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Bisher keine Infektion
Gefängnisse im Saarland schotten sich in Corona-Krise ab

 Die JVA auf der Saarbrücker Lerchesflur hatte 2019 durchschnittlich 549 Inhaftierte.
Die JVA auf der Saarbrücker Lerchesflur hatte 2019 durchschnittlich 549 Inhaftierte. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Die Corona-Krise trifft auch die Gefängnisse im Saarland. Die Anstalten befänden sich „im Zustand außerordentlicher Anspannung“, sagt Pascal Jenal, der Chef der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken. Das neuartige Coronavirus soll sich hinter Gittern nicht ausbereiten. Von Tobias Fuchs

Die Corona-Krise trifft auch die Gefängnisse im Saarland. Die Anstalten befänden sich seit Wochen „im Zustand außerordentlicher Anspannung“, sagt Pascal Jenal, der Chef der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken. Das Coronavirus soll sich hinter Gittern nicht verbreiten.

Zuletzt saßen im Saarland rund 750 erwachsene Strafgefangene und Untersuchungshäftlinge ein, bei den Jugendlichen waren es 55 Strafgefangene und 23 Untersuchungshäftlinge. Einen Corona-Fall gab es in den hiesigen Haftanstalten bisher nicht. Auch nicht unter den Bediensteten, die zu Hause bleiben müssen, wenn sie unter einer Vorerkrankung leiden oder zu einer Risikogruppe für die Lungenkrankheit Covid-19 zählen. Doch die Behörden sind alarmiert. Denn überall gelten Gefängnisse als mögliche Risikogebiete. In Deutschland gibt es über 50 000 Inhaftierte. Hamburg meldete zu Wochenbeginn zwei Strafgefangene mit positiven Testergebnissen, in mehreren Bundesländern sind Bedienstete erkrankt.

Man ergreife alle notwendigen Maßnahmen, um im Strafvollzug auf den ersten Fall vorbereitet zu sein, hatte Justiz-Staatssekretär Roland Theis (CDU) Mitte März erklärt. Damals schlossen die Behörden vorübergehend die Jugend­arrestanstalt in Lebach, um mehr Platz und Personal zu haben. Das Justizministerium hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gebeten, bei nicht gezahlten Geldstrafen sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen vorerst nicht zu vollstrecken. In „geeigneten Fällen“ können bereits Inhaftierte, die wegen einer ausgebliebenen Strafzahlung einsitzen, auf freien Fuß kommen.



Während außerhalb der Gefängnismauern nur noch das Haus verlassen darf, wer „triftige Gründe“ nachweisen kann, beschränken die Justizbehörden den Einlass in die Knäste. Niemand darf die Häftlinge mehr besuchen. Zunächst galt das nur bei Besuch aus Risikogebieten wie die französische Region Grand Est. Dafür können die Inhaftierten „erheblich mehr telefonieren“, so Staatssekretär Theis. Das umfasst auch Videoanrufe etwa über Skype. Externe Vollzugshelfer erhalten keinen Zutritt mehr, an die Anwälte appelliert das Ministerium, ihre Besuche auf ein „notwendiges Maß zu begrenzen“. Für sie sind Trennscheiben vorgesehen.

Neuankömmlinge werden zwei Wochen von ihren Mitgefangenen isoliert – unter medizinischer Beobachtung. Vollzugslockerungen wie Freigang oder Hafturlaube sind ausgesetzt, die Eigenbetriebe in den Anstalten geschlossen. Auch das Freizeitangebot hat man zusammengestrichen.

Man habe in der JVA Saarbrücken je nach Lage die Vorsichtsmaßnahmen immer wieder neu verschärft, sagt der dortige Anstaltsleiter Jenal. „Innerhalb eines geschlossenen Systems wie in einer Justizvollzugsanstalt können diese Maßnahmen jedoch für Unruhe unter den Inhaftierten sorgen.“ In Italien führten vergleichbare Einschränkungen in Haftanstalten zu Ausschreitungen mit mehreren Toten.