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Nach Stress um Mathe-Abitur
Abi-Prüflinge können mit besseren Noten rechnen

 Nach Schülerprotesten auf Matheabi im Saarland: Prüflinge sollen besser bewertet werden. (Symbolbild)
Nach Schülerprotesten auf Matheabi im Saarland: Prüflinge sollen besser bewertet werden. (Symbolbild) FOTO: dpa / Federico Gambarini
Saarbrücken. Die umstrittenen Mathe-Klausuren sind korrigiert. Die Lehrer können jetzt eine andere Bewertungsskala anlegen, die den etwas Notenschnitt hebt. Von Matthias Zimmermann

Sollten die Schüler mit ihren Protesten gegen das Mathe-Abi Recht behalten? Offensichtlich waren die Prüfungen schwerer als in den Vorjahren und sorgten für schlechtere Noten. Denn mit den Ergebnissen der Korrektoren erhielten die Schulen im Saarland jetzt auch eine neue Bewertungsskala. Nach Informationen unserer Zeitung erreichen die Schüler damit bessere Noten als nach den vorherigen Richtwerten. So soll das Bildungsministerium den Anspruch an den Prozentsatz richtiger Lösungen nach unten geschraubt  haben. Das wirkt sich auf den Notenspiegel aus.

Nach den der Redaktion vorliegenden Tabellen reicht es jetzt beispielsweise aus, 95 Prozent der Aufgaben gelöst zu haben, um 15 Punkte, also eine 1+ zu erreichen. Zuvor waren 97 Prozent verlangt.

 Mit dieser im Internet gestarteten Protestnote wollen Schüler im Saarland auf einen Kompromiss bei der Bewertung der Abiturklausuren Mathematik hinwirken.
Mit dieser im Internet gestarteten Protestnote wollen Schüler im Saarland auf einen Kompromiss bei der Bewertung der Abiturklausuren Mathematik hinwirken. FOTO: Matthias Zimmermann


Die Ergebnisse der Korrektorenkonferenz zum Mathematik-Abitur sollen nach PM-Informationen ergeben haben, dass bisher sehr gute Schüler schlechter abschnitten und schlechte Schüler besser. Dies deute auf etwaige Probleme bei der Aufgabenstellung hin. Ob dies im Zusammenhang mit Abweichungen zum Lehrplan steht, ist noch unklar. Ministeriumssprecherin Marija Herceg verwies auf eine für heute geplante Pressemitteilung. Zuvor gebe es keine Auskunft. Herceg begründet dies auf Anfrage: „Wir wollen zuerst alle Beteiligten informieren.“

 Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD)
Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) FOTO: BeckerBredel

Der Saarländische Philologenverband sprach von einer „pragmatischen Lösung für ein kompliziertes Problem“. Ein Wermutstropfen bleibe aber: Die Regelung greife pauschal in die Bewertung des Abiturs ein und führe möglicherweise zu höheren Ungerechtigkeiten, sagte der Vorsitzende Marcus Hahn. Ob die gegenwärtige Lösung rechtssicher sei, müssten womöglich die Gerichte prüfen. Möglicherweise erwarteten auch Schüler in anderen Fächern die Anwendung der großzügigeren Notentabelle. Aus Sicht des Philologenverbandes muss dringend über die Art der Aufgabenstellung bei den bundesweiten zentralen Aufgaben diskutiert  werden. Rein durch die Aufgabenstellung bedingte Schwierigkeiten dürften in Zukunft nicht mehr auftreten.

 Katja Oltmanns, Vorsitzende der Landeselternvertretung an Gymnasien im Saarland
Katja Oltmanns, Vorsitzende der Landeselternvertretung an Gymnasien im Saarland FOTO: Robby Lorenz

Die Landeselternvertretung an Gymnasien (LEV) schickte im Zusammenhang mit dem Mathe-Abi inzwischen einen Brief an Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Darin fordert LEV-Vorsitzende Katja Oltmanns eine „umfassende Aufklärung zu den kritisierten Aufgaben“. Gleichzeitig setzen die Elternvertreter auf eine „größtmögliche Transparenz“. Oltmanns kritisiert in dem Brief: „Die Landeselternvertretung wurde aber seitens des Ministeriums bislang nicht informiert, sondern musste sich die Informationen selbst oder über die Medien besorgen. Das ist aus unserer Sicht weder transparent noch kooperativ.“ So verlange die LEV Belege dafür, dass die Aufgaben aus dem Abitur Bestandteil des Lehrplans waren, wie vom Ministerium behauptet. Um die Aufgaben zeitnah einsehen zu können, sollten sie künftig nach den Nachprüfungsterminen veröffentlicht werden. Gleichzeitig wollen die Elternvertreter erfahren, welche Konsequenzen aus dem jetzigen Abitur gezogen werden.

 Kurz nach den Klausuren Anfang Mai: Protesthaltung gegen den Verlauf der saarländischen Abiturprüfungen im Fach Mathematik (von links): Petitionsinitiator Philipp Martini (Schülersprecher am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken), Landesschülersprecher Usamah Hammoud und Jonah Moser (Willi-Graf-Schule, Saarbrücken).
Kurz nach den Klausuren Anfang Mai: Protesthaltung gegen den Verlauf der saarländischen Abiturprüfungen im Fach Mathematik (von links): Petitionsinitiator Philipp Martini (Schülersprecher am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken), Landesschülersprecher Usamah Hammoud und Jonah Moser (Willi-Graf-Schule, Saarbrücken). FOTO: Paul-Lukas Wagner (LSV)

Direkt nach Ende der Mathe-Klausuren am 3. Mai hatten landesweit tausende Schüler eine Online-Petition aus Protest gegen die aus ihrer Sicht zu schweren Abituraufgaben unterzeichnet. Der Minister versicherte wenige Tage danach eine faire Benotung und Konsequenzen, sollten Unregelmäßigkeiten festgestellt werden.