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Ausrangiertes Dienstauto könnte ihm zum Verhängnis werden
Feuerwehrchef wegen Betrugs angeklagt

Saarbrücken. Ein ausrangiertes, aber nicht schrottreifes Dienstauto der Stadt Saarbrücken könnte Josef Schun jetzt zum Verhängnis werden. Von Matthias Zimmermann

Ein Verfahren im Fall des Saarbrücker Berufsfeuerwehrchefs jagt das nächste. Hatte das Verwaltungsgericht in Saarlouis am Donnerstag darüber informiert, dass die zeitlich befristete Suspendierung von Josef Schun durch die Stadt rechtswidrig war, klagt ihn nun die Saarbrücker Staatsanwaltschaft wegen Betrugs beim Saarbrücker Amtsgericht an. Das wurde am Freitag bekannt. Gleichzeitig wurde ein ähnliches Verfahren in diesem Zusammenhang gegen Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) „wegen erwiesener Unschuld“ eingestellt.

Dabei dreht sich alles um ein Feuerwehrauto. Hier habe Schun vorgegeben, es handle sich um ein Fahrzeug, dass nur noch Schrott wert sei und woraus kein Profit mehr zu schlagen sei. Deshalb konnte er es, ohne dafür etwas zu bezahlen, an einen Privatfliegerverein verschenken. Allerdings soll der Wagen doch noch einen Wert von knapp 2000 Euro gehabt haben. Das teilt Christoph Rebmann, Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft, mit. Damit hätte Schun nicht so ohne Weiteres unentgeltlich an das 1996 erstmals zugelassene Dienstfahrzeug herankommen dürfen.

Der Vorwurf im Einzelnen, so wie ihn die Staatsanwaltschaft darstellt: Demnach soll der heute 41 Jahre alte Mann dem Pirmasenser Aero-Club, bei dem er selbst Mitglied ist, das auszumusternde Feuerwehrauto aus dem Besitz der Stadt Saarbrücken geschenkt haben. Das war im Juni 2013. Allerdings war der Peugeot Boxer 230 P in einem „guten Zustand“ gewesen, also nicht der Verschrottung preiszugeben. Um kostenlos an den Wagen heranzukommen, soll er nach Ansicht der Ermittlungsbehörde dem damaligen persönlichen Referenten von Rathauschefin Britz vorgegaukelt haben, das Auto einem Verein bereitzustellen, statt es verschrotten zu lassen. Im guten Glauben, dass der Vorgang korrekt überprüft worden sei, erhob Britz keine Einwände. Sie war folglich kein Mitwisser dieser Machenschaften. Deshalb wurde ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen die Rathauschefin eingestellt. Nun ist davon auszughen, dass Britz zentrale Zeugin der Anklage in einem möglichen Prozess gegen Schun sein wird.



Unterdessen habe die Stadt „bereits Schadenersatzansprüche gegen den Verein und den Leiter der Berufsfeuerwehr geltend gemacht“, teilte Stadt-Pressesprecher Thomas Blug mit. Das sei zeitlich mit den Ermittungsverfahren der Staatsanwaltschaft einhergegangen, die nun in die Betrugsklage mündeten.

Damit aber nicht genug: Nach dem Verwaltungsgerichtsbeschluss vom Donnerstag stellte die Stadt den Berufsfeuerwehrchef „vorerst vom Dienst frei“, ergänzte Blug. „Die Freistellung vom Dienst erfolgte nach Eingang des Verwaltungsgerichtsbeschlusses.“ Nachdem die Richter das städtische Verbot gegenüber Schun, seine Dienstgeschäfte zu führen, gekippt hatten, hätte er bereits am Freitag seine Stelle wieder antreten können. Mit der erneuten Freistellung kam ihm die Stadtverwaltung zuvor.

Am Montag steht zudem ein weiterer Gerichtstermin an. Dann werden Richter am Saarbrücker Landgericht bemüht. Dort will Genot Lehr, Anwalt des geschassten Feuerwehrchefs, erreichen, dass dem Personalratsvorsitzenden der Stadt Saarbrücken, Bernd Schumann, sowie dem saarländischen Landesgruppenvorsitzenden der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, Detlef Schütz, bestimmte öffentliche Aussagen gegenüber Schun untersagt werden. Dabei soll es unter anderem zu Äußerungen hinsichtlich gekürzter Urlaubstage sowie um Bewerbungen nach Schuns vorläufiger Amtspause gehen.