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Interview mit Alexander Rubeck
„Ich gebe mein Bestes in stürmischen Zeiten“

Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck.
Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck. FOTO: Wolfgang Degott
Der CDU-Bürgermeister der Gemeinde Gersheim zieht Bilanz und blickt auf das gerade begonnene Jahr 2018. Von Joachim Schickert

Herr Bürgermeister Rubeck, was war das wichtigste Ereignis für Sie im Jahr 2017?

RUBECK Wichtig waren die beiden Wahlen. Ich freue mich, dass sich die Saarländer so deutlich für Stabilität unter Führung von Annegret Kramp-Karrenbauer entschieden haben. Bei der Bundestagswahl hätte ich mir allerdings ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht. Nachdem sich schon die FDP als wankelmütig erwiesen hat, liegt der Ball nun bei der SPD im Feld. Wir brauchen jetzt schnell eine stabile Regierung.

Was lief 2017 in der Kommune gut, was war nicht so gelungen?



RUBECK Unsere finanzielle Lage bleibt schwierig. Das Jahr 2017 war von mühsamen Diskussionen und Sparbeschlüssen geprägt. Wir haben jetzt den landesweit höchsten Steuersatz bei der Grundsteuer. Wie wir die finanziellen Auflagen der Kommunalaufsichtsbehörde für die nächsten Jahre schultern sollen, ist mir ein Rätsel. Unsere verbleibenden Sparmöglichkeiten sind minimal, wir haben praktisch alles ausgeschöpft, es sei denn, man glaubt, sämtliche öffentlichen Einrichtungen zerschlagen zu müssen. Das ist mit mir nicht zu machen! Auch unsere kleinen Dörfer haben ein Existenzrecht und auch kleine Dorfgemeinschaften brauchen ein Minimum an öffentlicher Infrastruktur. Gleichzeitig steigen aber die gesetzlichen Anforderungen und auch die gesellschaftlichen Ansprüche weiter an. Ein Beispiel dafür ist der Neubau des Kindergartens in Reinheim. Der Altbau, den wir von der katholischen Kirche übernommen hatten, wurde den Anforderungen an einen modernen Kindergarten-Betrieb nicht mehr gerecht. Deshalb mussten wir neu bauen und ich finde: Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Durch diesen Neubau und die umfangreichen Umbauarbeiten am Kindergarten in Peppenkum stehen wir jetzt im Saarpfalz-Kreis an der Spitze, was die Versorgung mit Krippenplätzen angeht. Ich freue mich, dass sich Haus Sonne neu aufstellen konnte. Nachdem diese für uns wichtige Behinderteneinrichtung, die gleichzeitig auch ein wichtiger Arbeitgeber ist, in eine Schieflage geraten war, war es eine gute Nachricht, dass sich der Gläubigerausschuss im April für die „Neue Haus Sonne gGmbH“ entschied, eine gemeinsame Gesellschaft der Lebenshilfe und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland. Damit steht die Einrichtung wieder auf gesunden Füßen.

Gab es für Sie bittere Enttäuschungen im abgelaufenen Jahr?

RUBECK Ich gehe nicht soweit, es als eine bittere Enttäuschung zu bezeichnen, aber dass die Karlsberg-Brauerei, die beim Radrennen Trofeo von Anbeginn an dabei war und als Hauptsponsor auch Namensgeber war, nun ausgestiegen ist, das ist nicht ein einfach zu verkraften. Mir ist es aber Mitte des Jahres gelungen, Innenminister Klaus Bouillon, den Landrat des Saarpfalz-Kreises und alle Bürgermeister der anderen beteiligten Kommunen Neunkirchen, Homburg, Blieskastel und Mandelbachtal an einen Tisch zu kriegen, um die Organisation der Trofeo, immerhin das einzige Junioren-Weltcup-Radrennen in Deutschland, auf eine breitere Basis zu stellen. Wir haben uns auf eine gemeinsame Erklärung verständigt, die von allen unterzeichnet wurde und die nun die Grundlage für eine Neustrukturierung des Rennens ist.

Wagen wir einen Blick ins neue Jahr. Was sind wichtige Weichenstellungen 2018?

RUBECK In diesem Jahr wird der Breitbandausbau in unserer Gemeinde weiter vorangehen. Schnelles Internet ist heutzutage für die Bürger ein Stück Lebensqualität und für Unternehmer geschäftlich wichtig, in manchen Fällen sogar existentiell wichtig. 2018 wird die Telekom in den Ortsteilen Medelsheim und Gersheim Glasfaserkabel verbauen. Nach dem Glasfaserausbau durch das saarländische Telekommunikationsunternehmen inexio in den Jahren 2015 und 2016 in anderen Ortsteilen, bedeutet dies, dass ab 2019 fast alle Gersheimer Dörfer mit schnellem Internet versorgt sein werden. Im Januar wird außerdem die neue Rettungswache in Gersheim offiziell in Dienst gestellt, das ist für uns ebenfalls ein wichtiger Baustein in der Infrastruktur und für die Versorgung unserer Bevölkerung. Darüber hinaus führen wir derzeit Gespräche mit dem Deutschen Roten Kreuz zu Überlegungen, direkt neben der neuen Rettungswache eine Art Begegnungszentrum zu errichten.

Wenn Sie einen Wunsch für die Gemeinde Gersheim frei hätten, was wäre das?

RUBECK Dann wäre mein Wunsch, dass mich die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde auch weiter in meiner Arbeit unterstützen. Wir haben stürmische Zeiten, aber ich gebe mein Bestes, unsere Gemeinde auf Kurs zu halten. Und trotz der schwierigen Zeiten, mache ich nach acht Jahren im Amt meine Arbeit als Bürgermeister immer noch gerne. Auch weil ich weiß, Lebensqualität lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Bei uns lebt es sich einfach gut. Vielleicht gerade weil die Gemeinde nicht alles leisten kann, was eine reichere Kommune kann, gehen von den Dorfgemeinschaften viele positive Impulse aus. Das motiviert und zeigt: Auch kleine Gemeinden sind lebenswert und haben ihre Existenzberechtigung. Das sollten sich mal ein paar Leute hinter die Ohren schreiben, die ständig von Gebietsreformen schwafeln.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2018?

RUBECK Dass es meiner Familie gut geht, vor allem meinen beiden kleinen Töchtern, und ich so viel Zeit für sie habe, wie sie sich wünschen. Familie ist wichtig!

Die Fragen stellte
Joachim Schickert