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Besuch beim Kandidaten
Auf Werbetour zum „Wechselkurs“

 Müde nach Job und Hausbesuchen, aber dennoch zufrieden und hoffnungsvoll: Michael Clivot im Wohnzimmer auf der Couch nach einem anstrengenden Tag.
Müde nach Job und Hausbesuchen, aber dennoch zufrieden und hoffnungsvoll: Michael Clivot im Wohnzimmer auf der Couch nach einem anstrengenden Tag. FOTO: Erich Schwarz
Gersheim/Walsheim. So gestalten die Bürgermeisterkandidaten im Bliestal ihren Wahlkampf: Heute Michael Clivot (SPD) in Gersheim.

Nach ziemlich genau zehn Jahren nimmt er erneut Anlauf: Michael Clivot (SPD) will Bürgermeister in Gersheim werden. „Es wird Zeit!“ ist der Slogan des 41-jährigen Entwicklungsleiters einer Softwarefirma in Saarbrücken. Im „schwarzen“ Gersheim hatte er im ersten Anlauf vor zehn Jahren respektable 40,8 Prozent erreicht, das beste SPD-Ergebnis seit 1974, wie er in seiner persönlichen Wahlbroschüre vermeldet. Dies sei auch „Grundlage und Motivation“ für seine erneute Kandidatur in 2019 gewesen. Ortstermin im Hause Clivot in der Brauereistraße in Walsheim: Michael Clivot kommt gerade von Hausbesuchen, ein wichtiger Teil seines Wahlkampfkonzeptes. „Ein bisschen müde und kaputt bin ich schon nach über zwei Stunden Hausbesuchen“, gibt der Bürgermeisterkandidat zu.

Aber: „Es macht auch unglaublich viel Spaß. Man lernt viele nette Menschen kennen, hört auch viel über die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger“, erzählt der IT-Spezialist. Es sei schon sehr anstrengend, neben der Arbeit in der Firma (im Gegensatz zum Bürgermeister) auch noch Wahlkampf zu machen, aber Clivot stellt heraus, dass er das gerne tue und bis auf zwei kleinere Vorfälle mit schroff abweisenden Hausbesitzern eigentlich überall gern gesehen ist: „Es gibt sogar schon Anrufe hier bei mir, wann ich denn komme“, lacht er. Denn noch sind nicht alle Haushalte abgeklappert. Aber bis zur Wahl sind es ja noch ein paar Tage. Und er will es gegen Ende noch einmal so richtig krachen lassen: Im Brauereikeller will er am 10. Mai seine „Endspurtveranstaltung“ steigen lassen. Unter dem Motto „Wechselkurs“ wird – neben vielen befreundeten Künstlern und Musikern- allerlei politische Prominenz mit dabei sein, sogar Juso-Bundessvorsitzender Kevin Kühnert, den Clivot schon seit vielen Jahren aus seiner Juso-Vergangenheit gut kennt, hat sein Erscheinen angekündigt.

Das gehört auch zur Person von Michael Clivot: Er ist seit Jahren auf der politischen Bühne präsent und dadurch auch bestens vernetzt. Er war Vorsitzender der saarländischen Jungsozialisten, hatte damals vor seiner Wahl dem Schreiber dieser Zeilen sein „erstes richtige Interview“ gegeben, wie er lachend erwähnt. Der politische Mensch Michael Clivot war schon immer auf vielen Ebenen politisch aktiv, in verschiedenen Vorstandsämtern, er ist auch in seinem Heimatort in Walsheim kommunalpolitisch aktiv. Seit 2009 ist er Mitglied im Ortsrat, seit 2014 ist er stellvertretender Ortsvorsteher. Zudem ist er im Kreistag, gehört dem Parteikonvent seiner Partei an und ist somit auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen präsent. Clivot ist seit 2008 mit seiner Frau Christine Streichert-Clivot verheiratet, auch sie politisch aktiv und derzeit Staatssekretärin im saarländischen Bildungsministerium. Sie ist zudem auch Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Gersheimer Gemeinderat und seine „engste politische Beraterin“, wie er verrät. Beide haben zwei Kinder, eine achtjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn.



Clivot war früher ein guter Leichtathlet, besonders auf der Kurzstrecke. Auch Fußball gehörte zu den Hobbies. Inzwischen läuft ihm die Zeit ein bisschen davon, die sportliche Betätigung ist geringer geworden. Aber es bleibt gleichwohl ein wenig Zeit für Hobbys. So hat er sich im Keller ein Heimkino installiert, auch über die Geschichte der Brauerei Walsheim forscht und recherchiert der Kandidat. Er ist Vorsitzender des Vereins für Brauerei- und Dorfgeschichte in Walsheim und Hauptorganisator der „Walsheimer Spätsommers“. Auch Billardspielen ist eine seiner Leidenschaften. Was würde ein Bürgermeister Michael Clivot sofort tun, müsste er keine Rücksicht auf irgendwelche politischen Mehrheitsverhältnisse nehmen? „Ich würde sofort die Kindergartenbeiträge für die Eltern abschaffen“, stellt er ohne groß zu überlegen heraus. Die Familienpolitik liegt ihm besonders am Herzen. Aber auch die Digitalisierung liegt dem IT-Mann besonders am Herzen. Er nennt sein Ziel selbst „ambitioniert“, aber sollte er Bürgermeister werden, werde Gersheim in fünf Jahren in allen Ortsteilen ans Breitband angeschlossen sein.