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Übung von 1500 Polizeikräften
Dahn im Ausnahmezustand

 Bundes- und Landespolizei übten am Dienstag gemeinsam ein schwieriges Szenario in Dahn.
Bundes- und Landespolizei übten am Dienstag gemeinsam ein schwieriges Szenario in Dahn. FOTO: Martin Wittenmeier
Dahn. Großübung der Polizei: Demonstranten besetzen Bahnübergang und ketten sich an Gleise. Von Martin Wittenmeier

Es sind Bilder wie aus einem Katastrophenfilm: Hunderte Demonstranten besetzen einen Bahnübergang, einige haben sich an die Gleise gekettet. Wenige Meter entfernt blockiert ein Lastwagen die Bahnstrecke. Unzählige Polizisten sichern die Straßen, Wasserwerfer werden in Stellung gebracht, ein Hubschrauber kreist über dem Dahner Felsenland. Dahn im Ausnahmezustand – scheinbar.

„Bestellt“ hatte dieses Szenario Polizeidirektor Michael Sziele, Leiter der Bundespolizeiabteilung Bad Bergzabern. Zwischen Dahn und Hinterweidenthal fand am Dienstag von 9 bis 16 Uhr die gemeinsame Großübung der Bundes- und Landespolizei statt. Rund 1500 Beamte, Helfer und Statisten aus Rheinland-Pfalz und Hessen probten dort den Ernstfall. „Das ist eine Hausnummer“, meinte Sziele. Leider würden solche Großübungen viel zu selten durchgeführt. „Bei so einem Einsatz greifen viele Räder ineinander, ohne Training geht es deshalb nicht“, mahnt er.

Das Dahner Felsenland wurde explizit dafür ausgewählt. „Hier haben wir die Möglichkeit, mit 1500 Polizisten zu trainieren, ohne die Bevölkerung zu stören“, betont Sziele. Zudem konnten die Einsatzkräfte eine stillgelegte Trasse der Wieslauterbahn für die Übung nutzen. Straßensperrungen seien mit der Verbandsgemeindeverwaltung abgesprochen worden.



Was genau vor Ort passiert, war ihm und seinen Kollegen im Vorfeld der Übung nicht bekannt. Lediglich, dass es um die „Bewältigung von fiktiven Versammlungslagen und Demonstrationen“ geht. „Je unklarer die Lage ist, desto größer ist die Vorbereitung für uns“, erklärt Sziele. Die Polizisten müssen daher spontan reagieren. Während der Übung gibt es auch Schiedsrichter, die das Handeln der Einsatzkräfte genau beobachten und anschließend bewerten.

Das dazugehörige „Drehbuch“ hatte Polizeidirektor Reinhard Pürkenauer von der Bundespolizeiinspektion Karlsruhe geliefert. Ein „ganzes Paket“ mit unterschiedlichen Situationslagen habe man konzipiert. Auch er sei gespannt, wie es „da draußen funktioniert“. Sziele: „Im Ernstfall läuft nicht immer alles rund, aber wir wollen wissen, wo wir uns verbessern müssen.“

Bei der Übung soll die Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Bereitschaftspolizei unter realen Bedingungen trainiert werden. „Realitätsnahe Übungen wie diese sind nur gemeinsam möglich, da nur so die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen und Synergien genutzt werden können“, so Sziele.

Im Ortskern von Dahn wird die Lage derweil immer unübersichtlicher. Dutzende Demonstranten, gespielt von Polizeischülern, blockieren als „Umwelt-Aktivisten“ den Bahnhof, skandieren „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“. Ihnen stehen rund 400 Bundespolizisten gegenüber, die im Einsatz sind, um die Situation aufzulösen, ohne das es zu einer Eskalation kommt. Sobald die Gruppe die Bahnanlage verlassen, muss sich dann die Polizei des zuständigen Bundeslandes um sie kümmern.

 Mittags zog Michael Sziele ein positives Zwischenfazit. Die Einsatzkräfte hätten bisher schnell reagiert und die verschiedenen Lagen klären können.