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Tod im Holiday Park
Erneut Freisprüche im Freizeitpark-Prozess

Eine Elfjährige aus Kelsterbach bei Frankfurt wurde am 15. August 2014 in diesem Fahrgeschäft „Spinning Barrels“ („Drehende Fässer“) im Haßlocher Holiday Park von den Plattformen erfasst und tödlich verletzt.
Eine Elfjährige aus Kelsterbach bei Frankfurt wurde am 15. August 2014 in diesem Fahrgeschäft „Spinning Barrels“ („Drehende Fässer“) im Haßlocher Holiday Park von den Plattformen erfasst und tödlich verletzt. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Frankenthal/Haßloch. Vor fast drei Jahren starb ein Mädchen im Holiday Park in der Pfalz. Zwei damalige Vorgesetzte des Karussell-Bedieners bleiben auch in der zweiten Instanz straffrei. Die Eltern sind enttäuscht.

(dpa) Auch im erneuten Prozess um den Unfalltod eines Mädchens im Holiday Park im pfälzischen Haßloch bleibt es für die Angeklagten beim Freispruch. Das Landgericht Frankenthal verwarf gestern die Berufung von Staatsanwaltschaft und Eltern gegen ein Urteil des Amtsgerichts Neustadt/Weinstraße, das die Männer, die damals vor Ort Verantwortung trugen, im Jahr 2016 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen hatte.

Zwar habe es seitens der Angeklagten eine „Gefahr erhöhende Verletzung von Kontrollpflichten“ gegeben, sagte der Vorsitzende Richter Uwe Gau. So hätten etwa drei Viertel der befragten Karussel-Bediener gesagt, dass sie von einer wichtigen Warn-Durchsage beim Start nichts gewusst oder diese mitunter unterlassen hätten. Aber: „Wir können den Nachweis nicht führen, dass es anders gekommen wäre, wenn die Kontrollen besser gewesen wären.“

Die Eltern der getöteten Elfjährigen aus Kelsterbach bei Frankfurt nahmen das Urtreil niedergeschlagen auf. „Ich sehe in den mangelhaften Kontrollen durchaus eine Ursache für Ambers Tod“, sagte die 35-jährige Mutter. Ihr Anwalt Frank Peter kündigte Revision an.



Die Elfjährige war am 15. August 2014 in dem Fahrgeschäft Spinning Barrels („Drehende Fässer“) im Holiday Park von den Plattformen erfasst worden, als das Karussel startete. Sie wurde überrollt und tödlich verletzt (wir berichteten).

In der ersten Instanz war der damals 22-jährige Ex-Bediener des Fahrgeschäfts wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass er die Tür zum Fahrgeschäft offengelassen hatte, so dass Mutter und Tochter zu einem Zeitpunkt in das Karussel gelangten, als dies nicht mehr hätte sein dürfen. Die damaligen Vorgesetzten des Mannes – ein 32-jähriger Steward, der Bediener des Fahrgeschäfts einwies, und der 42-jährige „Operations Manager“, der den Betrieb des Parks überwacht – waren freigesprochen worden. Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und die als Nebenkläger auftretenden Eltern danach Berufung eingelegt.

Auch wenn viele Bediener in Sachen Durchsage nicht richtig kontrolliert worden seien, sehe das Gericht keinen strafrechlich relevanten Zusammenhang zwischen dem „Fehlverhalten mangelnder Kontrolldichte“ und dem Unglück, sagte Gau. Letzlich sei es zu dem Unfall gekommen, weil der Bediener einen Kontrollblick unterlassen habe und weil defekte Kontakte an der Tür dem System signalsisiert hätten, dass diese geschlossen gewesen sei. Ein „schicksalhafter Zufall“ habe außerdem dazu geführt, dass Bediener, Mutter und Tochter sich auf einer Achse um die Mitte des Karussels bewegt und sich deshalb nicht gesehen hätten.

Der Berufungsprozess vor dem Landgericht Frankenthal sollte klären, ob die beiden ehemaligen Vorgesetzten des Karussell-Bedieners eine Mitschuld an dem Unglück trifft. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war der Bediener des Karussells schlampig von seinen Vorgesetzten eingewiesen worden. „Ihm fehlten konkrete Handlungsvorgaben.“ Der damalige Teamleiter habe ihm unter anderem nicht mitgeteilt, dass vor dem Start des Karussells die Ansage „Achtung, Fahrt beginnt“ erfolgen sollte. Diese wiederum hätte den Unfall verhindern können. „Wäre diese Durchsage wie vorgeschrieben gekommen, dann hätte die Mutter gleich um Hilfe gerufen und das Karussell hätte sich gar nicht erst in Bewegung gesetzt“, sagte der Staatsanwalt.

Dem 42-jährigen Betriebsleiter wird dagegen zu Last gelegt, seine Kontroll- und Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Er habe weder den Teamleiter noch die Bediener ausreichend kontrolliert. Für den heute 32 Jahre alten Teamleiter beantragte die Staatsanwaltschaft 150 Tagessätze à 45 Euro, der Betriebsleiter soll 150 Tagessätze à 80 Euro zahlen.

„Die Sicherheit muss man mit der Lupe suchen“, sagte der Anwalt der Mutter, die als Nebenklägerin auftrat. „Der Unfall war kein Zufall“, sagte er. „Für mich steht fest, dass Amber noch leben würde, hätte es die Durchsage gegeben.“ Die Mutter sagte unter Tränen: „Mir ist der Sinn meines Lebens genommen worden“. Mit das Schlimmste sei, dass es noch immer keine Konsequenzen nach dem Unfall gegeben hätte.

Die Verteidigung hatte in ihren Plädoyers dagegen Freispruch für die beiden Männer gefordert. Sie sprachen von „nicht ausreichenden Beweismitteln“. Es stehe Aussage gegen Aussage, dass der Bediener nicht über die Notwendigkeit der Durchsage informiert wurde, so der Anwalt des Teamleiters. Auch der Betriebsleiter des Holiday Parks habe „seine Pflicht in ausreichendem Maße erfüllt“, sagte dessen Verteidiger. Beide Männer wandten sich während der Verhandlung an die Eltern. Der Betriebsleiter sagte: „Ich bedauere den Tod sehr. Aber mein persönliches Verhalten hat keine Ursache bei dem Unglück.“

(dpa)