| 22:15 Uhr

Altes Stadtbad
Abriss des Hallenbads verzögert sich

 Das waren noch Zeiten, als Schwimmer ihre Bahnen im alten Stadtbad zogen. Doch dies ist lange vorbei. Zum 30. November 2014 schloss das Homburger Hallenbad seine Pforten. Der Abriss ist beschlossene Sache, lässt aber auf sich warten.
Das waren noch Zeiten, als Schwimmer ihre Bahnen im alten Stadtbad zogen. Doch dies ist lange vorbei. Zum 30. November 2014 schloss das Homburger Hallenbad seine Pforten. Der Abriss ist beschlossene Sache, lässt aber auf sich warten. FOTO: Ulrike Stumm
Homburg. Seit drei Jahren ist das alte Stadtbad am Homburger Forum geschlossen. Der Abriss ist beschlossene Sache, lässt aber auf sich warten. Bei der Suche nach einem neuen Standort für das Spiess-Mosaik ist ein Uniklinik-Neubau im Gespräch. Von Ulrike Stumm

Schwimmer ziehen schon seit drei Jahren keine Bahnen mehr im alten Stadtbad am Homburger Forum. Und eigentlich sollte es das Gebäude selbst längst auch nicht mehr geben. Der Abriss ist nämlich beschlossene Sache, sollte eigentlich im Frühjahr über die Bühne gehen – der doch recht sportliche Zeitplan konnte nicht eingehalten werden. Der Termin wurde nach hinten geschoben. Noch in diesem Jahr, so kündigte es die Stadt an, sollte der Bau Geschichte sein. Er steht bekanntlich immer noch, ein trostloser Anblick, der allenfalls bei dem ein oder anderen für ein paar melancholische Erinnerungen sorgt. Und bis zum Jahresende bleiben nur wenige Wochen.

Es wird alles länger dauern. Im Moment wird per Ausschreibung ein Planungsbüro gesucht, das ein genaues Leistungsverzeichnis für die Abrissarbeiten erstellt, teilte Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff am Montag auf Anfrage mit. Ein Bestandteil davon sei ein Schadstoffkataster. Unter anderem müssten die im Gebäude verbauten Stoffe beprobt werden, ein Konzept gebe dann vor, wie mit den womöglich verbauten Schadstoffen umzugehen sei. Das werde wohl erst Ende Januar/Anfang Februar vorliegen, so Kruthoff. Erst danach werden auf Basis dieses Leistungsverzeichnisses die eigentlichen Abrissarbeiten ausgeschrieben. Diese werden dann nach der Entkernung mit etwa vier Wochen angesetzt. Es werde also wohl spätes Frühjahr bis Frühsommer werden, bis alles vollzogen sei.

Arbeiten könne man beim Abriss des Bades zunächst unabhängig von der Witterung. Denn bevor die äußere Hülle fällt, müsse man ja ohnehin erst einmal innen wirken, so Kruthoff. Im Gebäude geht es aber nicht nur um die alte Technik im Keller, Reste der Umkleiden oder Schadstoff-Entsorgung, sondern auch um ein Mosaik. Das hängt in der ehemaligen Milchbar und wurde im Jahr 1970 vom Homburger Künstler Willi Spiess geschaffen. Eigentlich habe man bereits beschlossen, dass dies abgebaut und im Saalbau wieder zusammengesetzt wird. Derzeit hängt dort ein Abbild auf einer Art großen Folie. Nun komme aber eine andere mögliche Alternative ins Spiel. Das Universitätsklinikum sei an die Stadt herangetreten und habe großes Interesse daran gezeigt, das Mosaik in das neue Hörsaal-Gebäude zu integrieren, auch weil sie gehalten seien, Kunst am Bau umzusetzen. Das habe zudem den Charme, dass es hier noch mehr Menschen sehen könnten als im Saalbau, einfach weil der Ort publikumsintensiver sei. Da es aber eigentlich einen Beschluss gebe, das Mosaik in den Saalbau zu hängen, werde nun zunächst einmal im Kulturausschuss am Donnerstag über das Thema beraten. Für die Stadt wäre Folgendes ebenfalls vorteilhaft bei der Uniklinik-Lösung: Man habe sich im Vorfeld grob darauf verständigt, dass die Stadt den Ausbau bezahle, die Uniklinik aber für die Installation im Hörsaal aufkommen würde. Die große Folie mit dem Bild des Mosaiks soll im Saalbau hängen bleiben, sodass man die Optik auch hier erhalte. Die Kosten sind kein Pappenstiel. Aus-, Einbau und Transport würden geschätzt mit insgesamt 25 000 Euro zu Buche schlagen.



Noch deutlich teurer sind, klar,  die geschätzten Kosten für den Abriss des alten Stadtbades. Allein das Gutachten läge wohl bei um die 100 000 Euro. Alles andere lasse sich, ohne zu wissen ob und welche Schadstoffe es gibt, nur sehr grob schätzen; man rechnet mit um 600 000 Euro. Je günstiger es wird, desto besser sei das übrigens für die Stadtfinanzen. Denn: Das Stadtbad gehört mittlerweile der Homburger Parkhaus- und Stadtbusgesellschaft (HPS), einer städtischen Tochter. 800 000 Euro sollte es laut damaliger Information, samt einem kleinen Flächenzuschlag rundherum insgesamt kosten – und auch wieder nicht. Denn die Abrisskosten samt allem, was dazu gehört, etwa ein Gutachten, sollen wiederum herausgerechnet werden, erklärte Kruthoff erneut. Jeder Betrag, den der Abriss also unter 800 000 Euro liege, „fließt zurück in die Stadtkasse“.

Und was passiert dann mit dem Areal? Wenn das Gebäude nicht mehr stehe, dann soll es an die Kulturgesellschaft für die Flohmärkte vermietet werden. Und hier will man die zusätzliche Fläche vor allem mit Blick auf die Besucher starken Märkte möglichst ab Mai/Juni zur Verfügung haben.

Der Kultur-, Jugend-, Sport- und Sozialausschuss kommt am Donnerstag, 30. November, 17 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Rathauses, Am Forum, zusammen. Neben dem Stadtbad-Mosaik sind auch die Finanzspritzen an Vereine und Einrichtungen ein Thema.

 Zunächst einmal muss das Bad entkernt werden: Hier ein Blick in die Einzelumkleiden.
Zunächst einmal muss das Bad entkernt werden: Hier ein Blick in die Einzelumkleiden. FOTO: Ulrike Stumm
 In der Milchbar des geschlossenen Homburger Stadtbads hängt das Mosaik des Künstlers Willi Spiess. Vor einem Abriss des Gebäudes soll es gerettet werden. Doch wo es einmal hängen soll, ist noch nicht abschließend geklärt.
In der Milchbar des geschlossenen Homburger Stadtbads hängt das Mosaik des Künstlers Willi Spiess. Vor einem Abriss des Gebäudes soll es gerettet werden. Doch wo es einmal hängen soll, ist noch nicht abschließend geklärt. FOTO: Ulrike Stumm