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Heftiger Regen verschärft die Lage
Hochwasser an Rhein und Mosel steigt

Ein Gemeindearbeiter räumte gestern mit einem Traktor in Ürzig Treibgut von der Bundesstraße B 53. Die Mosel ist dort durch die starken Regenfälle über die Ufer getreten. Die Straße ist in diesem Bereich voll gesperrt.
Ein Gemeindearbeiter räumte gestern mit einem Traktor in Ürzig Treibgut von der Bundesstraße B 53. Die Mosel ist dort durch die starken Regenfälle über die Ufer getreten. Die Straße ist in diesem Bereich voll gesperrt. FOTO: Harald Tittel / dpa
Trier/Koblenz. Schwäne schwimmen auf Uferstraßen, Wasser dringt in Keller ein. Und das Hochwasser könnte noch schlimmer werden. Wegen heftiger Regenfälle rechnen Experten an Rhein und Mosel mit steigenden Pegelständen.

Es regnet und regnet und Flüsse in Rheinland-Pfalz treten über die Ufer. Wiesen und erste Straßen sind überflutet. Die Schifffahrt auf der Mosel ist eingestellt. Auf dem Rhein droht Schiffsführern in den kommenden Tagen das gleiche Schicksal. Feuerwehr und Polizei sind im Einsatz, und der Deutsche Wetterdienst meldete gestern weiteren Regen.

An der Mosel ist vor allem der mittlere Abschnitt vom Hochwasser betroffen: Ufernahe Parkplätze zum Beispiel in Bernkastel-Kues sind nach Polizeiangaben von gestern bereits gesperrt, ebenso wie Teile der Bundesstraße$53. Im Laufe des Tages sollte die Hochwasserschutzmauer in Kesten aufgebaut werden – dann sei auch diese Ortsdurchfahrt dicht. Der Pegelstand in Trier war gestern mit gut sieben Metern vier Meter über normal. Auch wenn er zunächst leicht sank: „Es gibt noch keine Entwarnung“, sagte Holger Kugel vom Hochwassermeldezentrum Mosel in Trier.

Im Gegenteil: Gestern regnete es vor allem im französischen südlichen Teil des Einzugsgebietes weiter heftig. Ebenso in Zweibrücken, dem Zweibrücker Land, Pirmasens und dem Saarland, die ebenfalls zum Mosel-Einzugsgebiet zählen. Daher komme es spätestens ab Abend wieder zum Ansteigen der Pegelstände an Mosel, Saar und Sauer. Dabei sei mit Wasserständen zu rechnen, die höher als die bisher erreichten ausfielen. „An der Mosel müssen wir am Pegel Trier davon ausgehen, dass wir auf acht bis 8,50 Meter kommen“, ergänzte Kugel. Und bei dieser kritischen Marke werden einige Ortschaften an der Mosel vom Hochwasser betroffen sein.



„Wir haben jetzt bereits 1,50 Meter Wasser im Keller stehen“, hieß es gestern in der Tourist-Information in Kröv an der Mosel. Bei höheren Wasserständen ist laut Kugel zu erwarten, dass das Wasser teils in die Ortslagen fließt.

„Wenn wir über die acht Meter in Trier kommen, ist es seit 2003 das erste Mal, dass wir in den etwas kritischen Bereich kommen“, sagte Kugel. „Eine angespannte Erwartung ist da.“ Es riefen bereits etliche Bürger an, um sich zu informieren.

Schiffe waren gestern nicht mehr auf dem Fluss unterwegs. „Die Mosel ist komplett zu“, sagte der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Koblenz, Tobias Schmidt. Der Leiter des Schiffsfahrtsbüros in Trier, Klaus Kürten, ging davon aus, dass die Schifffahrt weiter gesperrt bleibt. „Ein bis zwei Tage wird das noch dauern“, sagte er.

Am Rhein wird ganz im Süden beim Pegel Maxau voraussichtlich heute Nachmittag die Hochwassermarke II überschritten, ab der Schiffe nicht mehr weiterfahren dürfen, wie das Hochwassermeldezentrum in Mainz mitteilte. Am Pegel Koblenz wird dies in der Nacht zum Sonntag erwartet. Schon jetzt ist der Schiffsverkehr eingeschränkt, weil längst die Hochwassermarke I überschritten ist: Schiffe dürfen nur noch höchstens 20 Kilometer pro Stunde und lediglich in der Mitte der Fahrrinne mit eingeschaltetem Sprechfunk fahren.

Am Zusammenfluss von Mosel und Rhein am Deutschen Eck in Koblenz wurden gestern laut Feuerwehr eine Uferstraße und Parkplätze gesperrt. Zum Wochenende müsse mit weiteren Sperrungen gerechnet werden. Circa 35 Feuerwehrleute zogen gestern den zweiten Teil einer Hochwasserschutzwand beim besonders niedrig gelegenen Stadtteil Neuendorf hoch. Die Feuerwehr Wörth am Rhein rief dazu auf, nicht in Ufernähe zu parken und bestimmte Bereiche am Rhein zu meiden. In Leutesdorf bei Neuwied konnten Spaziergänger gestern Schwäne beobachten, wie sie vor malerischen Fachwerkhäusern auf einer Uferstraße schwammen. Auch die Lahn ist an vielen Stellen über die Ufer getreten.

An der Saar steigen die Pegelstände laut Prognose ebenfalls bis heute Mittag weiter an. Es könne zu Überflutungen einzelner Gebäude und Keller sowie zu örtlichen Verkehrsbehinderungen kommen, hieß es. Ob die kritische Marke von 3,80 Metern im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual erreicht werde, bei der die Stadtautobahn gesperrt werden müsse, könne noch nicht konkret vorhergesagt werden.

Auch an Hornbach, Schwarzbach und Blies wird mit einem weiteren Anstieg der Pegelstände gerechnet. Nach einer kurzen Regenpause in der Nacht sagen die Meteorologen für den heutigen Freitag in der Südwest- und Saarpfalz weitere, teils ergiebige Niederschläge voraus. Gestern standen betreits Teile der Bliesaue zwischen Einöd und Blieskastel unter Wasser.