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Der Fastnachtsumzug in Reinheim platze fast aus allen Nähten
Mensch, war das eine fantastische Sause

 Tolle Stimmung und wieder unglaublich viele Besucher: Das war der Fastnachtsumzug 2020 in „Ochsenfurt“ Reinheim.
Tolle Stimmung und wieder unglaublich viele Besucher: Das war der Fastnachtsumzug 2020 in „Ochsenfurt“ Reinheim. FOTO: Erich Schwarz
Reinheim. Fastnachtsumzug in Reinheim mit Megabetrieb, herrlich kostümierten Fußgruppen und stimmungsgeladenen Zuschauern.  Von Erich Schwarz

Es ist ein klassisches närrisches Jubiläum: 5 x 11 Jahre läuft nun schon der Reinheimer Fastnachtsumzug. Und dies ist eine gigantische Leistung für den kleinen Ort an der Blies. Aber der Reinheimer Zug, früher auch Narrenschau genannt, ist nicht einfach einer von vielen Fastnachtsumzügen. Er ist ein Magnet für Zuschauer und gilt als einer der größten und schönsten Gaudiwürmer in der gesamten Region. Und da Reinheim sozusagen das letzte Dorf vor der nicht mehr existierenden Grenze zu Frankreich ist, sind sowohl unter den Aktiven wie auch bei den Zuschauern ganz viele Franzosen zu finden. Sie alle wissen, dass die „Ochsen“ aus Ochsenfurt zu feiern wissen und dass sowohl die Kostüme der vielen Fußgruppen wie auch Umzugswagen mit viele Liebe und Leidenschaft vorbereitet werden.

Insgesamt über 800 Aktive in fast 70 Gruppen stellten sich nahe der Grenzlandhalle bereit für den närrischen Lindwurm. Aber vor den Umzug haben die verantwortlichen Narren noch die alljährliche Ochsentaufe gesetzt. Und wer anderes als der neue Gersheimer Bürgermeister Michael Clivot (SPD) hätte in diesem Jahr die Taufe verdient gehabt. Aber man will es ja nicht übertreiben: „Wir haben den Ochsen jetzt für Michael nicht rot umgespritzt“, versicherte „Napoleon“ Jürgen Wack, einer der Organisatoren des Reinheimer Fastnachtsspektakels und Anführer der närrischen Massen. Also wurde der Ochse auf den Namen des Bürgermeisters (übrigens mit Sitz in der Hauptstadt der Gersheimer Esele), in diesem Jahr auf den Namen Michael getauft. Dazu gab es die fetzigen Klänge der Limbacher Guggemusik.

Und auf der Ehrentribüne hatten sich wieder viele illustre Gäste eingefunden, in diesem Jahr auch eine in der Landeshauptstadt residierende Frau: Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. Von der Ehrentribüne aus kommentierte erstmals bei einem Reinheimer Umzug Ruth Couturier den närrischen Lindwurm, wobei die ankommenden Gruppen und Wagen mit einem freudigen und vor allem lautstarken „Alleh hopp“ begrüßt wurden. Denn ab 14.11 Uhr gab es kein Halten mehr. Nun steppte nicht der Bär, sondern der Ochse, denn „wenn Reinum lacht, is Fasenacht“. Nun, die Sonne war offensichtlich nicht so sehr in Feierlaune, ihre Strahlen waren eher spärlich bis nicht vorhanden. Aber es hätte schlimmer kommen können. Und so gab es keinen Gedanken an eine wetterbedingte Absage. Und auch die Zuschauerzahlen waren spitze. „Wir haben auf dem derzeit gesperrten Radweg kurzerhand Gleise verlegen lassen, deshalb hat uns auch ein Sonderzug voll mit Zuschauern erreicht“, scherzte Jürgen Wack.



Und so gab – wie in den vielen Jahren zuvor – Manfred Rauch mit seinem Traktor-(Ochsen-)Gespann den Zuganführer, dicht gefolgt vom Ochsen- und Eselsdompteur Peter („Lollo“) Wack. Manfred Rauch führt den Zug übrigens schon 55 Jahre an. Dahinter dann die vielen Aktiven in meist sehr geschmack- und ebenso fantasievollen Kostümen. Da wird nichts gerade mal so zusammengestückelt, da wird jede Kostümidee bis ins kleinste Detail liebevoll umgesetzt.

Ob die Gelateria der AH-Fußballer, die Hexen, Panzerknacker oder Biester – alle waren wunderschön anzusehen und die Zuschauer am Wegesrand begeistert. Hexen waren übrigens aus dem pfälzischen Vinningen gekommen, und auch die Neunkircher Kasbruch-Hexen hatten sich auf den Weg nach Reinheim gemacht. „Wir wollen schon seit Jahren hierher kommen, weil uns immer wieder gesagt wurde, wie toll der Reinheimer Umzug ist und dass hier eine super Stimmung herrscht“, erzählte der Oberhexer und Zunftmeister der Neunkircher Hexen. In Reinheim ist dann nach dem Umzug vor dem Feiern: Man wusste es schon immer, die Nächte dort sind lang, auch wenn nach dem Umzug manch einem Akteur die ganz große Kondition (auch nach reichlich Hochprozentigem) zum Feiern abhanden gekommen sein dürfte. Aber vom Hasenheim bis zu Grenzlandhalle steppte dann jener berühmte Ochse, und alle Gäste von diesseits und jenseits der Grenze feierten gemeinsam, bis die Füße sie nicht mehr trugen. .

 Die „Gelateria“ der AH Reinheim war auch in diesem Jahr unterwegs und versorgte die Besucher mit Eis.
Die „Gelateria“ der AH Reinheim war auch in diesem Jahr unterwegs und versorgte die Besucher mit Eis. FOTO: Erich Schwarz
 Da floss sogar „Echt Kölnisch Wasser 4711“ beim großen Gaudiwurm.
Da floss sogar „Echt Kölnisch Wasser 4711“ beim großen Gaudiwurm. FOTO: Erich Schwarz