sei mit der Reformation auch der systematische Aufbau eines „weltlichen Schulwesens‟ verbunden gewesen, bei dem Jungen und Mädchen gemeinsam Lesen und Schreiben sowie „evangelische Glaubensinhalte‟ vermittelt werden sollten. „Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken ist die Verordnung der allgemeinen Schulpflicht für Jungen und Mädchen bereits 1574 unter Herzog Johann I. belegt‟, hält die Autorin fest – einen älteren Nachweise gebe es sonst nirgendwo. Gleichwohl habe es bis ins 18. Jahrhundert hinein gedauert, ehe die Schulpflicht flächendeckend durchgesetzt war.
Im benachbarten Fürstentum Nassau-Saarbrücken brauchte es länger, bis der „reformatorische Umbruch‟ zu spüren war. Joachim Conrad, Professor für Kirchengeschichte an der Universität des Saarlandes, skizziert, dass es vornehmlich Zweibrücker Impulse waren, die letztlich auch in diesem Land die religiösen Neuerungen herbeiführten. Zu Nassau-Saarbrücken gehörten damals Homburg samt umliegender Dörfer sowie die Bexbachorte.

Erst 40 Jahre nach Zweibrücken, zum 1. Januar 1575 genau, habe „Reformationsgraf‟ Philipp III. verfügt, „die Messe abzustellen und das Evangelium zu predigen. Freilich seien bereits vor diesem „formalrechtlichen Übertritt zur Reformation‟ viele Gemeinden quasi „unter der Hand‟ zur neuen Glaubensausrichtung gewechselt, wie Conrad anhand von Beispielen zeigt.