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Prozess um vermeintliche Kreditgeschäfte
Gericht bestraft millionenschweren Betrug

Mainz. Sie stellten Firmen Kredite in Aussicht, die diese auf normalem Wege nicht bekommen konnten. Dafür kassierten zwei Männer ordentlich — doch die Darlehen kamen nie zustande. Jetzt fiel ein Urteil.

Der 49 Jahre alte Angeklagte im Mainzer Prozess um einen millionenschweren Betrug mit vermeintlichen Kreditgeschäften ist zu einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Zudem verhängte das Landgericht gegen den geständigen Mann gestern eine Geldstrafe von insgesamt 27 000 Euro, die er an einen gemeinnützigen Verein zahlen muss.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mainzer gewerbsmäßigen Betrug in zehn Fällen vorgeworfen. Den beging er demnach mit einem vom Landgericht Duisburg bereits zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilten Geschäftspartner zwischen Juni 2011 und Juli 2012. Die beiden sollen bei Firmen für ein „Finanzierungsmodell“ geworben haben. Die Unternehmer sollten die Hälfte eines angestrebten Darlehens an eine Gesellschaft zahlen, diese sollte sich um einen Bankkredit kümmern.

Von dem Kredit sollten wiederum 50 Prozent an das Unternehmen gehen, mit dem Rest sollte die Gesellschaft Gewinne erwirtschaften und die in die Schuldentilgung stecken. Laut Anklage sollen die Betrüger aber nie beabsichtigt haben, Darlehen zu vermitteln.



Der 49-Jährige stand damals nach eigenen Angaben mit der eigenen Firma mit dem Rücken zur Wand. Er habe seinem Geschäftspartner geglaubt, dass dieser Darlehen bei Banken besorgen könne. Er habe für das Modell seinen Namen, seine Unterschrift und den Namen seiner Firma hergegeben, den Rest soll der Partner erledigt haben.

„Anfangs war ich gutgläubig, dann merkte ich, dass diese Form der Kreditbeschaffung nicht läuft“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Geschädigte waren ihm zufolge Firmen in Deutschland und der Schweiz, auch eine kanadische Filemacherin sei dabei gewesen. Sie habe rund 45 000 Euro gezahlt und auf ein Darlehen für ein Filmprojekt gehofft.

Der Mainzer bekam stets 40 Prozent des von Firmen gezahlten Geldes, der Rest ging an den Partner. Insgesamt sollen etwa 2,3 Millionen Euro zusammengekommen sein. Der Vorsitzende Richter Reinhold Koch sagte gestern, der Angeklagte sei nicht nur Beihelfer zum Betrug, sondern Mittäter gewesen. Er habe seinen Partner gewähren lassen und seinen Anteil kassiert.

(dpa)