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Wer hilft jetzt bei der Ernte
Spargelsaison startet – Feldarbeiter fehlen

 Ein Spargelstecher erntet das edle Gemüse. Die letzte Saison lief schon nicht optimal. Jetzt fehlen die Saison-Arbeitskräfte. Die Coronakrise könnte die Branche besonders hart treffen.
Ein Spargelstecher erntet das edle Gemüse. Die letzte Saison lief schon nicht optimal. Jetzt fehlen die Saison-Arbeitskräfte. Die Coronakrise könnte die Branche besonders hart treffen. FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Mainz/Darmstadt/Bruchsal. Erntebeginn bei den Spargelbauern, doch die Coronakrise bereitet ihnen Sorgen. Die Grenzkontrollen bremsen Saisonarbeiter aus. Ministerin Klöckner kann sich regionale Jobbörsen vorstellen. dpa

Die Spargelbauern in der Rhein-Main- und in der Rhein-Neckar-Region starten in dieser Woche mit der Ernte des Edelgemüses. Allerdings könnte die Coronakrise den Landwirten das Geschäft verhageln. Der Grund: Wegen der Reisebeschränkungen fehlt es auf den Höfen an Saisonarbeitern. „Das spitzt sich ganz, ganz extrem zu“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt. Er will am Mittwoch mit dem Stechen des Spargels beginnen. „Wir sind am Ausloten, wie wir die Ausfälle kompensieren können“, sagte auch Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

„Die Spargelernte ist in großer Gefahr“, glaubt Meinhardt. Die Arbeitskräfte würden an der Grenze sitzen oder seien erst gar nicht gestartet. Das Problem beträfe aber nicht nur den Spargel, auch bei Erdbeeren oder dem Gemüseanbau gebe es Probleme. „Die ganze Pflanzarbeit muss ja jetzt gemacht werden.“ Wenn die Saisonarbeitskräfte nicht kommen, gebe es auch kein Gemüse oder Salat. „Ein Jahr ohne Ernte verkraftet keiner.“

„Wir stehen in den Startlöchern“, sagte Köhr mit Blick auf den Beginn der Spargelernte. Man sei derzeit am Ausloten, was die Reisebeschränkungen rechtlich bedeuten. Aber einen Ausfall bei den Erntehelfern werde es in jedem Fall geben. „Das macht sich bemerkbar in den Betrieben.“



„Wir müssen kurzfristige Lösungen finden“, sagte Hans Lehar von der Obst und Gemüse Absatzgenossenschaft Nordbaden. Bei Kontrollen an den Grenzen müsse es klare Anweisungen geben, dass Leute mit Arbeitsverträgen auch durchgelassen würden. Viele Saisonarbeiter seien unterwegs und stellten sich die Frage, ob sie reingelassen würden. „Viele wollen ja schon gar nicht mehr kommen.“ Das betreffe aber nicht nur den Spargel, sondern die gesamte deutsche Landwirtschaft. Nach Einschätzung der Betriebe würden rund ein Drittel der Arbeitskräfte ausbleiben.

Viele Saisonarbeitskräfte kommen aus Ost- und Südosteuropa. Deutschland hatte zur Eindämmung einer Ausbreitung des Coronavirus an den Übergängen zu Österreich, Frankreich, Luxemburg und Dänemark sowie zur Schweiz strenge Grenzkontrollen angeordnet. Polen und Tschechien hatten zuvor von sich aus strengere Regeln erlassen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) schlägt wegen der Coronakrise den Einsatz von Beschäftigten aus der Hotel- und Gastwirtschaft als Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft vor. Sie könne sich „regional organisierte Jobbörsen vorstellen, die Arbeitnehmer aus Branchen, die wegen der Coronakrise zum Stillstand gekommen sind, an die Landwirtschaft vermitteln“, sagte sie im Interview mit der Mainzer Allgemeinen Zeitung. Klöckner sagte: „Auf der einen Seite drohen viele Kräfte zum Beispiel aus der Hotel- und Gastronomiebranche bald ohne Einkommen dazustehen. Auf der anderen Seite haben die Landwirte schon in normalen Zeiten Schwierigkeiten, helfende Hände zu finden. Sollten immer weniger Saisonkräfte aus Nachbarländern kommen können, wird das nicht nur die Spargel- oder Erdbeerbauern treffen.“

In Südhessen wird Spargel auf rund 2000 Hektar angebaut. Im südlichen Rheinland-Pfalz sind es rund 1500 und in Nordbaden 500 bis 600 Hektar. Bundesweit gibt es eine Anbaufläche von rund 23 000 Hektar.

Die Spargelernte beginnt in Deutschland normalerweise in der zweiten Aprilhälfte und dauert bis zum „Johannestag“, dem 24. Juni. In den vergangenen Jahren begann sie aber auch schon früher, nicht zuletzt wegen des Einsatzes von Folien. War das vor 20 Jahren noch eher die Ausnahme, ist es heute eher der Regelfall – und nimmt auch beim Beerenanbau zu.

 Bundes- landwirtschafts- ministerin  Julia Klöckner  Foto: Hilse/ap
Bundes- landwirtschafts- ministerin Julia Klöckner Foto: Hilse/ap FOTO: AP / Annegret Hilse