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Dieses Lokal gibt es schon seit Jahrzehnten
Seit 40 Jahren treffen sich die Gäste bei Wirtin Martina in Gersheim

 In geselliger Runde feierte Martina Wentz (Vierte von links) mit ihrem Lebenspartner Wolfgang Braun (rechts) den 40. Jahrestag der Eröffnung des Gersheimer Landhauses.
In geselliger Runde feierte Martina Wentz (Vierte von links) mit ihrem Lebenspartner Wolfgang Braun (rechts) den 40. Jahrestag der Eröffnung des Gersheimer Landhauses. FOTO: Wolfgang Degott
Gersheim. Eine Institution feierte Jubiläum mit ihren Gästen. Die Familie Wentz führt seit 40 Jahren das Gersheimer Landhaus in der Bahnhofstraße. Martina Wentz ist eine der dienstältesten Wirtinnen der Region und das mit Passion. Von Wolfgang Degott

„Um eine Gaststätte erfolgreich zu führen muss das mit Leidenschaft passieren“. Eigentlich hatte sie ganz andere Lebenspläne, war Programmiererin, entstammte der Datenverarbeitung, als ihr Mann Winfried mit ihr beschloss, das altehrwürdige Gasthaus der Familie Schuwer zu kaufen, bei dem damals die Familie Laudenklos aus ihrem Mietvertrag ausstieg. „Ich habe es meinem Mann zuliebe getan, der eine Metzgerei eröffnen wollte, jedoch noch eine Gaststätte dazu bekam“, erinnert sich Martina Wentz. Doch auch danach änderte sich der Lebensweg.

Ihr Mann starb nach vier Jahren, das Haus war nicht schuldenfrei, drei Töchter waren zu versorgen. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Sie hatte jedoch schon einen Grundstock geschaffen. Das Umfeld machte es ihr damals leicht. So freut sie sich noch heute, dass sie „von der Gemeinde getragen“ wurde, die Vereine sich oft in den Räumlichkeiten, der Gaststätte und den beiden Nebenzimmern aufhielten, ihre Sitzungen abhielten. Der ehemalige Ortsvorsteher Werner Höfler ermunterte sie auch: „Martina mach’ weiter, wir stehen hinter dir“. In der „Wirtschaft“ pulsierte damals das Leben. „Es war ein Höllenbetrieb, es war viel los“, erzählt die passionierte Wirtsfrau. Auch ihr neuer Lebensgefährte Wolfgang Braun hielt zu ihr, unterstützt sie bis heute insbesondere mit handwerklichen Arbeiten, baute das Haus um. Gleichzeitig verfolgte sie ihre Philosophie geradlinig und mit Nachdruck. „Ich wollte immer ein Lokal betreiben, in dem sich Familien mit Kindern wohl fühlen, das nicht zu teuer ist und der ländlichen Umgebung entspricht.“

So hebt sie hervor, dass ein Haus nur überleben könne, wenn es von Anfang bis Ende eine Linie hat. Daraus folgernd war auch die Bezeichnung „Gersheimer Landhaus“ kein Zufall, vielmehr eine Botschaft. Sie hatte den Namen ganz bewusst ausgesucht, weil sie die Verbundenheit zu ihrem Heimatdorf suchte, das sie in einem guten Licht erscheinen lassen wollte. Gäste sollten sich wohl fühlen und zu Hause erzählen, dass sie in Gersheim gewesen und dass alles in Ordnung gewesen sei.



Aus den umliegenden Dörfern zählte das Landhaus viele Gäste und das den ganzen Tag über. Teilweise hatten sie schon frühe Termine bei den Ärzten und wollten danach in der Gaststube ihre erste Mahlzeit zu sich nehmen. Deshalb erwirkte die Wirtin bei der Gemeinde, dass auf den damals noch vorgeschriebenen Ruhetag verzichten dürfe. Zeitweise war die Gaststube auch voll von Schülern, die tagtäglich in den Räumen die Wartezeit auf den Bus nach Hause überbrückten.

„Mir ist es noch nie primär ums Geld gegangen, sondern darum dass sich Gäste wohl fühlen“, sagt Martina Wentz, die heute noch fast täglich „ihren Mann“ in der Küche steht und die Speisekarte für die durchweg gutbürgerlichen Gerichte festklopft.

Dass sich die Gewohnheiten der Menschen in den Jahrzehnten gravierend verändert haben, die Besucherzahlen merklich zurückgegangen sind, das macht sie vor allem am geänderten Freizeitverhalten fest. Auch neue Schichtmodelle oder auch die Änderungen beim Lotto hätte dazu geführt, dass die Gaststätte nicht mehr allgemein als Treffpunkt diene. Seien vor Jahren noch Durstige beispielsweise nach der Mittagschicht zu einem Feierabendbier gekommen, hätten sich Rentner schon früh morgens zum Frühschoppen getroffen, so seien es heute vielmehr Einzelpersonen, die am Tresen noch das Gespräch mit der Wirtin suchten. Stolz ist sie aber auch auf ihre Stammkundschaft. „Wir haben heute noch viele, die uns schon seit Anbeginn die Treue halten.“ So hat sie mit ihnen nochmal zünftig „den runden Wirtschaftsgeburtstag“ bei Freibier und guten Gesprächen gefeiert. Doch so langsam will „es Martina“, wie sie in Gersheim liebevoll genannt wird, auslaufen lassen. Das Anwesen stehe zum Verkauf. Bis spätestens Weihnachten sei „die Tür zugesperrt“. Dann will sie auch öfter mal in den Norden – in ihr „geliebtes“ Husum „die graue Stadt am Meer“.