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Gersheim
Ein doppelter Grund zur Freude

 Die französischen Gäste überbrachten ein historisches Bild von Bazancourt und eine Skulptur als Geschenke zur Partnerschaftsfeier.
Die französischen Gäste überbrachten ein historisches Bild von Bazancourt und eine Skulptur als Geschenke zur Partnerschaftsfeier. FOTO: Wolfgang Degott
Gersheim. In Gersheim wurde 40 Jahre Schul- und 30 Jahre Gemeindepartnerschaft mit dem französischen Bazancourt gefeiert.

„Die Systeme wechseln, der Austausch bleibt“, so Günther Clemens, Leiter der Gemeinschaftsschule Gersheim zu Beginn der Matinée zum Doppeljubiläum in der mit rund 300 Gästen besetzten Aula und im Beisein seiner französischen Kollegin Monique Degowille, der Directrice des Collège Georges Charpak Bazancourt. Nachdem der Gersheimer Musikverein unter der Leitung von Björn Weinmann mit dem Bravourmarsch „Per aspera ad astra“ (durch das Raue zu den Sternen) von Ernst Urbach die Veranstaltung, moderiert von der Lehrerin Lisa Arauz, musikalisch eingestimmt hatte, feierten die beiden Schulen ihre 40-jährige Verbindung. Es war gleichzeitig der Abschluss der Austauschwoche, an der 53 französische Schüler aus der Gemeinde in der Champagne in 51 Gastfamilien untergebracht, abwechslungsreiche Tage erlebt hatten. Auch hatten die beiden Schulen ihr Austauschprogramm verlängert. Gefeiert wurde ein Doppeljubiläum, denn die Gemeinden Gersheim und Bazancourt hatten vor 30 Jahren ihre „Jumelage“ begründet. Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck erinnerte im Beisein des saarländischen Landtagspräsidenten Stephan Toscani an den Festakt in Verdun, als sein Vorvorgänger Siegfried Wack nach den einstimmigen Beschlüssen der beiden Gemeinderäte mit seinem damaligen französischen Pendant Michel Prevoteau im Rathaus von Verdun 1989 die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet hatte. Rubeck unterstrich, dass Europa mehr sei als die Europäische Union (EU). Es stehe für Wohlstand, Freiheit und Frieden. Laurent Marécheau, Beigeordneter der Gemeinde Bazancourt, der als 14-Jähriger selbst am ersten Austausch teilgenommen hatte, freute sich, dass innerhalb der „Verschwisterung“ viele anhaltende Freundschaften zwischen Familien entstanden seien.

Als Gastgeschenke überreichte er eine eigens angefertigte Metall-Skulptur und ein Bild, das Bazancourt aus der Zeit kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution zeigt. Roland Theis, saarländischer Europa-Staatssekretär, rief die großen europapolitischen Pläne des früheren französischen Außenministers Robert Schuman, einen der Gründungsväter des europäischen Einigungswerkes, in Erinnerung. Er betonte jedoch, dass insbesondere die deutsch-französische Freundschaft nicht auf den „Gipfeln der Politik“ sondern in den Klassenräumen der Schüleraustausche, in den Familien der Austauschschüler, bei den Begegnungen der Menschen aus beiden Ländern mit Leben erfüllt würden. „Wir erleben heute das beste Europa, in das Kinder jemals geboren wurden“, so Theis.

Auch als ehemalige Schülerin der Gesamtschule und Mitglied im Gersheimer Partnerschaftsverein, hob die saarländische Bildungsstaatssekretärin Christine Streichert-Clivot die vielen Menschen heraus, die zum Gelingen der Partnerschaft beitragen. Insbesondere Eltern und Partnerfamilien seien dabei wichtige Pfeiler. Die Schüler ermunterte sie auch nach der Schulzeit das „Feuer der Partnerschaft“ weiter zu tragen, die Möglichkeiten zu nutzen beispielsweise innerhalb von Förderprogrammen den Austausch mit Frankreich zu vertiefen. Siegrid Paltz, Vorsitzende des Gersheimer Partnerschaftsvereins, zeigte sich wie die Präsidentin des Comité du Jumelage, Annie-Paule Vaude, stolz auf die drei Jahrzehnte der Gemeinde-Partnerschaft, die vielen Jahrestreffen, gemeinsamen Unternehmungen und den verantwortungsvollen Umgang miteinander. Das unterhaltsame Begleitprogramm, in dem neben der 7er-bilingualen Klasse mit musikalischer Begleitung ihrer Lehrerin Norma Hofmann, die ehemalige Schülerin Jana Hess und ein deutsch-französischer Projektchor der Schule musikalische Akzente setzte, verfolgte auch Wolfgang Dauer, „Begründer“ der Schulpartnerschaft, ehemaliger Gersheimer Französisch-Lehrer. „Dass die Verbindung schon 40 Jahre hält ist wunderbar und es freut mich riesig.“ so Dauer.



Claude Faynot, damals Lehrer am Collège du Pré Breart in Bazancourt, habe ihn damals angesprochen. „Wir haben uns dann im Wohnzimmer besprochen“, erinnert er sich. „Es war eine schöne Zeit und wir haben viel gelacht. Seit meiner ersten Begegnung war ich von Gersheim begeistert. Wolfgang und ich haben die Austauschwochen immer gemeinsam vorbereitet“, so die Pädagogin Colette Bang Pallesen. Sie begleitet seit 35 Jahren als Französisch-Lehrerin am Collège in Bazancourt die Austauschwochen in beiden Kommunen. Sie war jetzt zum letzten Mal dabei.

(ott)