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Gersheim
SPD-Frontmann Clivot Nachfolger von Rubeck in Gersheim

 Michael Clivot und seine Frau Christine Streichert-Clivot bei der Stimmabgabe in Walsheim.
Michael Clivot und seine Frau Christine Streichert-Clivot bei der Stimmabgabe in Walsheim. FOTO: Wolfgang Degott
Gersheim. CDU verliert bei Kommunalwahl erheblich und büßt die absolute Mehrheit im Gemeinderat ein. Sie besitzt künftig statt bisher 15 nur noch 11 Sitze.

Michael Clivot wird neuer Bürgermeister in der Gemeinde Gersheim. Bei der Wahl am Sonntag erreichte der Walsheimer 51,6 Prozent (wir berichteten). Amtsinhaber Alexander Rubeck kam auf 41,4 Prozent. Die Spannung im Gersheimer Rathaus war mit Händen zu fassen. Nach dem ersten Ergebnis aus Seyweiler, bei dem Rubeck mit 41:36 Stimmen die Oberhand behielt, folgte Peppenkum (91:93) und Niedergailbach (186:104). Zu dem Zeitpunkt schien alles seinen normalen Gang zu gehen. Doch das Ergebnis aus Medelsheim, bei dem Clivot auf 162 Stimmen und Rubeck, auf nur 101 Stimmen kam, war der erste Fingerzeit des denkwürdigen Wahlabends in der Gemeinde Gersheim. Seit 1974 stellte die CDU mit Siegfried Wack (1974 bis 1991), Lothar Kruft (1991 bis 2000) und jetzt Alexander Rubeck den Verwaltungschef. Als aber auch Reinheim und Gersheim als größte Orte der Bliestalgemeinde an den Herausforderer fielen, wendete sich das Blatt. Am Ende sammelte Michael Clivot 2085, Alexander Rubeck 1675 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,6 Prozent. Der dritte Kandidat, Gerd Litzenburger (AfD), erreichte am Ende im Gesamtergebnis 283 Stimmen. In der ersten Reaktion zeigte sich Clivot überrascht vom Ergebnis. „Ich bin überwältigt, hatte fest mit einem zweiten Wahlgang gerechnet. Ich wusste, dass es ein gutes Ergebnis werden wird. Dass es aber im ersten Wahlgang klappt, hätte von uns keiner geglaubt.“ Er sprach von einem fairen Wahlkampf, was für die Demokratie wichtig sei.

„Ich muss das Ergebnis erst mal verdauen“: Alexander Rubeck, der sehr enttäuscht war, zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte noch am Wahlabend seinem Nachfolger. Clivot gewann in den Orten Bliesdalheim, Gersheim, Herbitzheim, Medelsheim, Peppenkum, Reinheim und Walsheim. Rubeck konnte in Niedergailbach, Rubenheim und Seyweiler punkten. Peter Krämer, Spitzenkandidat der CDU für den Gemeinderat, sprach von großer Betroffenheit in der CDU. Es seien im Vorfeld keine Signale für ein solches Ergebnis erkennbar gewesen, zumal Rubeck bei den vielen Hausbesuchen durchweg positive Zustimmung erfahren habe. Thomas Welsch von der Partei „Die Linke“ zeigte sich auch überrascht von der Klarheit des Ergebnisses, sprach aber auch von einer „Arroganz der CDU“. „Ich habe gehofft, dass der Umschwung kommt, zumal wir es schon seit einigen Jahren probiert haben“, so Hans-Jürgen Domberg, Sprecher der Gersheimer Grünen, Ortsvorsteher von Herbitzheim und selbst als gemeinsamer Kandidat von Grünen und SPD 2001 bei der Bürgermeisterwahl unterlegen.

Die Niederlage Rubecks beherrschte den Wahlabend in der Gemeinde Gersheim. Auch seine Partei, die CDU, verlor drastisch, büßte nach 1984 erstmals wieder die absolute Mehrheit im Gemeinderat ein, besitzt künftig statt wie bisher 15 nur noch elf Sitze im 27-köpfigen Gemeinderat. Sie verlor gegenüber der Wahl vor fünf Jahren rund 13 Prozent. Jubel herrschte dagegen bei der SPD. Entgegen dem Trend und dem Gegenwind, dem sich die Partei bundesweit ausgesetzt sieht, legte sie in der Bliestalgemeinde zu. Hatte sie vor fünf Jahren 29, so waren es nun 33,8 Prozent der Stimmen. Sie ist künftig mit zehn statt wie bisher mit acht Mitgliedern vertreten. Michael Clivot, der zum Beginn des nächsten Jahres den hauptamtlichen Posten des Bürgermeisters antreten wird, hat sich noch Bedenkzeit erbeten, ob er das Gemeinderatsmandat annimmt, das er durch den Spitzenplatz auf der Gebietsliste errungen hat. Thomas Welsch von der Partei „Die Linke“ bedauerte sowohl den Verlust eines Mandates im Rat, nachdem sie von 8,7 auf 4,6 Prozent geschrumpft war, als auch, dass die AfD, die aus dem Stand 8,6 Prozent erreichte, mit zwei Mitgliedern ins Gemeindeparlament einziehen werde. Grünen-Gemeindevorsitzender Hans-Jürgen Domberg, der dem neuen Gemeinderat auch angehören wird, erinnerte daran, dass man vor fünf Jahren den zweiten Sitz knapp erobert habe. „Wir sind angetreten diesen zu festigen, haben aber nicht damit gerechnet, noch einen weiteren dazu zu gewinnen“, so Domberg. Seine Partei übersprang erstmals die 10-Prozent-Hürde, landete bei 10,5 Prozent. Die FDP verpasste mit 2,7 Prozent den Einzug ins Rathaus. Da keine Partei mehr über die absolute Mehrheit verfügt, müssen Absprachen oder Koalitionen gebildet werden.