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Land unter
Hochwasser hält Rheinland-Pfalz in Atem

 Das Hochwasser der Mosel hat die Ufer in Bernkastel-Kues überschwemmt. Zahlreiche Straßen entlang des Flusses sind abschnittweise überflutet und für den Verkehr gesperrt.
Das Hochwasser der Mosel hat die Ufer in Bernkastel-Kues überschwemmt. Zahlreiche Straßen entlang des Flusses sind abschnittweise überflutet und für den Verkehr gesperrt. FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier/Koblenz. Kräftige Regenfälle haben die Flüsse anschwellen lassen. Zuerst sorgte das Hochwasser an der Mosel für Überschwemmungen. Auch die Saar lief über. Saarbrücken sperrte die Stadtautobahn. Nun richtet sich der Blick auf Koblenz.

Überflutete Straßen und voll gelaufene Keller: Das Hochwasser hat Rheinland-Pfalz fest im Griff. Nach starken und andauernden Niederschlägen trat zuerst in der Nacht zum Dienstag die Mosel mit Wucht über die Ufer und sorgte für heftige Überschwemmungen. Das Wasser stand unter anderem in Aach (Kreis Trier-Saarburg) und Bernkastel-Kues in den Straßen und flutete Keller.

In etlichen Ortschaften wurden mobile Hochwasserschutzmauern montiert. Viele hundert Einsatzkräfte waren im Einsatz, um Straßen zu sperren, Autos abzuschleppen oder Gebäude abzusichern. Im Konzer Ortsteil Oberemmel trat ein Weiher über das Ufer: von den Wassermassen wurden Menschen in einem Haus eingeschlossen, die Feuerwehr rettete sie.

Die Mosel sollte am Pegel Trier laut Hochwassermeldezentrum Rheinland-Pfalz am Dienstagabend mit knapp unter neun Metern den Höchststand erreichen – das sind rund 5,50 Meter über normal. Danach gingen die Wasserstände dort zurück, sagte ein Sprecher. Es handele sich um ein Hochwasser, wie es alle zwei bis fünf Jahre vorkommt.



Der Blick richte sich am Mittwoch wohl vor allem auf Koblenz, hieß es vom Hochwassermeldezentrum. Dort kommen die Wassermassen von Rhein und Mosel zusammen: Voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag soll dort der Höchststand von 6,50 Metern erreicht werden. Die Feuerwehr baute bis Dienstagabend eine mobile Hochwasserschutzwand auf. Die Arbeiten seien schnell und ohne große Behinderungen verlaufen, hieß es. Mit der Wand sollten Tausende Bewohner der Koblenzer Stadtteile Neuendorf und Wallersheim geschützt werden.

Zum Aufbau mussten die Behörden nach eigenen Angaben einige Fahrzeuge in dem Bereich abschleppen lassen. In der Nacht zu Mittwoch erwarte man eine teilweise Überschwemmung einiger Straßen, hieß es.

In Trier-Pfalzel hat das Hochwasser trotz montierter mobiler Schutzelemente mehrere Keller geflutet. „Die Tore wurden nicht geschlossen“, sagte Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel. Ein Anwohner hatte die offenen Tore am Dienstagmorgen entdeckt und die Feuerwehr gerufen. Warum die Tore nicht geschlossen waren, könne sie nicht sagen.

In Saarbrücken sperrte die Polizei am Dienstagmorgen die Stadtautobahn. Die Sperrung zwischen Luisenbrücke und Bismarckbrücke war wegen des steigenden Pegelstands der Saar bereits erwartet worden. Eine Umfahrung wurde eingerichtet, die Maßnahme sei Standard, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagmittag.Der Wasserstand lag um diese Zeit bei 387 Zentimetern – sieben Zentimeter über der kritischen Hochwasser-Marke, ab der die A 620 dichtgemacht werden muss. Noch am Dienstagabend stand das Saarwasser auf der Fahrbahn. Die Sperrung der Autobahn wird nach Polizeiangaben auch den Berufsverkehr am Mittwoch behindern. Wenn das Wasser schließlich abgelaufen ist, benötigt der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) „mindestens drei Stunden“ für Reinigungs- und Spülarbeiten, wie Sprecher Klaus Kosok erklärte.

Auch in Luxemburg waren Feuerwehren hunderte Male im Einsatz. Drei Mal mussten Menschen aus Autos befreit werden, in denen sie vom Wasser eingeschlossen waren. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, unter anderem in Mosel-Orten wie Schengen oder Mertert. Die Mosel, die als zweitlängster Nebenfluss des Rheins gilt, entspringt in Frankreich in den Vogesen und mündet bei Koblenz in den Rhein.

Wettermäßig sei aber Entspannung in Sicht, vermeldeten die Hochwasserexperten aus Mainz. Für die nächsten Tage sei trockenes und kühleres Wetter vorhergesagt. Auch an der Saar und Nahe sollten die Pegelstände im Laufe des Dienstags ihre Höchststände erreichen.

(dpa)