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Erreger in Badegewässern entdeckt
Gewässer sollen auf Keime getestet werden

So wird eine Wasserprobe entnommen.
So wird eine Wasserprobe entnommen. FOTO: Hauke-Christian Dittrich / dpa
Mainz. Anfang Februar schreckten NDR-Recherchen in Niedersachsen die Öffentlichkeit auf: In Badegewässern wurden Erreger entdeckt, die nicht auf Antibiotika ansprechen. Auch Rheinland-Pfalz prüft nun eine Ausweitung der Untersuchungen.

Behörden in ganz Deutschland sind alarmiert wegen bestimmter Erreger in Gewässern, bei denen Antibiotika wirkungslos bleiben. Entdeckt wurden sie vor einem Monat bei Recherchen des NDR an zwölf Badeseen, Flüssen und Bächen in Niedersachsen. Auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium prüft nun zusammen mit anderen Bundesländern und der Bundesregierung, wie Badegewässer auf solche „multiresistente Keime“ untersucht werden können. Im Bund-Länder-Arbeitskreis Badegewässer tauschen sich Experten dazu aus.

Im Mainzer Landtag bemühte sich Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) jüngst, der Alarmstimmung mit nüchternen Fakten zu begegnen: „Tatsächlich ist Ertrinken die größere Gefahr bei den Gewässern.“ Gesunde Menschen würden solche Keime nicht unbedingt schaden – und Kranke sollten nicht unbedingt in Badegewässer gehen, empfahl die Ressortchefin. Aber das Ministerium setzt sich nach Angaben einer Sprecherin nun für ein länderübergreifendes Konzept zur Eindämmung von resistenten Keimen in Gewässern ein. Dabei sollen Ergebnisse laufender Forschungsvorhaben herangezogen werden.

Für die bisherige Kontrolle der Wasserqualität prüfen die Gesundheitsämter in Zusammenarbeit mit dem Landesuntersuchungsamt (LUA) die Wasserqualität regelmäßig nach den Vorgaben der EU-Badegewässerrichtlinie auf Keimbelastungen. Zusätzlich untersucht das Landesamt für Umwelt (LfU) die Badegewässer auf Massenentwicklungen von Cyanobakterien – das sind Blaualgen, die Hautreizungen oder Durchfall auslösen können. Die Kreisverwaltungen prüfen auch Wasserproben auf Kolibakterien (Escherichia coli) und Enterokokken – diese Keime sind typisch für fäkale Verunreinigungen.



Die resistenten Erreger könnten über die Gülle von Tierhaltern in die Umwelt gelangt sein. Und Höfken befürchtet: „Wenn es in Niedersachsen ein Problem gibt, dann wird das mit der entsprechenden Wirtschaftsdüngerfracht auch nach Rheinland-Pfalz gebracht.“

Bei den vom NDR genommenen Proben wurden auch Bakterien gefunden, die gegen das Reserve-Antibiotikum Colistin resistent sind, das sowohl in der Veterinär- als auch in der Humanmedizin verwendet wird. Colistin kommt zum Einsatz, wenn alle anderen Antibiotika versagen.

Das Forschungsprojekt HyReKa des Bundesforschungsministeriums untersucht Einträge von antibiotika-resistenten Bakterien und Antibiotika-Rückständen in die Umwelt, etwa von Tiermastbetrieben oder durch Abwässer aus Krankenhäusern oder auch von privaten Haushalten. „Ein Eintrag ist immer noch, dass viele Medikamente in die Toiletten runtergespült werden, und da insbesondere auch Antibiotika“, sagt Höfken. Das Forschungsvorhaben werde sicherlich auch wichtige Impulse für den Austausch zwischen Bund und Ländern liefern, sagte eine Sprecherin des Mainzer Umweltministeriums.

Ressortchefin Höfken plädiert dafür, die Gefahr an der Quelle zu bannen. Technische Lösungen wie zusätzliche Reinigungsstufen in den Kläranlagen seien sehr teuer - „das sind Millionen und Milliarden deutschlandweit an Investitionen“, die letztlich über die Gebühren auf die Privathaushalte abgewälzt würden. Daher müsse die Antibiotika-Anwendung in allen Bereichen überprüft werden, in der Humanmedizin wie in der Tierhaltung, fordert Höfken.

Eine Petrischale mit Keimen: Das rheinland-pfälzische Umweltministerium prüft mit anderen Bundesländern und der Bundesregierung, wie Badegewässer auf multiresistente Keime untersucht werden können.
Eine Petrischale mit Keimen: Das rheinland-pfälzische Umweltministerium prüft mit anderen Bundesländern und der Bundesregierung, wie Badegewässer auf multiresistente Keime untersucht werden können. FOTO: Armin Weigel / dpa
(dpa)