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Steinbruch bleibt Streitthema

 Tief in die Erde graben sich die Bagger im Kalksteinbruch Rubenheim. Das Unternehmen möchte sich gerne vergrößern. Bei vielen Anwohnern stößt dies jedoch auf wenig Gegenliebe. Foto: Joachim Schickert
Tief in die Erde graben sich die Bagger im Kalksteinbruch Rubenheim. Das Unternehmen möchte sich gerne vergrößern. Bei vielen Anwohnern stößt dies jedoch auf wenig Gegenliebe. Foto: Joachim Schickert FOTO: Joachim Schickert
Rubenheim. Viele Bürger kritisieren die Erweiterung des Steinbruchs in Rubenheim. Lkw-Verkehr, Lärm und Staub seien eine Zumutung für Mensch und Natur. Inwiefern das zutrifft, soll das zurzeit laufende Prüfverfahren zeigen. Joachim Schickert

Das Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung der Firma Schmitt Kalksteinbruch GmbH & Co. KG auf dem Hanickel in Rubenheim soll Anfang August dieses Jahres abgeschlossen sein.

Wie das saarländische Innenministerium auf Anfrage erläuterte, sei das Verfahren innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach formaler Einleitung abzuschließen. Wie mehrfach berichtet, plant der Firmenchef der Naturprodukte Rubenheim (Napru), Oliver Schmitt, die Erweiterung des Kalksteinbruchs im Bereich des Hanickels in Rubenheim um rund 27,1 Hektar. Die geplante Erweiterung schließt sich an die bereits genehmigte Erweiterung in einer Größenordnung von sieben Hektar an.

Wie das Saarbrücker Ministerium weiter erläutert, sei für das geplante Vorhaben aufgrund seiner Größe und Lage ein Zielabweichungsverfahren und ein Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Beide Verfahren würden miteinander verknüpft. Im Rahmen des Zielabweichungsverfahrens sei zu prüfen, ob eine Abweichung von den betroffenen Zielen der Raumordnung - hier: Vorranggebiet für Landwirtschaft, Vorranggebiet für Grundwasserschutz und Vorranggebiet für Naturschutz - "unter raumordnerischen Gesichtspunkten vertretbar ist und ob der Landesentwicklungsplan, Teilabschnitt Umwelt, durch die konkret vorliegende Abweichungsabsicht in seinen Grundzügen nicht berührt wird". Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung werde die grundsätzliche Raum- und Umweltverträglichkeit des geplanten Vorhabens nach dem derzeitigen Planungsstand geprüft. Es würden die "raumbedeutsamen Auswirkungen" des Vorhabens auf die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Verhältnisse geprüft. Dazu gehörten beispielsweise die Auswirkungen auf Wirtschaftsstruktur und den Arbeitsmarkt, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und Verkehrsinfrastruktur. "Die Folgen für die Umwelt, das heißt für Mensch, Boden, Flora, Fauna, Wasser, Luft, Klima, Landschaft, Kultur- und sonstige Sachgüter werden im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung betrachtet", so das Innenministerium. Die eigentliche Genehmigung des Vorhabens falle in die Zuständigkeit des nachfolgenden Genehmigungsverfahrens nach Bundes-Immissionsschutzgesetz. Zuständige Behörde sei das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA).



Wie mehrfach berichtet, kritisieren Bürgerinitiativen in Erfweiler-Ehlingen und Wolfersheim unter anderem den Schwerlastverkehr , Lärm und Staub. Erfweilers Ortsvorsteher Michael Abel weist darauf hin, dass seine Bürger bei einer Erweiterung noch rund zwei Jahrzehnte mit dem enormen Schwerlastverkehr leben müssten. Außerdem sei der Plan nicht mit dem Biosphärengedanken verträglich. Das Abbaugebiet sei von Natur- und Umweltschutzgebieten umgeben, eine Kernzone der Biosphäre schließe sich an.

Die Wolfersheimer Bürgerinitiative gegen den Kalkschotter-Tagebau spricht von einer "schädigenden Wirkung" des Steinbruchs auf Mensch und Natur. Sie sieht darin eine Unvereinbarkeit mit dem nachhaltigen Wirtschaften, eine Zerstörung der Infrastruktur sowie eine Einschränkung der Lebensqualität. Firmenchef Oliver Schmitt zeigte sich bereits vor Wochen gegenüber unserer Zeitung zuversichtlich, dass die Erweiterung genehmigt wird. Die Auflagen und die Kosten für die Erweiterung seien sehr hoch.

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Hintergrund Der Steinbruch in Rubenheim wird seit 2009 von Oliver Schmitt und Mitarbeitern betrieben. Zuvor war der Steinbruch von der Firma Vogelgesang bewirtschaftet worden. Die Napru hat eine Abbaugenehmigung von derzeit zehn Hektar, sie soll um 27 Hektar erweitert werden. Die Firma ist größter Gewerbesteuerzahler der Gemeinde Gersheim. Gegner des Steinbruchs verweisen unter anderem auf starken Schwerlastverkehr sowie Lärm- und Staubemissionen auf dem Hanickel. Hunderte von Stellungnahmen gegen die geplante Erweiterung wurden eingereicht. ert