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Stätte des Friedens
Seit uralter Zeit „Lieblingsgebetsstätte“

 Die Marienkapelle am Ortsausgang Niedergailbach Richtung Reinheim mit dem Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Sie wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vor 50 Jahren wieder eingeweiht, nachdem sie umfangreich aufgebaut und renoviert worden war.
Die Marienkapelle am Ortsausgang Niedergailbach Richtung Reinheim mit dem Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege. Sie wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vor 50 Jahren wieder eingeweiht, nachdem sie umfangreich aufgebaut und renoviert worden war. FOTO: Wolfgang Degott
Niedergailbach. Marienkapelle mit Statue der Madonna von Stalingrad wurde vor 50 Jahren wieder eingeweiht.

Vor einem halben Jahrhundert, am 4. Mai 1969, wurde die damals frisch renovierte Marienkapelle der Pfarrei Bruder Klaus Niedergailbach durch Domkapitular Prälat Bruno Tiebes, in Vertretung des Speyerer Bischof Isidor Markus Emanuel, eingeweiht. Gleichzeitig erfolgte die Weihe einer Statue der Madonna von Stalingrad. Tiebes wünschte, dass die Marienkapelle zu einer Stätte des Friedens werden möge, nicht nur für die Pfarrei, sondern auch darüber hinaus für die großen Anliegen des Friedens in der Welt. Dazu wurde das das Gebetshaus als Friedenskapelle auch unter den Schutz der Stalingrad-Madonna gestellt.

In den Wintermonaten 1944/45 verlief bei Niedergailbach über vier Monate die Hauptkampflinie im Zweiten Weltkrieg, was auch dazu führte, dass der Ort größtenteils zerstört wurde. Dazu zählten auch die Pfarrkirche und das Pfarrhaus, die dem Erdboden gleich gemacht wurden, wie auch die Marienkapelle, die schwere Schäden erlitt. Sie ist eine alte Gebetsstätte. Aus einem Schreiben des Pfarrers Jakob Bernatz vom 2. Mai 1867 an das Bischöfliche Ordinariat in Speyer geht hervor, dass die Kapelle „seit uralter Zeit eine Lieblingsgebetsstätte der Niedergailbacher und der Einwohner der umliegenden Ortschaften“ gewesen sei. In alten Kirchenbüchern ist die Kapelle erstmals im Jahre 1816 aufgeführt. Dieses Datum, das offensichtlich nicht das Baujahr bedeutet, rührt vermutlich von einem Bildstock, der an gleicher Stelle einmal gestanden hat. Ab 1857 wurde sie umgebaut und vergrößert, erhielt ihre heutigen Ausmaße.

Durch die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Beschädigungen konnte die Kapelle fast ein Vierteljahrhundert nicht genutzt werden. Pfarrer Hugo Vogelgesang, am 10. Dezember 1967 in Niedergailbach installiert, initiierte die endgültige Renovierung der Kapelle. Durch beispielhafte Opferbereitschaft schuf die Dorfbevölkerung zunächst den finanziellen Grundstock für die Instandsetzungsarbeiten. Aber auch die Saarländische Landesregierung und das Bischöfliche Ordinariat leisteten finanzielle Unterstützung. Beim Kapellengebäude handelt es sich um einen einfachen, schlicht gehaltenen Saalbau mit einem dreiseitigen Schluss im Chorraum.



Mit der kunstvollen Holzplastik der Stalingrad-Madonna beherbergt das Haus jedoch ein außergewöhnliches Kleinod. Dieses Kunstwerk wurde von einem Oberammergauer Holzschnitzer geschaffen. Als Vorlage diente die Kohlezeichnung des evangelischen Pfarrers und Oberarztes Dr. Kurt Reuber, die dieser für Weihnachten 1942 in der Hölle des Kessels von Stalingrad auf der Rückseite einer russischen Landkarte für seine Kameraden gemalt hatte.

Neben der Madonna befinden sich seit sechs Jahren in der Kapelle sieben Plastiken, die die „sieben Schmerzen Mariens“ darstellen. Die aus dem pfälzischen Trulben stammende Künstlerin Agnes Späth hat das Kunstwerk aus Ton gefertigt und dem damaligen Gemeindepfarrer Günter Broy geschenkt, der sie zu seinem Abschied der Pfarrei übergab.