| 23:18 Uhr

Flugkatastrophe in Ramstein
Als der Himmel brannte

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, sprach während des Gottesdienstes zum Gedenken der Opfer des Flugtagsunglücks.
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, sprach während des Gottesdienstes zum Gedenken der Opfer des Flugtagsunglücks. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Ramstein. Der 28. August 1988 sollte für Besucher einer Flugshow ein Volksfest sein – und endete in einer Tragödie.

30 Jahre nach der Flugtag-Katastrophe auf dem pfälzischen US-Militärstützpunkt Ramstein haben Überlebende und Hinterbliebene der 70 Toten und etwa 350 Schwerverletzten gedacht. In dem Ort Ramstein-Miesenbach in direkter Nachbarschaft der riesigen Airbase trafen die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sowie die ehemaligen Regierungschefs Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU) insgesamt etwa 100 Angehörige und Opfer. „Wir können nichts ungeschehen machen – aber wir können gedenken, zusammenstehen und uns gegenseitig stützen“, sagte Dreyer.

Anwesend war auch der Bruder des italienischen Piloten, der das Unglück mitverursacht hatte. „Wahrheit erträgt kein Vergessen“, sagte Giancarlo Nutarelli bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Nikolaus von Ramstein-Miesenbach. „Der Schmerz hat uns alle tief getroffen, aber zugleich auch alle Betroffenen miteinander vereint.“

Beck sagte, es sei wichtig, Anteilnahme zu zeigen. „Es hilft, den Schmerz zu teilen – auch nach 30 Jahren“, meinte der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Die Trümmer der abgestürzten Maschinen befinden sich im Luftfahrtmuseum Rimini (Italien). „Wie jedes Jahr werden wir in einem speziellen Bereich eine Gedenkfeier abhalten, um nicht zu vergessen“, teilte die Museumsleitung mit.



Am 28. August 1988 waren bei einer Schau auf dem US-Militärflughafen Ramstein drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori (Dreifarbige Pfeile) kollidiert. Eine Maschine stürzte in die Menge und explodierte. 67 Zuschauer und 3 Piloten starben.

Für die 70 Toten waren in der Kirche 70 Kerzen aufgestellt. Sechs Trauerkränze, unter anderem vom Bundesverteidigungsministerium, standen am Altar. „Kaum ein anderes Unglück ist so tief im Gedächtnis unseres Landes verankert wie die Flugtagkatastrophe in Ramstein“, sagte Ministerpräsidentin Dreyer. Ebenso wie das Unglück würden der Schmerz der Opfer und Hinterbliebenen niemals verjähren.

Vor der Kirche gab es ungezählte Umarmungen. „Das ist wie ein Familientreffen“, sagte eine Frau, die schwer verletzt überlebt hatte. „Ich habe einen riesigen Feuerball gesehen – es war, als wenn der Himmel brennt“, schilderte sie die Tragödie. „Es ist schade, dass man sich so selten trifft“, meinte Marc-David Jung, der bei dem Unglück seinen Vater verlor. Er lobte die Anwesenheit von Dreyer, Beck und Vogel: „Es ist schön, dass die Politik Anteilnahme zeigt.“ Teilnehmer des Treffens kamen auch aus Baden-Württemberg, Luxemburg und dem Saarland. Viele tauschten schmerzhafte Erinnerungen aus.

Vor dem Gottesdienst hatte die Landesregierung in Mainz den Präsidenten des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek (SPD), zum ehrenamtlichen Landesopferbeauftragten ernannt. Placzek sagte in Ramstein, er wolle unter anderem behördliche Strukturen und Ehrenamtliche enger vernetzen.

Hinterbliebene und Überlebende wollten am Mittag im engsten Kreis an der Absturzstelle auf dem abgesperrten Gelände der Airbase zusammenkommen. Zum Abschluss sollten sich Angehörige und Opfer an einem Mahnmal außerhalb des Stützpunkts versammeln. Der Gedenkstein trägt die Namen der Toten. Ramstein im Landkreis Kaiserslautern ist das größte Luftdrehkreuz der US-Streitkräfte außerhalb der USA.

(dpa)