| 20:43 Uhr

Hier hält man es aus
Frühmorgens, wenn die Natur erwacht

 Die Jungstörche sind schon längst flügge. Hier üben sie fleißig das „Segeln“ für ihre erste Reise nach Afrika oder an die Mittelmeerküste.
Die Jungstörche sind schon längst flügge. Hier üben sie fleißig das „Segeln“ für ihre erste Reise nach Afrika oder an die Mittelmeerküste. FOTO: Walter Veith
Bliesbruck/Reinheim. Mit einem Hobbyfotografen im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Er kennt die hier heimische Tierwelt bestens. Von Michèle Hartmann

Am frühen Morgen ist kaum ein Mensch unterwegs. Die Sonne hat noch längst nicht all ihre Kraft entfaltet, sie nimmt gerade erst Anlauf. Also tief durchatmen, die frische Luft tut gut. Und dann kommt er schon um die Ecke: Walter Veith.

Seit der ehemalige Polizeibeamte im Ruhestand ist, hat er viel Zeit für sein großes Hobby: die Tierfotografie. Vornehmlich tummelt er sich mit Leidenschaft und entdeckungsfreudigem Tatendrang im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Und tatsächlich, hier gibt es mehr zu entdecken, als man gemeinhin glauben könnte. Wer mit dem 71-jährigen Veith unterwegs ist, hat quasi Sendepause. Braucht nicht zu reden, sondern nur zuzuhören. Und profitiert von dem großen Wissen, das der Mann an den Tag legt.

Vor allem, wenn es um die Vogelwelt geht. Und dabei in erster Linie um die im Kulturpark heimischen Störche. Wir haben Glück und treffen an diesem Morgen sowohl die Eltern als auch ihre vier Zöglinge an. „Jedem Storchenfreund lacht jetzt das Herz“, sagt der Pensionär, als er mit seiner schweren Kamera mit gewaltigem Objektiv aus weiter Entfernung die sich ihm bietende Idylle im Bild zu bannen gedenkt. Über die Vögel mit den langen Beinen weiß der Mann aus Gersheim enorm viel. Er hat auch ein Büchlein herausgegeben mit Erläuterungen und selbstredend reich bebildert. Tierfotografie ist ein fisseliges, puzzeliges Geduldsspiel. Doch wenn dann das erhoffte Bild gelingt, ist die Freude überschäumend.



Wir wandern an Blühwiesen und einer Yak-Herde vorbei, vor uns ein größeres Gewässer: idealer Aufenthaltsraum vor allem für Wasservögel und ihre Brut. Wir kommen anfangs auch vorbei an einem Häuschen, darauf ein Hinweis des Landeamtes für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA). Die Blies hatte deren Angaben zufolge hier am 21. Dezember 1993 ihren höchsten Stand: 657 Zentimeter. Kaum vorstellbar, was das unvergessene Hochwasser von vor 26 Jahren alles mit sich gerissen und zerstört hat. Doch heute plätschert die Blies beim aktuellen Stand von 117 cm gemütlich in ihrem Bett vor sich hin.

Wir kommen auch vorbei an einem Schwenker mit Sitzgruppe, an der einst bewirtschafteten Taverne mit herrlicher, nun aber verödeten Terrasse, an Mohnblumen und duftendem Lavendel. Als wir auf die vielen Vogelarten zu sprechen kommen, die Walter Veith im Kulturpark schon abgelichtet hat, passiert uns freundlich grüßend ein Paar aus Frankreich, das das stille Areal per Rad erkundet. Eine Rundum-Sanierung hätte derweil ein im grün wuchernden Dickicht stehendes Schild verdient, das auf das hier befindliche Naturschutzgebiet hinweist.

Im April 2013 hat Walter Veith den Einzug der ersten Störche dokumentiert, „17 Störchlein wurden seither großgezogen“. Wenn es Zeit wird, manchen sich die Jungtiere auf in ihr Winterquartier, üben für den langen Flug nach Süden. Die Alten bleiben jedoch hier, sie überwintern und warten auf wieder bessere Zeiten. Das ist dem Klimawandel geschuldet, sagt Veith. Alle sechs Störche erblicken wir heute Morgen auf einmal – solch ein Glück weiß nicht nur ein Tierfotograf zu schätzen.

Aufzeichnungen und Fotos von Walter Veith im Kulturpark findet man im Internet: https://photos-mit-pfiff.jimdo.com/ Tierfreunde sollten da unbedingt mal einen Blick reinwerfen.

 Walter Veith ist vor allem als Hobbyfotograf Stammgast im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Hier hat er schon hervorragende Motive entdeckt.
Walter Veith ist vor allem als Hobbyfotograf Stammgast im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Hier hat er schon hervorragende Motive entdeckt. FOTO: Walter Veith
 Im Kulturpark findet die Tierwelt – ob groß, ob klein -hervorragende Lebensbedingungen vor, wie beispielsweise in diesem Biotop.
Im Kulturpark findet die Tierwelt – ob groß, ob klein -hervorragende Lebensbedingungen vor, wie beispielsweise in diesem Biotop. FOTO: Walter Veith
 Dieses Schild im Park hätte ein Aufpolieren durchaus verdient.
Dieses Schild im Park hätte ein Aufpolieren durchaus verdient. FOTO: Walter Veith
 Vier von sechs Störchen in ihrem Nest.
Vier von sechs Störchen in ihrem Nest. FOTO: Walter Veith