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Kenner schwärmen vom Blies-Wein
Hier gedeihen die Spitzengewächse

 Handarbeit dominiert bei Lese und Verarbeitung der Trauben im Bliesgau.
Handarbeit dominiert bei Lese und Verarbeitung der Trauben im Bliesgau. FOTO: Weinbaufreunde im Bliesgau e. V.
Reinheim. Hohe Mineralien, ordentliche Säure, voller Geschmack – Weinkenner schwärmen vom Blieswein. Eine Erfolgsstory in Reinheim. Von Peter Gaschott

Gemächlich fließt die Blies zwischen Reinheim und Bliesbruck. Grenzfluss ist sie hier, und sanft steigen die Hänge zum Bliesgau an. Nach Süden gehen die meisten Hangflächen, und satter, schwerer Kalkboden macht sie fruchtbar. Eine außerordentlich schöne Landschaft. Mit langer Geschichte zudem – die Ausgrabungen im Europäischen Kulturpark legen eindrucksvoll Zeugnis ab. Jene Grabungen begeisterten vor Jahren auch Weinfreunde, denn es wurde klar, dass Weinbau hier im südlichsten Zipfel des Saarlands eine lange Geschichte hat.

Alexander Nagel schwärmt von den alten Sorten, die hier schon vor Jahrhunderten Weintrinker begeisterten. Schon zu Römerzeiten, und urkundlich belegt seit dem frühen 16. Jahrhundert. Später schrieb, nicht weit von hier, der Heckelsche Riesling aus dem Saartal ein neues Kapitel über Spitzengewächse aus dem Saarland. Eine Weinbaugegend mit Geschichte, viele Lagen mit großem Potenzial. Immerhin hielt sich der Weinbau im Bliestal bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, wobei die allerletzten Stöcke Ende der zwanziger Jahre dem bitteren Frost zum Opfer fielen.

Als vor rund zwanzig Jahren der Zweckverband Saar-Bliesgau Auf der Lohe bei Rodungsarbeiten alte Rebmauern freigelegt hatte, reifte bei Alexander Nagel eine Idee. Die alten Rebsorten – am Anfang vor allem den hier heimischen Heunisch – wieder anzupflanzen. An seinem Haus hatte er schon einige Reben dieser Sorte erfolgreich gezogen.



Nagel ging auf die Kreisverwaltung zu, um Verbündete für ein Weinprojekt zu finden. Bei der Umweltdezernentin und dem Zweckverband stieß er auf offene Ohren. 1999 wurden von einer ABM-Gruppe die ersten weißen Heunisch- und Grauburgunder-Rebstöcke angepflanzt.

Aber wer sollte das Projekt nun betreuen? An staatliche Unterstützung in personeller Hinsicht war nicht zu denken. Die einzige Lösung war ehrenamtliches Engagement. 2001 gründete sich so der gemeinnützige Verein der Weinbaufreunde im Bliesgau. Nicht zur Freude einiger alt eingesessener Saar-Winzer von der Obermosel. So war es ein langes Verfahren, bis die Blieswinzer im Jahr 2007 die Genehmigung erhielten, ihren Wein als „Saarländischen Landwein“ auf den Markt zu bringen.

Bei Heunisch und Grauburgunder blieb es nicht, und auch die Flächen für den Blies-Weinbau vergrößerten sich. Regent kam hinzu, Dornfelder und Weißburgunder. Im Lauf der Jahre wuchsen die Mengen, die die Reben hergaben, und es war ein Glücksfall für den Verein, dass im Jahr 2014 der Winzer Ralf Steffen aus Trittenheim (Landkreis Trier-Saarburg) in die Rolle des Kellermeisters für den Verein fand und seitdem die Reinheimer Erträge ausbaut.

Anfangs bauten die Weinbaufreunde Rot- und Weißweine aus. 2017 dann der erste Rotling. Im Gegensatz zu einem Rosé, der ausschließlich aus blauen Trauben gekeltert wird, ist Rotling eine Mischung von Weiß- und Rotweinen. Und der Blies-Rotling schlug sensationell ein. Hohe Mineralien, ordentliche Säure, voller Geschmack – Weinkenner schwärmen vom Blieswein. Als dann im Jahrhundert-Jahrgang 2018 rund 1300 Flaschen Rotling abgefüllt werden konnten, war der Jubel bei den Weinbaufreunden groß. So ertragreich ging es nicht weiter, insbesondere der aktuelle 2019er Jahrgang wird, späten Frösten geschuldet, sehr klein.

Nagel und seine rund vierzig Mitstreiter im Verein sind aber nicht allein auf die Qualität ihrer Weine stolz. Sie leisten einen großen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im südlichen Bliestal. Die Weinberge selbst werden ohne Einsatz von Herbiziden oder Kunstdünger ökologisch bewirtschaftet. „Wir haben Orchideen zwischen den Rebstöcken“, erzählt Nagel nicht ohne Stolz. Für ideale Lebensbedingungen für Insekten sorgt man hier. In diesem Jahr werdenim Übrigen Ansitze für Greifvögel aufgestellt. Das alles ehrenamtlich, und der Verein sucht nach wie vor aktive Mitglieder, die sich einbringen möchten.

Stolz sind die Reinheimer auch auf ihren Trullo, dessen Fortbestand letztlich auf dem Engagement der Weinbaufreunde fußt. Ein Trullo ist ein Häuschen, in dem die Winzer ihre Gerätschaften im Weinberg aufbewahrten. Ebenso wie die alten Rebmauern wurden die Reste des antiken Trullos bei Rodungsarbeiten freigelegt. Es wurde bereits in den 1970er Jahren restauriert, versank dann aber im Dornröschenschlaf. Heute steht es als Schmuckstück neben der L105 und kündet von langer Weintradition entlang der Blies.

 Alexander Nagel ist es zu verdanken, dass im Bliesgau wieder Wein angebaut wird. Der von ihm geleitete Verein setzt dabei auf hohe Qualität und ökologischen Anbau.   Foto: Peter Gaschott
Alexander Nagel ist es zu verdanken, dass im Bliesgau wieder Wein angebaut wird. Der von ihm geleitete Verein setzt dabei auf hohe Qualität und ökologischen Anbau. Foto: Peter Gaschott FOTO: Peter Gaschott
 Auch Dornfelder, dessen Trauben man hier sieht, wächst entlang der Blies bei Reinheim.
Auch Dornfelder, dessen Trauben man hier sieht, wächst entlang der Blies bei Reinheim. FOTO: Weinbaufreunde im Bliesgau e. V.