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Deutsch-französische Freundschaft
Europa-Aktion wegen Geiselnahme abgesagt

Grosbliederstroff. Die Partei von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, „La République en Marche“ (LREM), hatte den Ort bewusst ausgewählt. Auf der Freundschaftsbrücke zwischen Kleinblittersdorf und Grosbliederstroff sollte am Samstag der Auftakt einer landesweiten Europa-Offensive stattfinden, um die Menschen für die Errungenschaften der EU zu sensibilisieren. In öffentlichen Veranstaltungen, bei Stadtrundgängen und in Diskussionsrunden wollten sich die Parteimitglieder den Fragen der Bürger stellen. Auf der Brücke zwischen Deutschland und Frankreich beabsichtigten die Veranstalter, so viele Menschen wie möglich zu versammeln, um ein Bekenntnis zu einem vereinten und offenen Europa abzugeben. Europäische Hymne und das Steigenlassen von Ballons inklusive. Doch es kam anders. Von Hélène Maillasson

Nach dem Anschlag mit Todesopfern in einem Supermarkt in Südfrankreich sagte LREM am Freitagabend das Treffen auf der Freundschaftsbrücke ab. „In diesem Moment der Trauer und des nationalen Zusammenhaltes haben wir uns dazu entschieden, den Auftakt des großen Marsches für Europa auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen“, teilte Christophe Arend mit, der den Wahlkreis Forbach in der Nationalversammlung vertritt und die Veranstaltung initiiert hatte.

Der letzte terroristische Akt in Frankreich, bei dem Menschen starben, ereignete sich im vergangenen Oktober, als ein Mann vor dem Marseiller Bahnhof zwei Frauen niedergestochen hatte. Die Bedrohung hingegen ist geblieben, und die Menschen haben offenbar gelernt, damit zu leben. Nicht nur die Einsatzkräfte üben regelmäßig für den Ernstfall. Auch in Krankenhäusern und Kitas finden solche Trainings statt. Parteipolitische Kundgebungen unmittelbar nach einem solchen Ereignis bleiben aber tabu. Das galt am Wochenende auch für die in Forbach geplante Veranstaltung der Partei „Les Patriotes“. Die Splitter-Partei der rechtspopulistischen „Front National“ (FN) wurde von Florian Philippot gegründet und ist in Forbach gut verankert. Ihre Ziele: der Austritt aus der Euro-Zone und die Rückkehr der stationären Grenzkontrollen. Ausgerechnet in Forbach wollte die Partei am Wochenende einen „Marsch für Frankreich“ veranstalten – als Gegendemonstration zum Marsch für Europa.