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Wo in Walsheim einst Bier in Fässern kühlte

Walsheim. Walsheim-Bier war keine rein regionale Angelegenheit. Ausgeschenkt wurde es in Nord- und Südamerika, in Paris und Madagaskar. Doch die Zeiten sind lange vorbei. Die Brauerei selbst ist abgerissen, was blieb, ist der Keller. Er war eines der Ziele beim Tag des offenen Denkmals. Wolfgang Degott

Walsheim-Bier war über Jahrzehnte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine saarländische Qualitätsmarke. Anfang der 1980er Jahre wurden Reste der Gebäuderuinen abgerissen. Erhalten blieb ein großer Keller, in dem große Fässer gelagert und gekühlt worden waren. Er steht mittlerweile unter Denkmalschutz und stellt ein markantes Relikt saarländischer Industriegeschichte dar. Beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals war er auch eines der Objekte, die sich für die Öffentlichkeit öffneten. Michael Clivot , Vorsitzender des vor vier Jahren gegründeten Vereins für Walsheimer Brauerei- und Dorfgeschichte freute sich, dass den Tag über mehr als 50 Besucher aus Teilen des Saarlandes, aber auch der Westpfalz die Kreuzgewölbe, aber auch die Ausstellung - eigens für den Tag aufgebaut - bewunderten. Clivot führte die Gäste zu zwei Terminen, wobei auch eine kleine Exkursion in die Umgebung des Kellers enthalten war. Sie erfuhren dabei, dass die Walsheim-Brauerei AG 1948 ihren Betrieb aufgenommen habe und danach schnell zu einem expandierenden Unternehmen avancierte. Sie erwarb sich weltweit einen guten Ruf mit ihrem Produkt aus Wasser und Gerste . In den 1930er Jahren verließen jährlich 240 000 Hektoliter Bier die Braustätte. Ausgeschenkt wurde es in Amerika, Südamerika, in Madagaskar, Paris und in den französischen Kolonien . Von Vereinsmitgliedern, aber auch vom exponierten Brauereigeschichtskenner Heinz Höfler zusammengetragene Dokumente sind auf mehr als 37 Bildwänden "verewigt". Während der Öffnungszeit schenkte Stefan Raffel, Walsheimer Brauer bei der Karlsberg Brauerei , sein in der eigenen Hausbrauerei selbst hergestellten Bier aus. Dabei konnten die Gäste zwischen dem hellen Glüx-Pils und dem dunklen Walsheim-Ator wählen.

Die Brauerei-Ausstellung ist während der ausstehenden Konzerte von "Musik und Kultur im Braueiereikeller" am Freitag, 18. Und Samstag, 19. September, jeweils ab 19.30 Uhr, zu sehen.

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HintergrundSeit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bundesweit den Tag des offenen Denkmals bundesweit. Die Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Sie setzt sich mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit und der Bereitstellung finanzieller Mittel seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmale in Deutschland ein. Seitdem konnte sie mit mehr als 570 Millionen Euro über 4700 Denkmale vor dem Verfall retten helfen. ott