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Gersheim
Bildungsexpertin an alter Wirkungsstätte

 Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot stellte sich in der Gemeinschaftsschule Gersheim, die sie auch selbst besucht hatte, den Fragen der Schüler.
Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot stellte sich in der Gemeinschaftsschule Gersheim, die sie auch selbst besucht hatte, den Fragen der Schüler. FOTO: Wolfgang Degott
Gersheim. Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot war im Rahmen der Europawoche in der Gemeinschaftsschule Gersheim.

90 spannende Minuten, in denen sich Bildungs-Staatssekretärin Christine Streichert-Clivot den Fragen der Siebtklässler stellte, vergingen in der Gemeinschaftsschule Gersheim wie im Flug. Die gebürtige Gersheimerin, selbst einmal Schülerin der damals noch als Gesamtschule firmierenden Einrichtung, hatte sich den Ort ausgesucht, um innerhalb der Europawoche der Landesregierung zu gesellschaftspolitischen Themen mit Schülern zu diskutieren. Damit traf Politik auf Interesse. Lehrerin Vera Leinenbach hatte sich mit ihren 45 Zwölf- bis 14-jährigen auf den Besuch vorbereitet. „Warum ist das Internet bei uns so schlecht?“, hieß die erste Frage. Artikel 13 der Urheberrechtsreform aber auch die Problematik Upload-Filter oder auch der Brexit waren die Einstiegsthemen. Konnte Streichert-Clivot beim Internet noch auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der privaten Netzbetreiber hinweisen, erwies sich die Urheberrechtsproblematik als komplexes Thema, das die jungen Menschen stark mobilisierte. Insbesondere die Frage der Wirkung der Upload-Filter beschäftigte die Teenager. Dass Demonstranten gegen die Urheberrechtsreform von Politikern als „gekaufte“ Social bots, also Agenten, bezeichnet werden, die auf sozialen Medien oft mit der Aufgabe agierten, den Diskussionsverlauf und Meinungen zu beeinflussen, sahen die Schüler als bedenklich und zumeist ungerechtfertigt an.

Zur Frage des bevorstehenden Europa-Ausstiegs der Briten meinte die Landespolitikerin, dass sie den Schritt sehr bedauere und sie auch „ein Stück wütend“ mache, würden dadurch unter anderem wieder Grenzen und Kontrollen aufgebaut. Die Staatssekretärin freute sich, dass sich die jungen Menschen mit solchen Themen auseinandersetzen und auch darüber miteinander diskutieren. „Ich finde, dass sich jeder eine Meinung bilden muss. In der Welt passiert sehr viel. Es geht immer um das Ganze und das Miteinander wie wir gemeinsam leben wollen“, so Streichert-Clivot. Zur Internetnutzung riet sie, dass jeder für sich entscheiden müsse, was gut für ihn sei. Doch gab sie zu bedenken, dass persönliche Kontakte unerlässlich und nicht ersetzbar seien. „Das Gespräch ist immer allem vorzuziehen“, so die 39-Jährige. „Wir können den Klimawandel nicht stoppen, doch wir können ihn mit unserem veränderten Verhalten, unter anderem bei der Müllvermeidung, abmildern“, erklärte sie zu diesem globalen Thema. Auch die CO2-Steuer, Kernenergie, Solarzellen, Wasserstofftankstellen im Saarland und die Frage, ob Cannabis wie es in Luxemburg vorbereitet werde, auch in Deutschland legalisiert werden soll, standen auf der Fragenpalette. Auch interessierte die Schüler die Person Christine Streichert-Clivot. So erklärte sie, dass sie seit 18 Jahren in der SPD politisch aktiv sei, und es ihr viel Spaß mache. Sie räumte aber auch ein, dass es immer wieder Momente gebe, in denen man mit eigenen Argumenten nicht weiter komme, andere nicht überzeugen könne.

Als Staatssekretärin sei sie unter anderem auch für Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Kultur zuständig. Die politische Auseinandersetzung bezeichnete sie als spannend, Inhalte könnten sehr tiefgreifend sein. Als eines ihrer großen Ziele nannte sie, dass Bildung vom Geldbeutel der Eltern unabhängig werden müsse. Dazu wolle sie ihren Beitrag leisten. Derzeit gebe es noch viele Dinge, die Geld kosten, was die freie Bildung einschränke. Am Ende der beiden intensiven Schulstunden riet sie den Schülern an den „extrem wichtigen Themen“ dran zu bleiben und versprach auch wieder zu kommen, hieß es beim Besuch abschließend.



(ott)