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Marianne Bullacher und Georg Weisweiler
Wechselspiele im Homburger Stadtrat

Georg Weisweiler und Marianne Bullacher von der „Allianz der Vernunft“ mit ihrem künftigen Fraktionschef Stefan Mörsdorf (von links) beim Gespräch mit unserer Zeitung.
Georg Weisweiler und Marianne Bullacher von der „Allianz der Vernunft“ mit ihrem künftigen Fraktionschef Stefan Mörsdorf (von links) beim Gespräch mit unserer Zeitung.
Homburg. Georg Weisweiler und Marianne Bullacher von der „Allianz der Vernunft“ gehören ab dem 1. Oktober der CDU-Fraktion an. Sozialdemokraten und Christdemokraten haben dann jeweils 19 Sitze im Stadtparlament. Von Peter Neuheisel

Die Wählervereinigung „Allianz der Vernunft“ in Homburg ist wohl demnächst Vergangenheit. Marianne Bullacher und Georg Weisweiler, die der Allianz-Fraktion im Homburger Stadtrat seit der Kommunalwahl 2014 angehören, schließen sich zum 1. Oktober der CDU-Stadtratsfraktion an. Weisweiler, ehemaliger Gesundheitsminister des Saarlandes und derzeitiger Fraktionsvorsitzender der Allianz, wird parteilos bleiben. Bullacher, die Stellvertreterin Weisweilers, wird auch Parteimitglied der CDU werden. Das gaben beide am Montag gemeinsam mit CDU-Fraktionschef Stefan Mörsdorf beim Besuch in unserer Redaktion bekannt. Da die „Allianz“ ein eingetragener Verein ist, soll die Mitgliederversammlung Mitte Oktober entscheiden, wie es weitergeht. Eine Auflösung ist wahrscheinlich.

Die „Allianz der Vernunft“ war bei der Kommunalwahl 2014 angetreten, um – wie die Vertreter es damals formulierten – für einen politischen Neuanfang in Homburg zu werben. Damals trat die Gemeinschaft noch in deutliche Opposition zur Stadtpolitik des damaligen Oberbürgermeisters Karlheinz Schöner (CDU) und zur schwarz-roten Zusammenarbeit im Stadtrat. So argumentierten Georg Weisweiler und Marianne Bullacher vehement unter anderem gegen die Ansiedlung eines Shoppingcenters auf dem Enklerplatz sowie gegen das geplante Kombibad. Beides waren die Lieblingsprojekte des damaligen CDU-Stadtoberhauptes und der großen Ratsmehrheit aus CDU und SPD.

Was führte nun zum Wechsel in die CDU-Fraktion? Marianne Bullacher erklärt dies so: „Viele Homburger beklagten damals das intransparente Handeln und die Alleingänge der ehemaligen Stadtspitze. Die Gründung der Wählervereinigung war unsere Antwort, uns nicht mit den damaligen Zuständen in Homburg einverstanden zu erklären.“ Unter Führung von Michael Forster habe sich die Homburger CDU in der Folgezeit sowohl in Fraktion als auch Partei konsequent erneuert und bewiesen, dass sie einen neuen Stil verfolge und eigene Akzente im Stadtrat zu setzen wisse, so Bullacher.



Und Georg Weisweiler ergänzt: „Mit den kürzlich getroffenen Personal­entscheidungen, Michael Forster als künftigem Bürgermeister und seinem Nachfolger als Fraktionsvorsitzenden Stefan Mörsdorf, war für Marianne Bullacher und mich endgültig deutlich geworden: Der Erneuerungsprozess der CDU in Homburg ist geglückt. Wir wollen daher künftig in Reihen der CDU-Fraktion weiter daran arbeiten, Homburg nach vorne zu bringen.“

„Die Werte Transparenz und Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie eine nachhaltige (Stadt)-Entwicklung, für die wir als ,Allianz’ angetreten waren, sehen wir heute in der CDU am besten gewährleistet“, so Marianne Bullacher weiter. „Tatkräftiger Einsatz für unser Homburg, Bürgerkontakte und sachgerechte Begleitung stadtpolitischer Themen werden unser Handeln auch weiterhin bestimmen, künftig als Mitglieder der CDU-Stadtratsfraktion.“

CDU-Fraktionschef Stefan Mörsdorf sieht den Wechsel der bisherigen Allianz-Vertreter positiv: „Es ist Bestätigung für unsere gute Arbeit als CDU-Fraktion in den vergangenen Jahren, dass Marianne Bullacher und Georg Weisweiler zu der Überzeugung gekommen sind, ihre politischen Ideale am besten in der CDU repräsentiert zu sehen. Mit ihnen gewinnen wir zwei engagierte und bürgernahe Stadtratsmitglieder. Wir freuen uns daher auf die Zusammenarbeit zum Wohle unserer Stadt.“

Natürlich gebe es auch Mitglieder, die diesen Wechsel durchaus kritisch sähen, „aber wir müssen uns doch die Frage stellen: Wieso hat es die ,Allianz’ gegeben?“. Es habe damals in vielen Punkten wegen Entscheidungen im Rathaus und Stadtrat Murren in der Bevölkerung gegeben, erinnerte Mörsdorf daran, dass die „Allianz“ bei den Kommunalwahlen 2014 aus dem Stand auf 4,9 Prozent kam und dabei nahezu 900 Wählerstimmen ergatterte.

Auf die Frage, wie der Wechsel der beiden „Allianzler“ zur CDU wohl von den Sozialdemokraten gesehen werde, meinte Weisweiler: „Wir hoffen weiterhin auf eine gemeinsame sachgerechte Politik zwischen CDU und SPD.“ Aber die Zeit, da sich die Parteispitzen gegenseitig die Bälle zugeworfen hätten, sei vorbei. Und Marianne Bullacher ergänzt: „Die Realität zeigt es: Die Leute wollen in Homburg weder eine große Koalition noch eine Pseudo-Groko.“

Begleiterscheinung des Fraktionswechsels: Die SPD ist ab dem 1. Oktober nicht mehr stärkste Fraktion im Stadtrat. Sie hat – wie dann die CDU auch – 19 Stimmen. Absprachen für die bevorstehenden Kommunalwahlen hat es nach Worten der Protagonisten nicht gegeben. Bullacher: „Ich trete aber nicht über, um nicht anzutreten. Ich stelle mich dann aber dem demokratischen Prozess innerhalb der CDU.“ Und Weisweiler: „Es gibt keine Zusagen. Bei der Großwetterlage ist es aber wichtig, dass alle bürgerlichen Kräfte gebündelt werden.“ Ob er für den nächsten Stadtrat kandidieren werde, wisse er derzeit noch nicht.