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Jäger wollen mehr Wildschweine schießen
Furcht vor Afrikanischer Schweinepest

 Um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern beziehungsweise ihre Ausbreitung in Grenzen zu halten, wollen Jäger mehr Wildschweine schießen.
Um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern beziehungsweise ihre Ausbreitung in Grenzen zu halten, wollen Jäger mehr Wildschweine schießen. FOTO: dpa / Lino Mirgeler
Gensingen. Die Jäger sind alarmiert: Sie befürchten, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt. Daher wollen sie die Jagd auf Wildschweine verstärken.

() Aus Furcht vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auch in Deutschland rufen Jäger zu einer stärkeren Bejagung von Wildschweinen auf. Nachdem die hochansteckende Seuche bei Wildschweinen in Tschechien aufgetreten sei, „besteht auch bei uns eine reale Gefahr“, sagte Jagdexperte Stephan Angermayer vom rheinland-pfälzischen Landesjagdverband in Gensingen. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen die Seuche – bei einem Übergriff auf Hausschweine drohen auch erhebliche wirtschaftliche Schäden.

Das große Problem sei daher, dass man bei einem möglichen Ausbruch die Verbreitung nicht eindämmen könne, sagte Angermayer. „Das Einzige, was wir im Moment machen können, ist letztendlich das Schwarzwild so intensiv wie möglich zu bejagen, um insgesamt die Population einzudämmen, so dass die Übertragungsgefahr von Wildschwein zu Wildschwein sich möglichst etwas reduziert.“ Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Die Seuche verläuft für die infizierten Tiere in der Regel tödlich. Die Infektion stammt ursprünglich aus Afrika, breitet sich aber seit 2007 von Georgien über die Russische Föderation und die baltischen Staaten nach Westen aus. Ende Juni wurde das Virus in Ost-Tschechien festgestellt. Daraufhin hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) seine Risikobewertung für einen Ausbruch in Deutschland erhöht.

„Die afrikanische Schweinepest nähert sich leider. Wir haben Angst“, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes, Johannes Schorr, in Saarwellingen. Die Afrikanische Schweinepest gelte als „wesentlich virulenter als die europäische Schweinepest“. Letztere hatte in Deutschland zuletzt Mitte der 1990er gewütet – auch danach gab es immer wieder Fälle, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz.



Der Deutsche Jagdverband fordert angesichts der Afrikanischen Schweinepest, „alle Restriktionen“, die eine „Schwarzwildbejagung“ in Deutschland unterbinden, wie zum Beispiel Jagdruhezeiten in Schutzgebieten, aufzuheben. Nordrhein-Westfalen habe daher vor kurzem die Schonzeiten für „Überläufer“ – also Schwarzwild zwischen einem und zwei Jahren – aufgehoben, sagte Diplom-Forstwirt Angermayer, Assistent der Geschäftsführung beim Landesjagdverband.

In Rheinland-Pfalz gebe es diese Restriktion seit Jahren nicht mehr: Wildschweine könnten hier das ganze Jahr über bejagt werden. Ausnahme seien Elterntiere, die abhängige Jungtiere hätten. Es werde schon länger verstärkt zur Jagd auf Schwarzkittel aufgerufen, auch weil sie insbesondere in der Landwirtschaft erhebliche Schäden anrichteten.

Hinzu kommt, dass sich die Wildschweine stark vermehrten. „Die Reproduktionsrate liegt bei bis zu 300 Prozent“, sagte Angermayer. Dieses Jahr sei das milde Wetter besonders günstig gewesen: „Die Überlebenschancen für Frischlinge konnten kaum besser sein.“ Zudem sei das Nahrungsangebot für die Schweine perfekt: „Es steht mittlerweile im Feld oder Wald ganzjährig zur Verfügung.“

Die Jagd auf Wildschweine sei schwer und zeitaufwendig, sagte Angermayer. „Schwarzwild ist ja sehr intelligent, wie Schweine insgesamt sehr intelligent sind. Und die wissen natürlich sehr genau, wenn sie gejagt werden.“ Im vergangenen Jagdjahr, das vom 1. April 2016 bis zum 31. März 2017 ging, wurden landesweit 60 722 (Vorjahr 61 807) Wildschweine erlegt. „Unserer Schätzung nach werden es dieses Jagdjahr wieder mehr werden“, sagte der Jäger.

(dpa)