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Im Kalksteinbruch liegt Zündstoff

 Napru-Chef Oliver Schmitt auf seinem Steinbruchgelände auf dem Rubenheimer Hanickel. Er will das Abbaugebiet von zehn auf 37 Hektar ausdehnen. Im Hintergrund (gelb) ein Teil der vorgesehenen Erweiterungsfläche. Fotos: Joachim Schickert
Napru-Chef Oliver Schmitt auf seinem Steinbruchgelände auf dem Rubenheimer Hanickel. Er will das Abbaugebiet von zehn auf 37 Hektar ausdehnen. Im Hintergrund (gelb) ein Teil der vorgesehenen Erweiterungsfläche. Fotos: Joachim Schickert
Rubenheim. Die geplante Erweiterung des Kalksteintageabbaus in Rubenheim sorgt derzeit für reichlich Gesprächsstoff. Während sich die Gemeinde Gersheim dafür ausspricht, sieht man die Sache in Mandelbachtal eher kritisch. Joachim Schickert,Erich Schwarz (Merkur)

Viele Bürger nutzen derzeit die Möglichkeit, im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zu dem Vorhaben, den Kalksteinabbau in Rubenheim zu erweitern, Stellung zu nehmen. Deshalb gibt es seit einigen Wochen viele Diskussionen, insbesondere in Mandelbachtal. Seit Jahren steht der Unternehmer Oliver Schmitt mit seiner Firma Napru (Naturprodukte Rubenheim ) in der Kritik. Es haben sich Bürgerinitiativen in Erfweiler-Ehlingen und Wolfersheim gegründet, und es gab diverse Informationsveranstaltungen.

Unterschiedliche Ansichten

Derzeit geht es um das laufende Raumordnungs- und Zielabweichungsverfahren. Hintergrund ist, dass Schmitt den Steinbruch von zehn auf 37 Hektar erweitern möchte. Und die "Kampflinien" verlaufen durchaus sehr unterschiedlich: Während sich die Ortsräte von Erfweiler-Ehlingen und Wolfersheim eindeutig gegen die Erweiterung aussprachen, hatte der Rubenheimer Ortsrat parteiübergreifend keine Einwände gegen die Erweiterung. Auch der Gemeinderat Gersheim hat sich positiv zur Ausweitung des Abbaus ausgesprochen, der Gemeinderat Mandelbachtal lehnte die Erweiterung ab. Kritiker befürchten unter anderem eine noch stärkere Verkehrsbelastung durch Lkw, insbesondere in Mandelbachtal, sowie Lärm- und Staubemissionen auf dem Hanickel. SPD-Gemeinderatsmitglied und Ortsvorsteher von Erfweiler-Ehlingen, Michael Abel, betonte, dass die Erfweiler-Ehlinger bei einer Erweiterung noch rund zwei Jahrzehnte mit dem enormen Schwerlastverkehr leben müssen. "Und das in einem Dorf, das erst kürzlich auf Landesebene die Goldmedaille im Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft' erreicht hat." Außerdem sei die Erweiterung nicht mit dem Biosphärengedanken verträglich. Man sorge sich um Fauna und Flora. Eine im März 2014 durch den Ortsrat Wolfersheim im Ort durchgeführte Befragung habe ergeben, dass sich 98,5 Prozent gegen eine Erweiterung ausgesprochen haben. Die Wolfersheimer Bürgerinitiative gegen den Kalkschotter-Tagebau hatte schon mehrfach öffentlich über die Auswirkungen des Steinbruch-Abbaus auf Mensch und Natur diskutiert und seine "schädigende Wirkung dargestellt". Hierbei seien unter anderem "die Unvereinbarkeit mit dem nachhaltigen Wirtschaften als Entwicklungsziel der Region, die Staub- und Lärmbelastung, der Lkw-Verkehr, die Zerstörung der Infrastruktur, die Einschränkung der Lebensqualität sowie die Umweltzerstörung und die Eingriffe in das Landschaftsbild hervorgehoben worden", so die Initiative.

Unternehmer Oliver Schmitt gibt sich derweil zuversichtlich, dass die Erweiterung nach dem Anhörungsverfahren in einigen Monaten genehmigt wird. "Ich habe zu Beginn alles abgewogen und auch fachlich überprüft. Es gibt eigentlich keinen Grund, die Erweiterung nicht zu genehmigen", ist der promovierte Ingenieur überzeugt. Er habe für die Gutachten, die er im saarländischen Innenministerium, das über die Erweiterung letztlich entscheidet, vorlegen muss, bereits viel Geld investiert, "da käme schon ein kleines Einfamilienhaus zusammen". Er gibt zu, dass ihm die Anfeindungen auch anfänglich sehr zu schaffen machten.

Ärger über Politiker

Aber zugleich sieht er es als ein wichtiges und unverzichtbares Merkmal der demokratischen Grundordnung an, dass es auch durchaus gegensätzliche Meinungen zu einem Sachverhalt gibt: "Aber man sollte sich an Argumente und Tatsachen halten", unterstreicht der Unternehmer . Er kann durchaus nachvollziehen, dass man sich etwa in Erfweiler auf eine höhere Verkehrsbelastung durch Lkw einstellen musste: "Aber dann werden übertrieben falsche Zahlen in den Raum gestellt. Zudem bin ich durchaus bereit, auch an Abhilfen mitzuwirken". Die Auflagen für die Erweiterung seien sehr hoch. "Und wenn man dann nicht mehr weiter weiß, unterstellt man, die vereidigten Gutachter seien nicht neutral, seien sozusagen gekauft". Auch ärgert er sich, dass man ihm seitens einiger Kommunalpolitiker die unternehmerische Seriosität und Zuverlässigkeit abgesprochen habe. "Wir haben bewiesen und beweisen es in laufenden Projekten auch weiterhin, dass wir ein sehr verantwortungsbewusstes Unternehmen sind", so Oliver Schmitt abschließend.



Zum Thema:

Auf einen BlickDer Steinbruch der Firma Napru im Gersheimer Ortsteil Rubenheim auf dem Hanickel wird seit 2009 von Oliver Schmitt und seinen Mitarbeitern betrieben. Zuvor war der Steinbruch von der Firma Vogelgesang bewirtschaftet worden. Die Napru hat eine Abbaugenehmigung von derzeit zehn Hektar, sie soll um 27 Hektar erweitert werden. Im Steinbruch sind nach Angaben von Napru 17 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma ist der größte Gewerbesteuerzahler der Gemeinde Gersheim. Gegner des Steinbruchs verweisen unter anderem auf starken Schwerlastverkehr sowie Lärm- und Staubemissionen auf dem Hanickel. In Zusammenhang mit dem Zielabweichungs- und Raumordnungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung zur Erweiterung des Kalksteinbruchs übergibt am heutigen Freitag die Interessengemeinschaft Erfweiler-Ehlingen gegen Schwerlastverkehr 500 schriftliche Stellungnahmen von Bürgern an den Bürgermeister Gerd Tussing . ers/ert