| 20:25 Uhr

Ein tierisches Vergnügen
Wenn eine Ziege die Hauptrolle spielt

 Inmitten der Gruppe mit Heilerzieherin Christel Mathieu (Dritte von links) fühlt sich die kleine Ziege wohl – wie ihre Artgenossen im Gatter.
Inmitten der Gruppe mit Heilerzieherin Christel Mathieu (Dritte von links) fühlt sich die kleine Ziege wohl – wie ihre Artgenossen im Gatter. FOTO: Wolfgang Degott
Walsheim. Intensiv-pädagogische Erlebniswoche in Walsheim: Wie Vierbeiner Einfluss nehmen auf das Verhalten von Kindern. Von Wolfgang Degott

Mit einem erheiternden Mecker-Wettbewerb, beim dem viele in verschieden Ausformungen die Sprache der zuweilen störrischen Vierbeiner intonierten, endete die erste integrative, inklusive Ziegenwoche im Haus Sonne.

„Wir wollten mit diesem intensiv-pädagogischen Angebot für Begegnungen zwischen Tieren und Menschen mit und ohne Behinderung sorgen. Darin stecken vielfältige Lernmomente. Kurz zu nennen wäre dabei neben der Kontaktaufnahme mit den Tieren in einen engen Kontakt zu treten, empathisches Verhalten zu fördern. Dazu haben wir uns eine kleine Ziegenherde auf unsere Ziegenwiese eingeladen“, informierte die Leiterin des Kinderdorfes, Daniela Reichhardt. Sie fügte hinzu, dass es auch darum gehe, Kindern - auch behinderten, wie ebenso interessierten Erwachsenen die Nähe und den Kontakt zu Tieren zu ermöglichen. Sie freute sich, dass die Idee auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Neben rund 30 Jungen und Mädchen der sozialen Einrichtung waren während der Projekttage auch viele andere Leute, kleine und große, aus Walsheim und Umgebung auf die Anhöhe „Oben am Dorf“ gekommen. Nachdem gemeinsam der rund 40 Meter große Zaun aufgestellt war und die Regeln erklärt, lernten die kleinen und großen Ziegenhirten schnell, dass nur, wer geduldig ist, sich langsam bewegt und respektvoll mit den Tieren umgeht, ans Ziel gelangt. Fachkundig war das Ganze begleitet und angeleitet von Christel Mathieu, Leiterin der tiergestützten Heilerziehungspflege aus Ottweiler-Fürth. „Wir beschäftigen uns seit zehn Jahren als freier Anbieter der Eingliederungshilfe und arbeiten auch im Alltag mit Menschen aller Art der Behinderung mit unseren Tieren“, erläuterte sie. Mit Hilfe von 35 Tieren, die sich zumeist im Außengelände in Fürth aufhalten werden Menschen in den normalen Alltag zurück begleitet.



Gemeinsam mit Kerstin Moser war es in Walsheim eines der Ziele, die soziale Kompetenz bei den Kindern zu fördern. Spielerisch und im Umgang mit den Vierbeinern, die gewissermaßen als Brückenbauer fungierten, erfüllten auch die eingerichteten Ruheinseln ihren Zweck. Dass keine Äste heruntergerissen werden und dass man sich langsam bewegt, der Lärmpegel drastisch gesenkt und auch keine „Leckerlis“ an die Vierbeiner verteilt wurden - all das gehörte zu den Regeln, die von allen Beteiligten schnell verinnerlicht waren.

„Für uns ist es wichtig, dass der Umgang mit den Tieren in den Vordergrund rückt. Es gibt mittlerweile viele Menschen, die mit Tieren nichts mehr anfangen können, sodass hier auch ein Wissensaustausch stattfindet“, erklärte Christel Mathieu. Zum besseren Kennenlernen diente auch ein „Ziegen-Quiz“ oder das Basteln von Ziegenmasken. Dabei erfuhr man auch, dass die Ziegen auch Bergmannskühe genannt wurden und früher für Milch und Fleisch in den saarländischen Familien sorgten.

Nach anfänglicher Aufregung waren in den folgenden Tagen einige Rituale entstanden. Gefördert wurde das auch dadurch, dass die Kinder die ihnen gesetzten Regeln schnell und widerspruchslos aufgenommen hatten. In der Folge war der Umgang insgesamt ruhiger und durch die Idylle entstanden auch gruppenüberschreitende Kontakte. Auch innerhalb der Einrichtung gab’s Anerkennug. Anleiter sprachen davon, dass sich die Woche sehr positiv ausgewirkt habe. So ist die Organisation um Christel Mathieu auch bei der Sommerakademie von Haus Sonne mit dabei.

Wer sich für die Arbeit interessiert, kann sich an die Tiergestützte Heilerziehungspflege wenden: E-Mail: mathieuchristel@aol.com, Telefon (0160) 752 90 10, www.christelmathieu.de