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Gersheim
Gerd Litzenburger will der Chef werden

 Gerd Litzenburger (AfD) möchte als Bürgermeister den „Filz“ im Gersheimer Rathaus bekämpfen.
Gerd Litzenburger (AfD) möchte als Bürgermeister den „Filz“ im Gersheimer Rathaus bekämpfen. FOTO: Erich Schwarz
Gersheim. Der AfD-Politiker war Oberstabsbootsmann bei der Bundesmarine. Jetzt will er in der Gemeinde Gersheim Bürgermeister werden. Von Erich Schwarz

Samstagmorgen: Vor einer Bäckereifiliale in Reinheim ist der Infostand der Alternative für Deutschland (AfD) aufgebaut. Am Stand stehen Hans Jank und Lutz Hecker zusammen mit Gerd Litzenburger. Die Stimmung ist gut, der Landtagsabgeordnete Hecker hat gerade Kaffee in der Bäckerei besorgt. Man grüßt die Kunden in der Bäckerei, auch die Kunden selbst grüßen zurück („Gemorje ihr Männer“). „Nein, hier im Dorf gibt es keine Anfeindungen, auch unsere Plakate wurden noch nicht zerstört“, erläutert Lutz Hecker. Im Zentrum aber steht Gerd Litzenburger. Der 1956 in Bliesdalheim geborene frühere Marinesoldat bewirbt sich für das Bürgermeisteramt im Gersheimer Rathaus.

Der AfD-Politiker war Oberstabsbootsmann bei der Bundesmarine an verschiedenen Standorten, unter anderem in Wilhelmshafen, Flensburg und Kiel. Nach seiner Marinezeit ließ sich Litzenburger zum Feuerwerker EOD, so die genaue Berufsbezeichnung, ausbilden. Damit ist man Spezialist für den Kampfmittelräumdienst, wobei Litzenburger in Bremen auch stellvertretender Leiter dieser Behörde war. Zudem hatte er Einsätze für die OSZE in Osteuropa, Afrika und Asien als Spezialist für Munition des ehemaligen Warschauer Paktes. Denn Litzenburger ist auch Sprengmeister und Einsatzleiter für Über- und Unterwassersprengungen. Zur Politik und zur AfD kam Litzenburger wegen des nach seiner Meinung ausufernden Hochwasserschutzes. Die AfD sei die einzige Partei, die diesen „übertriebenen Hochwasserschutz“ nicht mitmache und dies auch explizit ins Programm aufgenommen habe. Litzenburger beklagt unter anderem, dass durch den ausgedehnten Hochwasserschutz Häuser und Grundstücke extrem an Wert verlieren, und im Gegenzug die Versicherungen teurer würden. Wenn er, ohne Rücksicht auf finanzielle Gegebenheiten und politische Machtverhältnisse, im Rathaus als Bürgermeister regieren könnte, würde er sofort etwas gegen diesen übertriebenen Hochwasserschutz tun. Man treibe alte Leute mit schmaler Rente in den Ruin, wenn diese etwa nach den Richtlinien des Hochwasserschutzes ihre Heizung umrüsten müssten: „Und dies für ein angenommenes Hochwasser in tausend Jahren“, ärgert sich der Bliesdalheimer. „Durch die Ausweisung der Hochwasserschutzgebiete haben viele Bürger massive Wertverluste an ihren Grundstücken hinnehmen müssen. Hier muss die Gemeinde entgegenwirken“, ist er überzeugt. Außerdem wolle er den „CDU-Filz“ im Rathaus aufbrechen: „Ohne CDU-Parteibuch hat man im Gersheimer Rathaus keine Chance, eine Stelle zu bekommen“, beklagt der frühere Marinesoldat.

Auch die Senkung von Gewerbe- und Grundsteuern sei ein Punkt aus seinem Programm (siehe Info-Kasten). Zudem möchte der AfD-Politiker erreichen, dass in Gersheim das Gemeindeblatt kostenlos verteilt wird. Litzenburger hat zwei Söhne und inzwischen zwei Enkelkinder. Die Söhne wohnen zwar im Norden der Republik, aber man besuche sich öfters gegenseitig. Als Hobby nennt Litzenburger spontan erneut den Hochwasserschutz. Aber er gehe auch gern mit den beiden „Mopsmädels“ Gassi, „denn wir leben ja hier in einer sehr schönen Gegend“, wie er betont. Außerdem lese er sehr gern, aber momentan sei bedingt durch das politische Engagement die Freizeit sehr knapp. Wie ist das Verhältnis zum politischen Gegner, nur einen Steinwurf weit entfernt baut die CDU gerade ihre Zelt für das Reinheimer Bürgerfest auf? „Hier auf dem Land ist das kein Problem, wir haben untereinander ein sehr unverkrampftes Verhältnis“, bestätigt auch Lutz Hecker.