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Abkochen in Teilen Gersheims geboten
Gersheim: So steht es um das Trinkwasser

 Am Hochbehälter Walsheim wurden coliforme Keime festgestellt, vor Ort informierte sich Stadtwerke-Chef Bernhard Wendel am Freitag.
Am Hochbehälter Walsheim wurden coliforme Keime festgestellt, vor Ort informierte sich Stadtwerke-Chef Bernhard Wendel am Freitag. FOTO: Hans Hurth
Gersheim. In Gersheim, Walsheim, Niedergailbach und Reinheim muss wegen einer Verunreinigung das Trinkwasser abgekocht werden. Der Stadtwerke-Chef nannte am Freitag weitere Details zu dem Keim, der in einem Hochbehälter festgestellt worden ist. Von Hans Hurth

Derzeit ist das Trinkwasser im Bereich der Gemeinde Gersheim mit den Ortsteilen Gersheim, Walsheim, Niedergailbach und Reinheim mikrobiologisch verunreinigt (wir berichteten). „In Trinkwasserproben wurden coliforme Keime festgestellt. Durch die hohen Anforderungen an die Trinkwasserqualität sind wir angehalten, die Bevölkerung darüber zu informieren“, erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung am Freitag Stadtwerke-Chef Bernhard Wendel. Die Ursache der Verunreinigung sei vermutlich das Eindringen von Oberflächenwasser in eine Kammer des Hochbehälters aufgrund des starken Regens gewesen. „Diese ist bereits außer Betrieb genommen“, so Wendel. Zur Wiederherstellung der Trinkwasserqualität seien in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bereits umfangreiche Rohrnetzspülungen und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. „Auch engmaschige bakteriologische Kontrollen erfolgen“, so der Stadtwerke-Chef. Die erste Probe ist nach seinen Angaben keimfrei ausgefallen, zwei weitere Probe müssten aber noch folgen.

Um Gefahren für die Gesundheit auszuschließen, werden die Bewohner von Gersheim, Walsheim, Niedergailbach und Reinheim gebeten, das Wasser sprudelnd kochen zu lassen. Dies gilt unter anderem für die Zubereitung von Nahrung, insbesondere für Säuglinge, Kleinkinder, Alte und Kranke, das Abwaschen von Salaten, Gemüse und Obst, beim Zähneputzen oder medizinischen Zwecke (etwa Reinigung von Wunden oder Nasenspülung). Das gekochte und soweit wie nötig abgekühlte Leitungswasser kann wie bisher verwendet werden. Die Abkochvorschrift gilt voraussichtlich noch bis zum kommenden Dienstag.

„An unser Trinkwasser stellen die Stadtwerke und der Gesetzgeber hohe Anforderungen“, betont Bernhard Wendel. Diese Anforderungen seien zum Beispiel deutlich höher als bei der Mineral- und Tafelwasserverordnung. „Wir überwachen in regelmäßigen Abständen die Trinkwasserqualität mit chemischen wie auch mikrobiologischen Untersuchungen. In der gesetzlichen Trinkwasserverordnung sind Grenzwerte vorgegeben, die einzuhalten sind“, sagte der Stadtwerke-Chef weiter. Das Trinkwasser müsse „rein und genusstauglich“ sein. Der vorgegebene Grenzwert bei bestimmten Keimen läge bei null pro 100 Milliliter und werde durch die Gesundheitsämter streng überwacht.



Bei einer mikrobiologischen Kontrolluntersuchung am Hochbehälter Walsheim seien coliforme Keime in geringer Anzahl, von 11 Keimen pro 100 Milliliter Trinkwasser, festgestellt worden. Ein sehr niedriger Wert, jedoch nicht die nach der Trinkwasserverordnung geforderten null Keime. Somit seien die Stadtwerke verpflichtet gewesen, die Bevölkerung zu informieren und Handlungsempfehlungen herauszugeben, damit die Kunden wissen wie sie in dieser Situation umgehen können. Darin enthalten war auch die „Abkochempfehlung“. Die betroffene Kammer im Hochbehälter bei Walsheim wurde sofort aus dem Netz geholt und stillgelegt.

Der analysierte Keim Serratia marcenscens komme überall im Boden, Wasser, auf Tieren und Pflanzen vor und ist normalerweise unbedenklich. Eine Infektion kann aus der Umgebung, aber auch von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt, Tröpfcheninfektion oder medizinisches Personal erfolgen. „Bei gesunden, immunkompetenten Menschen führt der Kontakt mit dem Erreger üblicherweise nicht zur Entstehung einer Krankheit“, so der Geschäftsführer der Stadtwerke. Bei immungeschwächten Personen können Krankheiten wie etwa Harnwegentzündungen oder Sepsis in etwa zwei Prozent der Fälle hierdurch verursacht werden. Eine Übertragung sei normalerweise nicht möglich.

„Mit Keimen kommen wir täglich in Kontakt. Unsere Hände werden ständig von Keimen oder Bakterien besiedelt, welche nicht einmal durch schnelles Waschen entfernt werden können. Auch Getränke und Lebensmittel sind nicht keimfrei. Keime sind Bestandteil unseres Lebens, wir leben ständig mit den unterschiedlichsten Keimen und Bakterien und werden trotzdem nicht krank. Keime sind Bestandteil unseres Lebens“, unterstrich Wendel beim Vor-Ort-Termin..

Bei Fragen stehen die Stadtwerke Bliestal jederzeit unter Tel. (06842) 92 02-0 oder www.stadtwerke-bliestal.de zur Verfügung.