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Ein klasse Service im Bliesgau
Ein Rathaus setzt sich in Bewegung

 Gersheims Hauptamtsleiter Heiko Rebmann mit dem schwarzen Rollkoffer auf dem Weg zu einem Hausbesuch.  Die Verwaltung bietet diesen Service als „Mobiles Rathaus“ an. Im Koffer sind Drucker, Scanner, PC und ein Fingerabdrucksensor für Pass-Angelegenheiten.
Gersheims Hauptamtsleiter Heiko Rebmann mit dem schwarzen Rollkoffer auf dem Weg zu einem Hausbesuch.  Die Verwaltung bietet diesen Service als „Mobiles Rathaus“ an. Im Koffer sind Drucker, Scanner, PC und ein Fingerabdrucksensor für Pass-Angelegenheiten. FOTO: BeckerBredel
Gersheim. In Gersheim kommt der Bürgerservice ins Haus. Das könnte durchaus Schule machen in anderen Saar-Kommunen. Von Becker & Bredel

Das „Mobile Rathaus“ ging 2013 an den Start, um alten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen die Erledigung von Verwaltungsdingen zu erleichtern. Nach sechs Jahren gibt es das damalig landesweit einmalige Pilotprojekt immer noch, und es wurde nie von Menschen ohne Bedürftigkeit missbraucht. Es wird von den Betroffenen aber sehr geschätzt.

Heiko Rebmann, Hauptamtsleiter der Gemeinde Gersheim ist einer der Beamten, die Hausbesuche machen. Bis zu 20 dieser Besuche im Jahr kommen da zusammen, die Bürgerinnen und Bürger müssen vorher im Rathaus anrufen und einen Termin vereinbaren. Dabei werden sie auch beraten, welche Dokumente und Unterlagen sie beim Besuch der Gemeindemitarbeiter bereithalten müssen.

Montags- oder mittwochs-Nachmittags sind die bevorzugten Hausbesuchszeiten: „Da ist das Rathaus geschlossen und unsere Mitarbeiter können sich am besten loseisen, ohne den Besucherverkehr im Rathaus zu vernachlässigen“, sagt Rebmann. Die Terminabsprache diene auch der Sicherheit, denn gerade betagte Menschen hätten Angst vor falschen Beamten und Betrügern, erklärt er im Gespräch. „Natürlich haben alle Mitarbeiter einen Dienstausweis, aber mit dem vereinbarten Termin ist es ganz klar, dass nun die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter der Verwaltung kommt.“ Erledigt werden dann Pass-Angelegenheiten, man kann wählen oder sich von der GEZ befreien lassen. Am meisten werden Rentensachen nachgefragt. Bezieher französischer Renten brauchen beispielsweise regelmäßig eine „Lebensbescheinigung“. Das Mobile Rathaus, ein Erdgasauto mit entsprechender Beschriftung, rückt dann aus. Die Mitarbeiter haben einen schwarzen Rollkoffer mit Laptop, Drucker, Scanner und Fingerabdrucksensor. Damit können alle Meldeangelegenheiten bearbeitet werden. Weniger als 4000 Euro waren beim Start zu investieren, so Rebmann. Seitdem habe der Dienst nichts mehr gekostet und werde von den Nutzern sehr geschätzt: „Wir zählen mit 6327 Einwohnern zu den kleinsten Gemeinden im Land, haben aber mit über 5700 Hektar eine sehr große Fläche. Das macht manchen Leuten einen Rathausbesuch schwer, vor allem in den entlegenen der elf Ortsteile.“



Das Gersheimer Modell macht Schule. Nicht ohne Stolz hat man notiert, welche Kommunen es erfragt oder besichtigt haben. Ein Dutzend Saar-Orte sind dabei, Kaiserslautern und eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Rebmann: „Das findet bestimmt Nachahmer, zumal immer mehr Menschen Bedarf für solch eine Unterstützung haben.“