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Völkerverständigung beginnt im Kleinen

Herbitzheim. Herbitzheim gibt es zweimal: Einmal im Saarland, einmal jenseits der Grenze im Elsass. Seit fünf Jahrzehnten sind die beiden Orte mit einer zunächst informellen, seit 1984 mit einer offiziellen Städtepartnerschaft verbunden. nob

Die Freundschaft zu Frankreich ist in Herbitzheim eine Herzensangelegenheit. Wie alle Orte in der Region hat auch dieses Dorf unter den schrecklichen Kriegen zwischen den beiden Nationen gelitten. Immer wieder mussten die Orte hier zwischen den beiden Staaten wechseln und damit auch mit den stetigen Veränderungen zurechtkommen. Seit über 70 Jahren können die Einwohner nun den Frieden genießen, zu dem zu einem nicht unerheblichen Teil auch die vielen Partnerschaften zwischen den Kommunen beigetragen haben. So gilt doch die Weisheit "nur wer sich kennt, kann sich auch verstehen".

Die Freundschaft zu Herbitzheim im Elsass hat ihren Ursprung in den sechziger Jahren. "Damals war der Kassierer unseres Gesangvereins im Elsass unterwegs", erinnert sich Ewald Weisang. Dort entdeckte er die Ortschaft Herbitzheim , die sich genauso schreibt, wie ihr saarländisches Pendant. Es folgte eine erste Einladung an die Franzosen, die dann an die Blies kamen. Das Treffen war anfangs schon etwas beklemmend - schließlich lag der Krieg erst 15 Jahre zurück. Einer der Teilnehmer aus dem Elsass, der für Deutschland kämpfen musste, war fünf Jahre in Gefangenschaft gewesen. Alles keine guten Voraussetzungen, um den Grundstein für die spätere Partnerschaft legen zu können: "Jeder war belastet durch die Geschichte." Doch im Laufe der Begegnung gingen die Menschen immer offener aufeinander zu und stellten viele Gemeinsamkeiten fest. Zu denen zählt sicher auch die Leidenschaft für gutes Essen.

Offiziell besiegelt und beurkundet wurde die Jumelage der beiden Orte im Jahr 1984. Die Freundschaft wird durch die Kontakte der Vereine untereinander und viele persönliche Bekanntschaften getragen, die über die fünf Jahrzehnte entstanden sind.

Regelmäßig werden die Franzosen zum Fest auf der Bliesinsel eingeladen. Aber auch Besuche zu Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten seien selbstverständlich. Die kurze Entfernung von gut 30 Kilometern sei hier ein großer Vorteil. Das letzte Treffen fand in Deutschland am 14. November vergangenen Jahres statt - einen Tag nach dem schrecklichen Terroranschlag in Paris.